HOME

No Problem!: Reisen, Pech und Pannen

Chaos am Flughafen, verdorbene Mägen und hinterlistige Taxifahrer: Die Journalisten Swantje Strieder und Teja Fiedler sind viel herumgekommen und kennen die Tücken des Reisens. In ihrem Buch "No Problem" geben sie persönliche Tipps, wie man besser ankommt.

Von Till Bartels

In ihrem neusten Buch "No Problem!" erzählen die beiden Journalisten Swantje Strieder und Teja Fiedler, die seit vielen Jahren allein sowie gemeinsam unterwegs sind, von ihren Pleiten, Pech und Pannen, die sie auf ihren Reisen erlebt haben: von Kakerlaken in der Sachertorte, selbst ernannten Guides und charmeresistenten Berufsgruppen wie US-Einwanderungsbeamte und russisches Hotelpersonal. Und von undefinierbaren Speisen, verlorenem Gepäck, das pünktlich zur Abfahrt am Urlaubsort eintrifft und von Taxifahrern, die in jedem Souvenirladen einen Onkel haben.

"Reisen ist Leben, und Leben ist Reisen" - dieser mehrmals zitierte Ausspruch des Schriftstellers Jean Paul dient als roter Faden der Zusammenstellung ihrer kurzweiligen Reiseerzählungen. In den über 20 Beiträgen ziehen Strieder und Fiedler die Quersumme ihres journalistischen Nomadenlebens mit viel Humor und Augenzwinkern.

Dabei gliedern nicht Geografie oder Geschichte, sondern Themen ihr Werk. In Kapiteln mit Titeln wie "Andere Länder, andere Vorurteile", "Hotel - Heimat in der Ferne" oder "Mein wunderbarer Haarsalon" erzählen die viel reisenden Reporter von Rezeptionisten mit Hyänenlächeln, Missverständnissen in fremden Sprachen oder vom Baby mit Blähungen auf dem Nachbarsitz während eines Nachtfluges.

"Erstaunlicherweise leben wir, reisen wir, streiten wir noch immer recht erfolgreich zusammen", heißt es im Vorwort. "Wir haben sogar dieses Buch zusammen geschrieben." Jedem Kapitel ist deshalb ein "Sie" oder "Er" vorangestellt, um zu wissen, wer den Text verfasst hat. Teilweise halten die weit herum gekommenen Reporter sogar innerhalb eines Kapitels Zwiesprache miteinander, was den Unterhaltungswert des Buches noch weiter erhöht.

Für den Leser sind vor allem die versteckten und persönlichen Tipps besonders nützlich. Zu den unverzichtbaren Utensilien ihrer Survivalausrüstung gehören die Nähnadel mit bereits eingefädelten Faden für sie, für ihn das knitterfreie Kaschmirsakko und ein Schweizermesser.

Das 256-Seiten starke Buch schließt mit einem Reise-ABC, das in kleinen Miniaturen heikle Reisebegriffe wie "Alkohol", "Bettler", "Jetlag" und "Zoll" erläutert. Ihr Fazit nach 30 Jahren Reisetätigkeit: "Eins wissen wir allerdings ganz sicher: Wenn irgendwo auf dieser Welt, meist zusammen mit einem treuherzigen Augenaufschlag, der Ausspruch "No problem" fällt, dann lauern die Probleme gleich hinter der nächsten der Ecke."

Auf den folgenden Seiten bringen wir mit freundlicher Genehmigung des Piper Verlages Auszüge aus dem Reise-ABC der Autoren.

Bettler

Von Swantje Strieder und Teja Fiedler

Sie hocken vor dem Tempel oder der Moschee, vor dem Bahnhof, an der Kreuzung, vor Ihrem Vier-Sterne-Hotel oder vor Ihrem Lieblingscafé, sie sind überall - und immer schon vor Ihnen da: das Heer der Handaufhalter. Es gibt fromme Bettler wie die Sadhus in Indien, die aus Hingabe zu Gott um Almosen bitten wie ihre buddhistischen Mönchskollegen in ihren safrangelben Roben. Es gibt echte Arme wie landflüchtige Bauern, Witwen und Waisen, die in Ländern ohne Hartz IV auf die milden Gaben der Gesellschaft angewiesen sind.

Aber es gibt auch ein böses, florierendes Geschäft mit der Armut: Eine gut organsierte Mafia postiert ihre illegalen "Straßenarbeiter" strategisch an den neuralgischen Punkten, an denen fromme Pilger und weichherzige Touristen aufkreuzen, und kassiert ab. Menschliches Elend? Ganz sicher! Kürzlich zeigte die BBC in einem under cover gedrehten Film, wie indische Ärzte bei einem kerngesunden Bettler für 200 Dollar eine Beinamputation planten, als berufsqualifizierende Maßnahme. Geben oder nicht geben?

Seriöse Hilfsorganisationen raten: Nein! Doch was soll man tun, wenn so ein armer Krüppel an die Autoscheibe klopft? Wenn ein kleines Lumpenkind Sie mit großen Augen ansieht? Kaufen Sie Kindern am besten frisches Obst. Und geben Sie Erwachsenen ein bisschen Kleingeld. Aber nur, wenn Sie eine Rückzugsmöglichkeit, etwa ins Auto, haben, sonst werden Sie Sekunden später nicht nur von einem, sondern von einem Heer von Elenden belagert die "not enough, not enough" schreien.

Fake Brands

Von Swantje Strieder und Teja Fiedler

Es ist schon eine Verlockung, an einem warmen Tropenabend über Bangkoks nächtlichen Markt an der Sukhumvit Road zu promenieren und hier ein T-Shirt, dort einen Rucksack, eine Baseballkappe von den New York Knicks oder ein Röckchen mit einem bekannten Logo drauf für einen Schnäppchenpreis zu erstehen. Oder auf den Elektronic-Schwarzmärkten von Rawalpindi bis Hongkong nachgemachtes Digitales nach Herzenslust zu ershoppen. Oder auf der Engelsbrücke in Rom von einem schwarzafrikanischen Schwarzhändler eine tief dunkle Markensonnenbrille, Modell "kleiner Mafioso", zu erstehen.

Das kriminelle Wesen in uns freut sich, die großen westlichen Heuschreckenfirmen, die ja oft genug ihre Arbeiter in der Dritten Welt zu Hungerlöhnen beschäftigen, auch einmal auszutricksen. Und hat man nicht dem lächelnden Thai-Mädchen, dem netten Inder oder Schwarzafrikaner, alles fähige Leute, die auch noch die Zauberkraft besitzen, sich bei nahendem Polizeiaufgebot in Luft aufzulösen, einen Gefallen getan? Die lokale Wirtschaft angekurbelt?

Nein, hat man nicht! Lassen Sie die Finger von den Sachen. Produktpiraterie und Schwarzhandel werden heute in allen Ländern streng verfolgt. Auch beim Käufer. Pfeifen Sie auf die gefakten Marken, kaufen Sie lokales Handwerk, am besten aus einer Kooperative, damit haben Sie mehr für den fairen Welthandel getan.

Jetlag

Von Swantje Strieder und Teja Fiedler

Man nennt ihn auch den Kater der Lüfte. Er springt uns fauchend an, ob wir nun ostwärts oder westwärts um den Globus düsen. Denn unsere innere Uhr lässt sich nicht so leicht betrügen, die steht meist noch auf die gute alte MEZ in Wanne-Eickel, obwohl wir unsere Armbanduhr doch längst auf Rio- oder Tokio-Zeit umgepolt haben. Da sind wir nun vormittags von Frankfurt nach New York gejettet - sechs Stunden zurück - und stehen nachmittags bereits an einem Ticketschalter am Times Square und ergattern glücklich die letzten Karten für ein hochgehypetes Stück mit Langbein Julia Roberts.

Und dann packt uns der Tiefschlaf unerbittlich im Theatersessel, Roberts hin oder her. Oder wir jetten nach Bangkok - sechseinhalb Stunden voraus - und machen, weil wir gar nicht müde sind, in der Disco mit den flotten Thaigirls noch einen drauf - "One Night in Bangkok Makes a Strong Man Tumble" heißt der kennerhafte Song - und am nächsten Tag, wenn um zwölf Uhr das Zimmermädchen klopft, schwirrt Ihnen der Schädel, obwohl Sie gar keiner niedergeschlagen hat. Und Ihren Weiterflug nach Hongkong haben Sie auch noch verpasst.

Manche Vielreisende experimentieren mit Melatonin, Aspirin und Mineralwasser, um den Jetlag klein zu halten, Hartgesottene geben ihm mit Whiskey on the Rocks den doppelten Kick. Er lässt sich aber nicht so leicht austricksen, der Jetlag. Deshalb düsen Vielflieger so gerne nach Südafrika, wo es für uns so gut wie keinen gibt: auf den gleichen Längengraden gilt die gleiche Zeit - wie in Wanne-Eickel.

Reiselektüre

Von Swantje Strieder und Teja Fiedler

Reiselektüre gehört zu den wichtigsten - häufig aber sträflich vernachlässigten - Utensilien fürs Gepäck. Irgendwie scheinen wir unbewusst davon auszugehen, dass unsere Zeit unterwegs ausgefüllt sein wird mit überwältigenden Eindrücken, spannenden Begegnungen, abendfüllenden Unternehmungen. Leben aus erster Hand - und schon vergessen wir das Leben aus zweiter Hand, wie es im Buche steht, einzupacken. Doch dann ist der Flieger verspätet, wir sitzen stundenlang im Warteraum herum.

Der hoffnungsvolle Urlaubsflirt sagt den Strandspaziergang unter Sternen ab, die Tischnachbarn sind langweilig. Und dauernd Fernsehen kann auch kein Mensch. Wohl dem, der dann ein Buch zur Hand hat, das ihn über die toten Stunden trägt und im Idealfall sogar richtig fesselt. Wer nicht allein auf das Bestsellerangebot der Flughafenbuchhandlungen angewiesen sein will, sollte rechtzeitig daran denken.

Trinkgeld

Von Swantje Strieder und Teja Fiedler

Man gibt immer zu viel oder zu wenig! Nichts ist so schwer, wie das richtige Trinkgeld zur rechten Zeit an den verdienten Mann oder die richtige Frau zu bringen. Trinkgeld ist auf der ganzen Welt eine freiwillige Leistung, die gleichzeitig obligatorisch ist, wenn wir nicht als knauserige Piefkes dastehenwollen.

In sozialistischen Ländern galten Trinkgelder lange Zeit als Korruptionsmittel des Westens, wobei die Betroffenen sich liebend gerne korrumpieren ließen. In Amerika laufen entnervte Kellner oft ihren nice german guests auf die Straße nach, weil diese "vergaßen", die landesüblichen 15 Prozent plus tax in der ledernen Rechnungsbrieftasche zu hinterlegen.

Den Scheichs aus den Emiraten geht der Ruf fürstlicher Apanagen selbst für kleine Handreichungen voraus, Inder der oberen Kasten legen dagegen oft nur mickrige Beträge auf den Teller. Ich kenne einen feinen alten Herren aus dem deutschen Hochadel, der belohnt auch den kleinsten Kofferträger mit einem Zehn-Euro- Bonus - egal ob im Sacher in Wien, im Mayfair in London oder in der einfachen Lodge in Südafrika. Noblesse oblige! Erkundigen Sie sich am besten nach den Landessitten, und wenn Luigi, Bob oder Sunil besonders nett und hilfsbereit waren, legen Sie noch ihren ganz persönlichen Bonus drauf.

Wissenscommunity