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Lektüre: Neue Märchenbücher für Groß und Klein

In den 70er Jahren sind Märchen wegen angeblicher Grausamkeit unpopulär geworden. Mittlerweile fesseln die Geschichten jedoch erneut immer mehr Menschen.

"Kinder brauchen Märchen" forderte vor dreißig Jahren der renommierte Kinderpsychologe Bruno Bettelheim in seinem gleichnamigen Bestseller. In der Tat: Wohl kaum ein Kind kann sich der Zauberwelt der Märchen entziehen - ihrer tiefen Symbolik, ihren existentiellen Themen und den unzähligen Beispielen, wie man im Leben Konflikte mit Mut meistern kann. "Tiefere Bedeutung", so schrieb einst Friedrich Schiller, "liegt in dem Märchen meiner Kinderjahre als in der Wahrheit, die das Leben lehrt."

Kurz: Märchen machen Mut zum Leben, denn das Gute siegt immer, und sie geben der Fantasie großen Spielraum, sich zu entfalten. Deshalb sind sie seit Jahrhunderten Dauerseller - besonders, wenn sie mit hochwertigen Bildern illustriert sind. Und auch Erwachsene erliegen der Faszination alter Märchen in neuem Gewand - wie der seit Jahren anhaltende Trend zur Fantasy-Literatur oder die Adaption von Märchenmotiven im Film ("Sieben Zwerge - Männer allein im Wald") beweisen.

Viele neue Publikationen stehen im Zeichen des Hans-Christian-Andersen-Jahres, denn am 2. April jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des dänischen Dichters.

"Hans Christian Andersen. Märchen"

Von den Märchen, die er hinterlassen hat, wurden in dem aufwändig gestalteten und vom Weinheimer Verlag Beltz & Gelberg heraus gegebenen Band "Hans Christian Andersen. Märchen" 43 von Nikolaus Heidelbach liebevoll illustriert. Die kostbare Ausstattung des Buches und die exzellente Übersetzung von Walter Leonhardt runden dieses besondere Werk ab.

H. C. Andersen. Märchen

Wem es nicht so sehr um Bilder, dafür aber mehr um den Text geht, ist mit dem neuen handlichen Bändchen des Stuttgarter Reclam-Verlages "H. C. Andersen. Märchen" gut bedient. Auch hier lässt sich alles nachlesen über das Mädchen mit den Schwefelhölzern, die Prinzessin auf der Erbse, den fliegenden Koffer oder über das hässliche Entlein.

Meine afrikanischen Lieblingsmärchen

Heraus aus dem dunklen deutschen Hexen-Tann und herein in die Weite afrikanischer Steppen entführt Nelson Mandela mit seinem Band "Meine afrikanischen Lieblingsmärchen". Die aus verschiedenen Ländern des schwarzen Kontinentes zusammen getragenen Geschichten eröffnen eine neue mythische Welt, deren Figuren zwar andere sind, deren Botschaften von Gut und Böse, Lohn und Bestrafung aber erstaunliche Ähnlichkeit mit der europäischen Märchenwelt aufweisen. Mit farbenfroher und poetischer Sprache erzählen die Geschichten von der Schöpfung, der Kraft der Natur und von einer Zeit der Harmonie zwischen Mensch und Tier.

Zaubermärchen

Durch besonders schöne Bilder zeichnet sich der von Henriette Sauvant heraus gegebene und illustrierte Band "Zaubermärchen" aus. Mit altmeisterlicher Technik versteht es Sauvant, Fantastisches und Realistisches zu stimmungsvollen Bildern zusammenzufügen, die die schönsten Zaubergeschichten der Brüder Grimm, des Franzosen Charles Perrault und des Engländers Joseph Jakobs untermalen.

Märchen

Für Liebhaber des klassischen deutschen Märchenschatzes ist der vom Randomhouse-Kinderbuchverlag cbj neu heraus gegebene Prachtband von Grimms "Märchen" gedacht. Diese Ausgabe mit den 50 bekanntesten Geschichten Jakob und Wilhelm Grimms wurde von Adolf Born reich bebildert und wird damit dem Ansinnen der Märchenbrüder mehr als gerecht, "dass die Poesie selbst, die darin lebendig ist, wirke und erfreue, wen sie erfreuen kann".

Märchenschatz

Rotkäppchen und Aschenputtel, Bruder Lustig und der kleine Däumling, Brüderchen und Schwesterchen geben sich in dem von Hans-Jörg Uther zusammen getragenen "Märchenschatz" ebenfalls ein Stelldichein, auch wenn in dieser Ausgabe deutscher Märchen die Bebilderung nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Der Autor, einer der bekanntesten Erzählforscher Deutschlands, hat in einem weiteren Band auch "Die schönsten Märchen und Geschichten zur Weihnachtszeit" veröffentlicht - ein ideales Vorlesebuch an kalten Winterabenden.

Spielbilderbücher mit Märchentexten

Für kleinere Leser eignen sich die originellen Spielbilderbücher des Berliner Aufbau-Verlages, in denen Märchentexte - etwa Wilhelm Hauffs "Zwerg Nase" oder "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" der Brüder Grimm - mit einem Daumenkino zum Selberbasteln kombiniert ist.

Susanna Gilbert-Sättele/DPA/DPA
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo