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Topics in Berlin-Neukölln: Wie Linksradikale die Nazi-Keule gegen eine jüdische Buchhandlung schwingen

Eine jüdische Buchhandlung in Berlin-Neukölln will einen Diskussionsabend über einen faschistischen Philosophen veranstalten. Daraufhin bricht im Internet ein Shitstorm gegen die Macher los. Am Ende muss der Buchladen schließen.

Topics Berlin

Der frühere Buchladen Topics in Neu-Kölln

Amir Naaman und Doron Hamburger sind zwei Israelis, die einen Buchladen in Berlin-Neukölln betrieben haben. Jetzt ist der Laden geschlossen, und das hat viel mit einem Shitstorm zu tun, der von Linksradikalen und der sogenannten Antifa angefacht wurde. Denn die beiden Israelis hatten angekündigt, in ihrem kleinen Buchladen eine Veranstaltung über Julius Evola abzuhalten. Evola war ein italienischer Kulturphilosoph und Rassentheoretiker. Er bewegte sich im Umfeld des Futurismus und sympathisierte mit Mussolini. Umberto Eco nannte ihn einen "Operetten-Okkultisten und faschistischen Guru". Trump-Berater Stephen Bannon gilt als großer Fan von Evolas Schriften.

Die Geschichte von der Schließung des Buchladens ist ein Lehrstück darüber, wie moderne Hexenjagden auf Menschen und Institutionen funktionieren. Die beiden Israelis sind Enkel von Holocaustüberlebenden. Sympathien mit dem Faschismus oder der Neuen Rechten hegen sie definitiv nicht. Naaman und Hamburger sind einfach zwei junge Intellektuelle, die aus Spaß und Leidenschaft ihr Topics Berlin betrieben - und jetzt mit dem Schicksal hadern.

Antifa beginnt Kampagne gegen Buchladen

Am vergangenen Wochenende öffnete der kleine Laden in der Weserstraße zum letzten Mal. Der Laden befand sich in dem gentrifizierten Teil von Neukölln mit seinen hippen Bars, Designerboutiquen und steigenden Mietpreisen. Das Topics verstand sich als Buchladen der etwas anderen Art, in dem die Werke nicht nach Genres oder Autoren sortiert waren, sondern nach Kategorien wie "S&M" oder "Guerilla", eingeordnet in Holzwürfel.

Die beiden Israelis veranstalteten regelmäßig Diskussionen über Autoren oder hängten zeitgenössische Kunst aus. Doch dann "gab es das Evola-Ereignis und die Sache wurde böse", schreibt Hamburger in einem ausführlichen Statement auf Facebook. Nachdem die Evola-Veranstaltung angekündigt worden war, begann die Antifa in dem Viertel eine Kampagne gegen den Buchladen. Das linksradikale Kollektiv TOP B3rlin rief auf Facebook seine Fans auf, ihre "Punkerfreunde und ihre Hunde" zusammenzutrommeln und bei der Veranstaltung "vorbeizuschauen".

Argumente zählen nicht

Hamburger und Naaman versuchten in der Folge vergeblich, sich mit Argumenten gegen die "Antifa Warriors" (Antifa-Krieger) zu wehren. Ihnen ging es darum, einen faschistischen Autoren kennenzulernen, der ein Stichwortgeber der Neuen Rechten ist - das ist sinnvoll für eine politische Auseinandersetzung mit diesem Phänomen. Doch für Antifas gelten Regeln der intellektuellen Vernunft nicht. Hier werden nur Denkverbote gepredigt. Die Aussage "Ein faschistischer Buchladen im Herzen von Berlin" wurde laut Aussage von Hamburger zehntausendfach geteilt und geliked. Hamburger und Naaman hörten auf einmal Vorwürfe, ihr Buchladen sei ein "Rekrutierungszentrum für Nazis" oder ihr "ein gefährlicher Laden für gefährliche Leute".

Die Folge: Kaum war der Shitstorm losgebrochen, brach der Umsatz des Ladens dramatisch ein. Hamburger betont in seiner Stellungnahme, dass Topics nie auf Profit ausgerichtet war. Als Sohn einer wohlhabenden Familie konnte er sich ein idealistisches Projekt wie Topics leisten. Dennoch waren die finanziellen Einbrüche zu groß, um den Laden weiter zu betreiben. Für Hamburger kam eine Erkenntnis hinzu: "Ich begann zu verstehen, dass ich hier nicht willkommen bin."

Hamburger und Naaman betonen ausdrücklich, dass es bei der Hetze gegen ihren Buchladen nicht um Antisemitismus ging. Es geht um Intoleranz und um Denkverbote in einer aufgeheizten Atmosphäre, in der Andersdenkende abgekanzelt werden. Sie würden das aus Israel kennen, wo Linke als Landesverräter und Rechte schnell als Faschisten bezeichnet würden. Mit ihrem Buchladen wollten die beiden gegen diese Art der politischen Auseinandersetzung ankämpfen - und sind gescheitert.

Von antisemitischen Vorfällen im muslimischen geprägten Neukölln können die beiden ebenfalls viel erzählen, aber das ist eine andere Geschichte.

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