MARLENE DIETRICH Späte Versöhnung mit einem Weltstar


Sie wird geliebt, verehrt und nachgeahmt - bis heute ist Marlene Dietrich unvergessen. Auch zehn Jahre nach ihrem Tod gilt die glamouröse Diva als einziger deutscher Weltstar. Die gebürtige Berlinerin war stets mehr als eine gefeierte Schauspielerin. Sie war ein Star, ein Stern am Himmel der Showbranche, wie es ihn heute kaum mehr gibt. Im Alter von 90 Jahren starb »die Dietrich« am 6. Mai 1992 in ihrer Pariser Wohnung, wo sie die letzten 16 Jahre einsam und zurückgezogen von der Welt gelebt hatte.

Das Verhältnis der Deutschen zu dem 1930 in die USA ausgewanderten Star war lange Zeit schwierig. Als »Vaterlandsverräterin« wurde die entschiedene Nazi-Gegnerin beschimpft und als eine, die an der Seite der Amerikaner gegen ihr eigenes Vaterland gekämpft habe. Auch mit ihrem ausdrücklichen Wunsch, in ihrer Heimatstadt Berlin beerdigt zu werden, waren viele Deutsche noch nicht endgültig versöhnt. Erst 1997 wurde ein Platz im neuen Potsdamer-Platz-Viertel nach Marlene benannt. Als späte Geste der Aussöhnung wird Marlene Dietrich von der Stadt Berlin nun am 16. Mai, dem Tag ihrer Beerdigung vor zehn Jahren, posthum die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Ein Star für Liebe und Hass

»Das war Hassliebe«, sagte Marlene einmal. »Die liebten mich, und die hassten mich.« Solche starken Gefühle erregen die heutigen Stars bei Kinozuschauern und Fans kaum noch. Zu schnell wechseln die Moden, Vorlieben und auch das Programm in den Kinos. »Als Star muss man mehr sein als eine gute Schauspielerin«, sagt der Direktor des Berliner Filmmuseums, Hans Helmut Prinzler. »Es sind ganz irrationale Gründe, die einen Star ausmachen: Auftreten, Körpersprache, Ausstrahlung.« Der Filmexperte betont: »Stars müssen sich selbst inszenieren.« Und: »Es gehört auch Kopf und Intelligenz dazu, nicht nur Körper.«

Marlene spielte immer lustvoll mit ihrem schillernden, verruchten Image, präsentierte sich offenherzig mit wechselnden weiblichen und männlichen Liebhabern und führte die androgyne Mode ein. Auch wenn einige ihre Filme Flops waren, blieb ihr Starmythos davon unberührt.»Es gibt Nebenschauplätze neben dem Kino, auf denen man präsent sein muss«, sagt Prinzler. Da könnten die deutschen Schauspieler noch viel von ihren Hollywoodkollegen lernen. Viele Schauspieler hätten aber wohl auch einfach keine Lust, ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit auszubreiten, meint Prinzler. Trotzdem sieht er auch heute Schauspielerinnen mit großem Potenzial: »Franka Potente und Veronica Ferres haben das Zeug zum Star.«

»Ich glaube, so große Stars wie Marlene kann es heute nicht mehr geben«, sagt Alfred Holighaus, der die Berlinale-Sektion »Perspektive Deutsches Kino« leitet. Schuld daran sei zum Teil auch das Fernsehen, in dem sich die Gesichter schnell verbrauchen. »Man muss auch Star sein wollen, um Star zu sein«, sagt Holighaus. »Wenn man denkt, Startum drückt sich darin aus, dass man sich rar macht und zickig ist, dann ist das ein falsches Verständnis.«

Die Gefühle und Sehnsüchte, die die Kinozuschauer auf ihre Leinwand-Helden projizierten, müsse ein Star auch bewusst bedienen. »Das geht den Schauspielern in Deutschland zum Teil ab. Die sagen, «Ich mache meinen Job und das reicht»«, sagt Holighaus. »Aber ich glaube, die Schauspieler selbst beklagen sich am wenigsten darüber, dass sie keine Stars sind.«

Elke Vogel


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker