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Songcomics "Sie wollen uns erzählen" Teil einer Comic-Kultur: Sind wir nicht alle – ein bisschen – mit Tocotronic aufgewachsen?

Arne Zank hat die Band als Vögel gezeichnet
Schräge Vögel: Tocotronic-Drummer Arne Zank dokumentiert das Kennenlernen der Band im Songcomic-Buch "Sie wollen uns erzählen", zehn weitere Illustratoren zeichnen ihre Interpretationen von Songs
© Arne Zank / Ventil / Hersteller
Es kann eigentlich gar nicht genug Bücher über Tocotronic geben. Nun hat der Ventil Verlag die Songs der Band illustrieren lassen. Drummer Arne Zank zeichnete die Kennenlerngeschichte und erzählt von dem neuen Buch im Interview.

Seit Anfang der 1990er Jahre begleiten Tocotronic mehr als eine Jugendkultur. Während über und von der Band schon zahlreiche Bücher erschienen sind, haben sich nun zehn Illustrator*innen mal deren Songs vorgeknöpft. Das Faszinierende daran ist besonders eins: Jeder von uns hat seine eigenen Bilder im Kopf, wenn wir Dirk von Lowtzow (Gesang, Gitarre), Jan Müller (Bass), Arne Zank (Schlagzeug) und Rick McPhail (Gitarre, Keyboard) hören. Doch konfrontiert mit den Zeichnungen aus "Sie wollen uns erzählen" gehen wir einen Schritt weiter: Die Illustrator*innen lassen uns nicht nur an ihren Fantasien teilhaben, sondern uns mit ihrem jeweiligen Zeichenstil auch in andere Welten – und ein Stück weit in ihren eigenen Kopf – abtauchen. Das köstliche Schmankerl zum Schluss bildet eine elfte Illustration: die der Bandgeschichte. Drummer Arne Zank, selbst ehemaliger Kunststudent, hat die Anfangszeiten der Band "vogelig" nachgezeichnet. Der stern hat Arne Zank daher zu dem jüngsten Buch über Tocotronic bzw. zu Tocotronic-Songs interviewt.

Cover
"Sie wollen uns erzählen", zehn Tocotronic-Songcomics, Ventil Verlag, 128 Seiten, 25 Euro, hier bestellbar
© Ventil Verlag

Arne, wie ist der Titel des Buches "Sie wollen uns erzählen" zu interpretieren?
Oh, da bin ich gar nicht so hängengeblieben, weil das ja ein Songtitel von uns ist. Ich dachte, das passt, weil es von einer Mehrzahl spricht und es ja mehrere Zeichner*innen sind.

Wie ist die Planung zu diesem Buch abgelaufen?
Michael Büsselberg [Herausgeber des Buches, Anm. d. Red.] hatte angefragt, darüber haben wir uns gefreut und sofort gesagt: Ja, mach das mal. Und er hat dann alles moderiert, von den Illustratoren*innen bis zu den Songs. Dann hat er Dirk angefragt, zu den einzelnen Songs etwas zu schreiben, und ich habe mich, soweit ich mich erinnere, selber eingeladen und gesagt: Ich würde da total gern was mitzeichnen. So aus der Euphorie heraus, weil wir alle Comic-begeistert sind. Also hatte Dirk die Einleitungstexte zu den Songs und ich so ein paar Seiten, die sie mir freigehalten haben, sodass wir etwas beisteuern konnten. Der Ventil-Verlag hatte unser Vertrauen und als wir die erste Ansicht bekamen, war es dann auch sehr erfreulich.

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Hatten die Künstler*innen bei der Umsetzung alle Freiheiten oder gab es Vorgaben?
Ich weiß eigentlich kaum mehr, als in den Kurzbiografien und persönlichen Einleitungen der Zeichner*innen steht. Es gab minimale formale Vorgaben, zum Beispiel, wie die Seiten aufgebaut sind und dass der Songtext vorkommen soll, ansonsten konnten sie alles frei gestalten, glaube ich.

Hattest du eine "Lieblingsumsetzung" eines Songs?
Das ist ein bisschen so, als wenn bei unseren Platten gefragt wird, welches das Lieblingslied ist. Da stottert man dann auch so rum: Zu Anfang war es das, beim Aufnehmen war es das und jetzt finde ich eigentlich das am besten. Zu Beginn habe ich nur auf die Illustratoren geguckt, die ich kannte: Jim Avignon, Tine Fetz, Sascha Hommer ... und wenn man weiter guckt, fallen einem andere Sachen auf. Bei Julia Bernhard etwa, habe ich mich total gefreut, dass sie mitgemacht hat. Der Blick verändert sich dann einfach.

Du hast ja selbst auch mal Kunst studiert, ne?
Ja, Illustration, aber ich habe das Studium nicht abgeschlossen, wie man vielleicht auch an meinem Comic ablesen kann. Ich hab's abgebrochen, weil die Band dann dazwischenkam. Aber im Studium habe ich auch Comics gemacht und in letzter Zeit wieder angefangen zu zeichnen. Ich war in Hamburg an einer Schule, die jetzt HAW heißt, damals hieß das Fachhochschule, mein Bereich war Kinderbuch-Illustration.

Du hast die Bandgeschichte gezeichnet, was seid ihr da für schräge Vögel?
Ich zeichne ja schon lange Vögel und habe jetzt auch seit Anfang des Jahres wieder eine Webtoon-Serie mit Vögeln angefangen. Und als ich überlegt habe, Tocotronic zu zeichnen, fand ich das nicht so ganz einfach und dachte, ich presse die auch einfach in meine Vogelfiguren. Und ich habe versucht mitzuerzählen, was sie ausmacht, das sind ja inzwischen Freundschaften, die zu den längsten meines Lebens gehören. Und ich hab mich dann an das jeweilige Kennenlernen erinnert.

Ihr habt schon immer gern über Comics geredet?
Nach wie vor ist es so, dass wir 90 Prozent der Zeit im Proberaum eher quatschen als zu musizieren – hört man vielleicht auch manchmal.


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