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Thomas Mann: "Laßt mich die schöne Täuschung genießen"

Zum 50. Todestag erscheint ein neues Buch über den legendären Autor Thomas Mann, das ein ganz anderes Licht auf seine Exzentrik werfen soll.

Zum 50. Todestag von Thomas Mann am kommenden Freitag darf es nicht nur einen Festakt mit dem Staatsoberhaupt geben, sondern da muss natürlich auch neue Thomas-Mann-Sekundärliteratur her. Dazu gehört Rüdiger Görners Buch, das den "Zauber des Letzten" im Werk des Nobelpreisträgers beleuchtet, aus allen möglichen Blickwinkeln und biografischen Bezügen.

Nach Nietzsche und Rilke widmet sich der Professor für Neuere deutsche Literatur am Queen Mary College der University of London den "Todessehnsüchten, gesellschaftlichen oder familiären Verfallsphänomenen und Abendstimmungen" im Werk des Lübecker Schriftstellers.

Bemüht fokussierte Sichtweise

Der Verlag spricht gar von einem "neuen Interpretationsansatz". Da kommen "Adrian Leverkühns Musik des Letzten" ebenso unter die Lupe wie die "Hochstapelei als geistige Lebensform mit offenem Ende - der Fall Felix Krull". Letztendlich ist es eine neue Mann-Biografie mit etwas bemüht fokussierten Sichtweisen und einer stellenweise starken Häufung von Zitaten anderer über Thomas Mann.

Es ist eine variierte Wiederholung bekannter Interpretationen der Romane, Erzählungen und Essays des "letzten Bürgers" unter den deutschsprachigen Künstlern" aus einer Familie "von erfolgsverwöhnten, aber in hohem Grade neurotisch veranlagten Menschen, von Erotomanen, Süchtigen, depressiv bis suizidär Veranlagten und im Ruhm Vereinsamten".

"Alles was ich weiß, ist..."

Görner lässt sich dabei auch zu überzogenen Feststellungen verleiten wie zum Beispiel, die frühe Novelle "Tod in Venedig" von 1912 handele "vom Umgang mit letzten Fragen". Die stellte sich der gealterte Schriftsteller 1950 auch selbst, als er zauderte, den 1922 begonnenen "Felix Krull" zu vollenden. "Alles, was ich weiß, ist, dass ich unbedingt etwas zu tun, eine Arbeitsbindung und Lebensaufgabe haben muss. Ich kann nicht nichts tun."

Mann philosophierte in seinen letzten Lebensjahren auch über die "Lüge der Schönheit" im Zusammenhang mit seinen Gedanken über die Erotik bei Michelangelo und seinen Sonetten: "Schenkt mir den schönen Trug! (...) Laßt mich die Täuschung genießen!".

Wilfried Mommert/DPA / DPA