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Pumuckl-Rechtsstreit: Muss ein Kobold keusch sein?

Die "Mütter" des Kobolds mit dem roten Haar können sich über Zukunft und Familienplanung des Klabauters nicht einig werden. Nun muss das Münchner Landgericht ein möglichst salomonisches Urteil sprechen.

Darf Pumuckl eine Freundin haben? Und darf er heiraten? Diese kniffligen Fragen werden das Münchner Landgericht beschäftigen. Die beiden "Mütter" des kleinen Kobolds - seine heute 86-jährige Erfinderin Ellis Kaut und seine ursprüngliche Zeichnerin, die 65-jährige Barbara von Johnson - sind sich wieder einmal in die Haare geraten. Johnson hatte Kinder in einem Wettbewerb eine Freundin für Pumuckl malen lassen. Kaut will so etwas verbieten lassen. Der Pumuckl sei ein Nachfahre der Klabauter und somit ein Geistwesen. "Geister sterben so wenig wie sie heiraten."

Die Zivilstreitigkeiten um den rothaarigen Kobold ziehen sich seit Jahren hin, zuletzt ging es um Johnsons Beteiligung an den Rechten von Pumuckl-Filmen. Kürzlich erst ließ Johnson Kaut verbieten, Abbildungen des Pumuckl auf ihre Homepage zu stellen, ohne sie als Zeichnerin zu benennen - denn die Rechte an der optischen Figur hat sich Johnson erstritten. Auch Außenstehende gerieten in die Mühlen der Justiz: Einmal klagte Johnson gegen eine Metzgerfamilie, die einen selbst gebastelten Pumuckl ins Schaufenster gestellt hatte. Für Kaut kommt es nun nicht in Frage, dem Pumuckl eine "dumme, überflüssige und dramaturgisch nur störende" Pumuckline zur Seite zu geben. "Ich will es so - es ist meine Figur."

Meister Eder: "Pumuckl, Du bist ja verliebt!"

Dabei hat der Pumuckl seine ersten Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht schon gemacht. Es war Anfang der 80er Jahre, als Meister Eder Besuch von seiner Schwester und deren Tochter Bärbel bekam. Pumuckl sträubt sich zuerst gegen den Besuch. Doch Bärbel interessiert sich für ihn, möchte den Kobold kennen lernen, der nur für Meister Eder sichtbar ist. Pumuckl fängt an, Gefallen an ihr zu finden. Als sie ihm zum Abschied Bonbons da lässt, ist es um ihn geschehen: Er ist traurig, und Meister Eder stellt erstaunt fest: "Pumuckl, Du bist ja verliebt!"

Was Pumuckl damals wirklich widerfahren ist, bleibt offen. "Es gibt ein Grundkoboldgesetz: Im Zustand des Sichtbaren muss er das erdulden, was Menschen auch erdulden", erklärt Pumuckl-Kenner Peter Kölsch. "Pumuckl hat dann Schmerzen und kann sich dann auch unglücklich verlieben", glaubt der Fernsehredakteur, der Pumuckl seit 30 Jahren kennt und den Wicht ins Bayerische Fernsehen gebracht hat.

Pumuckls Schwärmerei habe nichts mit Sexualität zu tun

Pumuckl-Mutter Kaut sieht darin keinerlei erotische Komponente: "Bei Bärbel gefallen ihm die blonden Haare, sie ist lieb zu ihm, er bekommt Bonbons - mit Sexualität hat das nichts zu tun." Denn da Kobolde nicht altern, bleibe Pumuckl, der rein rechnerisch 45 Jahre alt ist, immer ein Kind. Dass nun die Medien voll sind von Spekulationen über eine mögliche Liebesaffäre des kleinen Klabautermanns, findet sie "unappetitlich". "Ich schäme mich dessen! Ich finde es richtig unanständig!" Darin sind sich die beiden "Mütter" erstaunlich einig. Denn auch Barbara von Johnson wollte den Kobold mitnichten verheiraten, wie sie betont. "Ich habe selbst nie geheiratet." Schon gar nicht habe sie den kleinen Wicht mit einer Koboldin ins Bett schicken wollen. "Ich bin doch selbst so keusch."

Sie habe den Kindern die Möglichkeit eröffnen wollen, einen eigenen Kobold zu zeichnen - egal welchen Geschlechts. Besonders Mädchen sollten angeregt werden, "ihren inneren Witzbold als Freund zu erkennen", erläutert die Kunsttherapeutin. Tatsächlich hätten die kleinen Zeichnerinnen häufig Koboldinnen gezeichnet. Keineswegs wolle sie die Geschichte des rothaarigen Kobolds weiterschreiben. Der Streit habe sich verselbstständigt und alles sei ein "Missverständnis". Kaut sagt hingegen: "Ich habe nie Streit gesucht, bis jetzt habe ich immer nachgegeben. Trotzdem: Es gibt keine zwei Mütter."

Keine salomonische Lösung möglich

Die Richter am Landgericht stehen vor einer schweren Aufgabe. Da Pumuckl ja ohnehin unsichtbar ist, können sie nicht die an den weisen König Salomon angelehnte und von Bertolt Brecht aufgegriffene Mutter-Prüfung erbringen lassen: Dabei müssen beide Frauen gleichzeitig versuchen, das Kind aus einem Kreidekreis zu sich herauszuziehen. Das Kind bekommt bei Brecht aber nicht die Mutter, die das Kind an sich reißt - sondern diejenige, die ihr Kind mehr liebt und es lieber los lässt, als ihm weh zu tun.

DPA / DPA