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Rezension

"Das Lied von Vogel und Schlange": Neuer Band der "Tribute von Panem"-Reihe: Die atemraubende Geschichte des Präsidenten

Nach zehn Jahren ist wieder ein neuer Band der "Tribute von Panem"-Reihe erschienen. In dem Prequel erzählt Autorin Suzanne Collins, wie Coriolanus Snow sich vom charmanten jungen Mann zum skrupellosen Diktator entwickelte.

Donald Sutherland (Präsident Snow in "Die Tribute von Panem")

Donald Sutherland verkörpert Präsident Snow in den Verfilmungen

Picture Alliance

Mit ihrer Buchreihe "Die Tribute von Panem" hat Autorin Suzanne Collins Millionen von vor allem jungen Lesern ebenso verstört wie begeistert. Kernstück der Romane sind die Hungerspiele in dem Staat Panem: 24 Jungen und Mädchen müssen in einer Arena solange gegeneinander kämpfen, bis nur noch einer oder eine von ihnen am Leben ist. Die sogenannten Tribute kommen aus den Distrikten, die sich einst in einem Bürgerkrieg gegen die Hauptstadt, das Kapitol, aufgelehnt haben.

Über 100 Millionen Bücher der Reihe wurden weltweit verkauft, die Romane wurden mit Jennifer Lawrence in der Hauptrolle verfilmt. Jetzt, zehn Jahre nach Erscheinen des dritten Bandes, hat Suzanne Collins ein Prequel veröffentlicht. Der neue Roman "Das Lied von Vogel und Schlange" ist ebenfalls sofort an die Spitze der Bestsellerlisten geschossen. Im Mittelpunkt steht die Jugend von Coriolanus Snow, der den Lesern bisher als Präsident von Panem bekannt ist.

"Tribute von Panem"-Reihe: Der spätere Präsident zwischen Liebe und Macht

In der Geschichte rund um Katniss Everdeen, Heldin der ursprünglichen "Tribute von Panem"-Reihe, führt Snow das Land als skrupelloser, brutaler und machtbesessener Diktator. Doch so war Coriolanus Snow nicht immer. Als junger Mann kämpft sich Snow 64 Jahre zuvor eher durchs Leben: Ursprünglich stammt er aus einer einflussreichen Familie, doch seit seine Eltern im Krieg gestorben sind, geht es für ihn, seine Großmutter und seine Cousine Tigris um die nackte Existenz. In der Schule versucht Snow seinen Abstieg zu verstecken, er gibt sich eloquent, charmant und denkt doch ständig ans Essen, eben weil er davon zu Hause nicht so viel bekommt.

Als Snow bei den zehnten Hungerspielen zum Mentor der Tributin Lucy Gray ernannt wird, sieht er seine Chance gekommen, auf sich aufmerksam zu machen. Die Hungerspiele sind die immer währende Strafe des Kapitols für den Aufstand der Distrikte: "Ihre Kinder für unsere Kinder, die im Krieg gestorben sind." Für Coriolanus geht es nun darum, Lucy Gray dabei zu helfen, möglichst lange in der Arena zu überleben. Nicht nur, weil ihm das ein begehrtes Stipendium bringen würde, sondern vor allem, weil er sich in sie verliebt hat – man darf das hier verraten, weil es genau das ist, was in solchen Büchern immer geschieht.

Wichtiger ist ohnehin der Versuch, dieser schon bekannten Figur eine Geschichte zu geben und dabei eine uralte Frage zu ergründen: Wie kommt das Böse in die Welt und in den Menschen? Für den Mitläufer Coriolanus brauchte es die Kombination aus etwas Eigennutz und etwas Liebe, um sich über die Regeln des Kapitols hinwegzusetzen, sein eigenes Leben zu riskieren und das von anderen zu nehmen. Genauso schnell aber schlägt diese Entwicklung auch wieder um. Ihm dabei zuzusehen, ist mitunter atemraubend.

Tribute von Panem Stars

Verfilmung ist bereits geplant

Worum genau es in "Das Lied von Feuer und Schlange" gehen würde, wurde von Autorin und Verlag bis zur Veröffentlichung strengstens geheimgehalten. Deshalb soll auch an dieser Stelle nur noch so viel verraten werden: Wer die ersten drei Bände der "Tribute von Panem" verschlungen hat, wird sich auch über das neue Buch freuen – auch wenn sich der eigene Büchergeschmack nach zehn Jahren weiterentwickelt haben sollte. 

Als großes Projekt in der eventuellen Corona-Langeweile taugt das Prequel allerdings nur bedingt: Es ist schneller gelesen als man bei 600 Seiten zunächst glauben könnte. Danach lohnt es sich aber, noch einmal in die ersten drei Bücher zu schauen – um die Andeutungen, die Suzanne Collins dort bereits untergebracht hat, noch einmal mit neuen Augen zu sehen. Und natürlich wird es auch einen Film zu "Das Lied von Vogel und Schlange" geben. Wie bei drei der vier bisherigen Verfilmungen soll Francis Lawrence Regie führen.