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Literatur: Für Aug' und Ohr

Offenbar reicht es nicht mehr, zum Lesen einfach nur ein Buch zur Hand zu nehmen. Buchverlage bieten den Lesern an, sich vor der Lektüre in die richtige Stimmung zu versetzen.

Offenbar reicht es nicht mehr, zum Lesen einfach nur ein Buch zur Hand zu nehmen. Eine Reihe von Buchverlagen jedenfalls bietet den Lesern an, sich vor der Lektüre in die richtige Stimmung zu versetzen. Dabei helfen soll die passende Musik zur Geschichte, um das Gelesene klanglich zu untermalen - nach dem Motto: Wer lesen will, darf auch hören.

Der Münchner Piper Verlag etwa hat als Zugabe zu seinem Fantasy-Roman "Die Nebelsängerin" aus der Trilogie "Das Erbe der Runen" von Monika Felten eine inhaltsbezogene Audio-CD herausgebracht. Christa Beiling, bei Piper für Vertrieb und Marketing zuständig, ist "überbordenden Mutes", dass die eigens für das Buch produzierte, «sehr atmosphärische Musik» Fantasy-Freunde ansprechen wird. Auch sei der Preis wegen der CD nicht höher, versichert Beiling.

"Die Musik schafft eine Atmosphäre zum Lesen"

Hinter dem CD-Projekt zu "Das Erbe der Runen", das neben Büchern mit CDs auch Puzzles mit CDs sowie Kalender umfasst, steht der Hamburger Musikverlag Ahrenkiel. Laut Sprecher Heiko Kleist ist das multimediale Projekt einmalig, weil die Lieder eigens für den Roman produziert oder speziell für die Puzzles komponiert wurden. "Die Musik schafft eine Atmosphäre zum Lesen", sagt Kleist. Bei "Die Nebelsängerin" sollen drei Titel mit insgesamt einer knappen Viertelstunde Länge auf den Lesestoff "klanglich-assoziativ einstimmen". Interpretiert werden die Lieder von der jungen Sängerin Anna Kristina. Kleist stellt sich für die Buch-Musik-Kombination vor, dass es sich der Leser bei Kerzenlicht, einem Glas Wein und der passenden Musik mit dem Buch im Lesesessel bequem macht.

Die Kombination von Lektüre und musikalischer Untermalung ist bei Piper nicht ganz neu. Auch dem Buch "Bach und ich" des niederländischen Schriftstellers Maarten t'Hart liegt eine CD mit 13 Bach-Werken bei, die aber im Gegensatz zur "Nebelsängerin" natürlich nicht eigens für das Buch komponiert wurden. Bei Andrea de Carlos "Die ganz große Nummer" war das Paket aus Buch und CD eine Vorgabe des Verlags aus Italien. Zudem spielt der Autor selbst bei den zehn Musikstücken mit.

Musik und Krimis passen nicht zusammen

Auch dtv setzt bei seinem neuen Bildband "Steine" auf die Kombination Buch und Musik. Die Cheflektorin für Sachbücher, Andrea Wörle, beschreibt die Musik zum Buch als "sehr ruhige, meditative Klänge mit spirituellen Elementen zur Entspannung". Ursprünglich sei sie Begleitmusik für eine Vernissage der Fotografin Monika Attmanspacher gewesen. Das sei beim Publikum so gut angekommen, dass sie ihr Buch mit CD herausbringen wollte.

"Idealerweise blättert man in dem Buch, betrachtet die Schönheit der Steine, liest Gedichte oder eine kleine Fabel, und dazu läuft die Musik", sagt Wörle, die verantwortlich für die Textauswahl in "Steine" ist. Für Krimis kann sie sich jedoch keine passende Musik vorstellen: "Das lenkt zu sehr ab." So sieht das auch Piper-Sprecherin Eva Brenndörfer: "Es muss passen und soll nicht ablenken."

"Im Mittelpunkt steht das Buch"

Auf einen literarisch-musikalischen Erfolg hofft auch der Schweizer Christoph Merian Verlag für "Das Kamel auf der Startbahn" des Basler Theaterintendanten Michael Schindhelm. Seiner Erzählung über einen jungen Tagträumer auf Trekkingtour sind 120 Farbabbildungen aus dem Film "Lied von der Steppe" von Schindhelm und Jörg Jeshel sowie Musik aus der Mongolei, Aserbaidschan, Armenien, Kirgistan und der Türkei beigefügt. "Schindhelm will alle Sinne ansprechen", sagt Verlagssprecherin Ulrike Plessow.

Der Kölner Verlag Kiepenheuer und Witsch hat Bücher im Programm, für die sich Musik-CDs geradezu anbieten. Doch Nick Hornbys "High Fidelity" und "31 Songs" erschienen ohne musikalische Zugaben im Buch. Sprecherin Gudrun Fähndrich sagt: "Bei Hornbys Büchern oder einigen Opernführern wäre die Ergänzung ideal, doch wir sind ein reiner Buchverlag." Auch bei Piper sollen Bücher mit Soundtrack die Ausnahme bleiben: "Die Musik ist immer Begleitung, im Mittelpunkt steht das Buch."

Ines Albiez, dpa

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