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Schriftsteller: Publizistin Carola Stern ist tot

Carola Stern ist tot. Zwei Monate nach ihrem 80. Geburtstag erlag die Publizistin in Berlin einer kurzen schweren Krankheit.

Die Publizistin Carola Stern ist zwei Monate nach ihrem 80. Geburtstag am Donnerstagabend in Berlin gestorben. Nach Angaben ihres Verlags Kiepenheuer und Witsch erlag sie einer kurzen schweren Krankheit.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann bezeichnete sie als eine "eindrucksvolle Persönlichkeit und bedeutende Chronistin ihrer Zeit". Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, nannte Stern "eine beeindruckende Demokratin, die immer für die Grundwerte unser freiheitlichen Gesellschaft gekämpft hat".

Schlagzeilen machte sie zuletzt 2001 mit ihrer zweiten Autobiografie. Darin enthüllte sie, in jungen Jahren in der DDR als Agentin für einen US-Geheimdienst gearbeitet zu haben. Ihre Arbeit als Schriftstellerin, Journalistin und Publizistin im Spannungsfeld von Literatur und Politik brachte Stern immer wieder ins Rampenlicht der Öffentlichkeit - und dorthin wollte sie nach eigenen Bekenntnissen auch immer.

Geschichte schrieb sie im WDR als erste Frau, die auch im Fernsehen Kommentare sprechen durfte. Intendant Fritz Pleitgen sagte, Stern habe "als Journalistin und Kommentatorin, als Publizistin und Schriftstellerin Herausragendes geleistet und für den politischen Journalismus Maßstäbe gesetzt".

Carola Stern war ein Pseudonym - geboren wurde sie als Erika Assmus am 14. November 1925 im Seebad Ahlbeck auf Usedom. Ihr Vater war bereits vor ihrer Geburt gestorben. In ihrer ersten Autobiografie "In den Netzen der Erinnerung" schilderte sie ungeschminkt ihre jugendliche Begeisterung für Nazi-Phrasen. Nach der Teilung Deutschlands besuchte Stern die SED-Kaderschmiede in Kleinmachnow bei Berlin. Die Krebskrankheit ihrer Mutter habe sie zur Spionin für die USA werden lassen, verriet Stern. Die Amerikaner ließen die Mutter in eine der besten Westberliner Kliniken bringen und ihr dort die letzten Lebensmonate verschönern. Sterns Aktivitäten blieben aber in der DDR nicht unbemerkt. Sie setzte sich quasi in letzter Minute nach Westberlin ab.

Drei Sterne statt Namen

Carola Stern studierte Politologie an der Freien Universität und war als Journalistin freiberuflich tätig. 1960 ging sie als Verlagslektorin zu Kiepenheuer und Witsch, dann zum WDR. Es gibt mehrere Versionen darüber, warum sie den Namen "Stern" wählte. Die spannendste lautet, dass sie als Spezialistin für Ost-Fragen im Westen ihre Artikel aus Angst vor der SED nur mit drei Sternen kennzeichnete. Doch der Chefredakteur eines Blattes wollte einen ordentlichen Namen: Sie entschied sich für Carola Stern.

1964 rechnete sie mit der ersten Biografie über Walter Ulbricht auch mit dem SED-Regime ab. Sie war Mitbegründerin der deutschen Sektion der Gefangenenhilfsorganisation amnesty international. "Carola Stern war ein Vorbild an Entschlossenheit und persönlichem Engagement für viele ai-Mitglieder", erklärte Generalsekretärin Barbara Lochbihler.

Mit den Schriftstellern Heinrich Böll und Günter Grass rief Stern 1976 die politische Zeitschrift L 76 ins Leben, die den Linken und besonders den Verfemten des "Prager Frühlings" ein Forum war. Nach zahlreichen politischen Büchern wechselte sie ins Lager der erzählenden Schriftsteller mit ihrer ersten Autobiografie 1986. Darin schildert sie auch die Lebensgeschichte ihres Mannes, des ehemaligen Kommunisten und späteren WDR-Journalisten Heinz Zöger. Er starb bereits im März 2000.

Vera Hella Fröhlich/DPA / DPA