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"Sachbücher des Monats": Wieso NDR und "Süddeutsche Zeitung" ein rechtsextremes Buch empfahlen

Viel Aufregung in den Kulturredaktionen des Landes: Auf der Liste "Sachbücher des Monats" erschien eine rechtsextremistische Aufsatzsammlung. Es gab Proteste und ein Jury-Mitglied trat zurück.

Finis Germania

Das Buch, das für Aufregung in den Kulturredaktionen sorgte: "Finis Germania" von Rolf Peter Sieferle

Rolf Peter Sieferle, um dessen Buch es geht, war lange Jahre ein hoch anerkannter Autor. Aber seine Aufsatzsammlung "Finis Germania", die jetzt auf der Liste "Sachbücher des Monats" erschien, sorgt für Zoff in der unabhängigen Jury. Die Aufstellung wird von NDR Kultur, der "Süddetuschen Zeitung" und dem "Börsenblatt des deutschen Buchhandels" zusammengestellt. Die Jury besteht aus Wissenschaftlern, Autoren und Redakteuren großer Medienunternehmen in Deutschland. 

Das Problem: Die Aufsatzsammlung "Finis Germania" hat rechtsextreme und verschwörungstheoretische Inhalte. Nachdem den Verantwortlichen schwante, was da für ein Machwerk auf der Liste erschienen war, forderte der Juryvorsitzende Andreas Wang den Juror, der das Buch empfohlen hatte, zum Rücktritt auf. Wie sich herausstellte, kam die Empfehlung von "Spiegel"-Redakteur Johannes Saltzwedel, der sich umgehend aus dem Gremium zurückzog. Seine Begründung für die Empfehlung lautete: "Mit der Empfehlung des Buches habe ich bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollen." Auf "Spiegel online" erschien eine Erklärung in eigener Sache, in der sich die Redaktion von der Empfehlung des Kollegen distanzierte.

Sieferle gehörte zur neuen Rechten

Worum geht es? Der Historiker Rolf Peter Sieferle, war Spezialist für Umwelt-Geschichte. Nach seinem Suizid im Herbst 2016 nannte ihn Gustav Seibt in der "Süddeutschen Zeitung" einen unerschrockenen, immer rationalen Denker", dem zu Unrecht eine Nähe zu den Theorien der "Konservativen Revolution" angelastet worden sei. Sieferle habe sich lediglich "anregen" lassen von deren Ideen.  

Ob sich sich Sieferle nur "anregen" ließ, ist aber höchst zweifelhaft. Es ist wohl eher so, dass Sieferle am Ende seines Lebens immer mehr zu rechtskonservativen, völkischen und verschwörungstheoretischen Ansichten neigte. Im Allgemeinen wird Sieferle als Intellektueller beschrieben, der wie so viele andere, den Weg vom links- zum rechtsextremen Denken gegangen ist.

"Finis Germania" wurde posthum veröffentlicht. Es erschien, und das lässt den Inhalt des Buches vorab erahnen, im Antaois-Verlag des Rechtsextremisten Götz Kubitschek, dem geistigen Führer  der neuen Rechten. Die "FAZ" bescheinigt dem Buch eine "ekelhafte, wie stellenweise unverständliche Endzeitdiagnostik".

Das Buch ist "ekelhaft"

Weiter zitiert die "FAZ" (in einem anderen Artikel) Stellen aus dem Buch: Der "Gegner des Programms der Multikulturalität“ sei das "indigene Volk“. Und: "Der Nationalsozialismus, genauer Auschwitz, ist zum letzten Mythos einer durch und durch rationalisierten Welt geworden“, schreibt Sieferle. Er betrachte den Antifaschismus als Antigermanismus. Und weiter: "Die Juden, denen ihr Gott selbst die Ewigkeit zugesichert hat, bauen heute ihren ermordeten Volksgenossen in aller Welt Gedenkstätten, in denen nicht nur den Opfern die Kraft der moralischen Überlegenheit, sondern auch den Tätern und ihren Symbolen die Kraft ewiger Verworfenheit zugeschrieben wird". Und auch das schrieb Sieferle in dem Buch: "Ultima ratio der Politik ist der Krieg: die Bereitschaft zur Selbsthingabe des Individuums für eine höhere Sache, für eine Gemeinschaft, zum Opfertod."

Der Juryvorsitzende Andreas Wang sagte: "Wir hoffen, dass mit diesem Schritt [dem Rücktritt von Saltzwedel, Anm. d. Red.] die Vertrauenswürdigkeit der Liste wiederhergestellt ist. Im Übrigen werden wir das Verfahren der listenmäßigen Platzierung derart erneuern, dass keine Platzierung eines einzelnen Mitglieds der Jury möglich ist."

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