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Ulrike Folkerts und Katharina Schnitzler: "Sie ist ein Geschenk"

Seit mehr als fünf Jahren sind Ulrike Folkerts und Katharina Schnitzler ein Paar. Zum ersten Mal sprechen die Schauspielerin und die Malerin gemeinsam über ihre Liebe - und über die Arbeit an ihrem Buch, das der Frage nachgeht: Was macht uns glücklich?

Von Irmgard Hochreither

Sie sind seit mehr als fünf Jahren ein Paar. Wie haben sich die Schauspielerin Ulrike Folkerts und die Malerin Katharina Schnitzler kennengelernt?

Katharina Schnitzler: Wir sind uns bei einer meiner Ausstellungen begegnet.

Und dann?

Ulrike Folkerts:

Ich habe sie lachen gesehen.

Hat es sofort gefunkt?

Folkerts:

Ich bin wirklich nicht der Typ, der ganz schnell offensiv auf Menschen zugeht. Aber ich dachte, ich muss jetzt unbedingt in die Puschen kommen, wenn ich die Frau noch mal wiedersehen will. Nach zwei, drei Stunden Beobachtung war ich mir sicher, ich kann den Schritt wagen. Da hatte ich schon ein paar Signale von ihr, dass sie mich nicht abweisen würde.

Was haben Sie zu ihr gesagt?

Folkerts: Hallo, ich bin Ulrike, und wer bist du? Wir haben zwei Stunden intensiv gequatscht. Ich weiß heute nicht mehr, worüber. Dann hatte ich die Telefonnummer, und alles nahm seinen Lauf.
Schnitzler: Es ist doch fast immer so, wenn man sich verliebt. Irgendetwas zieht einen magisch an, auch wenn man gar nicht genau weiß, warum. Es ist ein großes Glück, wenn man sich so gut versteht wie wir beide. Ich empfinde es auch als Bereicherung, dass jede von uns ihren eigenen Kopf hat.

Sind es eher die Gegensätze oder die Gemeinsamkeiten, die für eine harmonische Beziehung sorgen?

Folkerts:

Bei uns gibt es schon einen großen Bereich an Gemeinsamkeiten. Auch wenn es um ganz banales Zeug geht. Ich zum Beispiel bin gerne pünktlich. Wenn ich mit jemandem zusammenlebe, der immer alles auf den letzten Drücker macht, ist das ein Desaster für die Beziehung. Wir beide sind grundsätzlich eine halbe Stunde zu früh am Bahnsteig. Immer. Dann gucken wir uns an und lachen uns tot, dass wir uns wieder mal die Beine in den Bauch stehen. Eine kleine Facette, aber es ist so angenehm, diese täglichen Stressmomente zu minimieren.

Wenn Sie sich gegenseitig charakterisieren müssten, was würde Ihnen spontan einfallen?

Folkerts:

Jetzt kommt eine Lobhudelei. Katharina ist eine wunderschöne Frau mit einer wahnsinnig positiven Ausstrahlung. Sie kann jeden sofort mitreißen und begeistern, ist sehr tolerant, fürsorglich und geht supergut mit meinem Job um. Meine Bekanntheit geht ihr zum Glück am Arsch vorbei. Wir vergessen sie beide. Ich habe wirklich einen Glückstreffer gelandet. Katharina ist ein Geschenk.

Schnitzler:

Da knüpfe ich gleich an. Ulrike ist Ulrike. Ich kenne diese berühmte Schauspielerin, aber sie sitzt nie bei mir am Küchentisch. Das finde ich genial. Sie ist sehr menschlich, hilfsbereit, kreativ, superkomisch - und einfach liebenswert.

Frau Schnitzler, können Sie sich erinnern, wann Sie Ulrike Folkerts zum ersten Mal im Fernsehen gesehen haben?

Schnitzler:

Als wir uns kennenlernten, besaß ich gar keinen Fernseher. Ich wusste, dass sie wohl irgendwie bekannt sein muss, aber dass sie die berühmte "Tatort"-Kommissarin ist, war mir nicht klar.

Jetzt haben Sie zum ersten Mal gemeinsam ein Buch produziert, in dem Sie über Glücksmomente nachdenken. Der Titel "Glück gefunden" klingt wie ein persönliches Statement: Wir haben unser privates Glück miteinander gefunden. Ist das gemeint?

Folkerts:

Eigentlich nicht. Es ging uns darum, die Glücksmomente im Alltag einzufangen. Der Frage nachzugehen: Was macht uns glücklich? Und warum? Für mich ist Glück ein Mosaik, das sich aus vielen Steinchen zusammensetzt. Musik hören, kreative Arbeit, ein Abend im Kreis enger Freunde oder das Erlebnis, mitten im Meer plötzlich auf eine riesige Delfinschule zu treffen und mit den Tieren zu schwimmen. Andere finden ihr Glück vielleicht bei der Antifaltenbehandlung. Oder beim Kauf einer neuen Handtasche. Das Buch ist das Ergebnis von drei Jahren Arbeit.

Schnitzler:

Natürlich hat es sehr viel mit uns zu tun. Wir wollten kein Besserwisserbuch schreiben, sondern uns an die Wurzeln der Glücksgefühle herantasten. Es sollte vor allem ehrlich sein, wir wollten antastbar bleiben. Deshalb gibt es auch zwei düstere Kapitel, weil es uns ebenfalls wichtig war, die Abwesenheit von Glück anzuschauen. Ulrike hat geschrieben, und ich habe die Fotos und Zeichnungen gemacht.

Wer hatte die Idee zu dem Projekt?

Folkerts: Katharina ist die Urheberin. Bei mir hat die Idee nicht gleich gezündet, ich brauchte eine Weile, um zu verstehen, was sie meint. Doch schließlich hat mich ihre Begeisterung mitgerissen.
Schnitzler: Die Idee zu dem Buch kam mir in einer Situation, als ich mich völlig ausgelaugt fühlte. Ich hatte plötzlich das Gefühl, mir sei das Glück abhandengekommen. Ulrike war beim Drehen. Ich habe mich mit einem Glas Wein auf unseren Balkon gesetzt und schaute zu, wie die Farbe des Himmels sich langsam veränderte, von Blau über Dunkelblau bis zu einem fast schwarzen Nachtblau. Es sah wunderschön aus. Ich habe meine Kamera geholt und Bilder gemacht. Plötzlich kam mir der Satz in den Sinn: Vor Glück mit den nackten Füßen durch den blauen Himmel laufen. So wie man am Strand langläuft, nur eben andersrum. Die Welt aus dem Kopfüber-Blickwinkel anschauen. Das war die Urzelle der Idee.
Folkerts: Das Bild habe ich dann per E-Mail bekommen. Die Silhouette ihrer Füße vor dem nachtblauen Himmel.

Ein Kapitel des Buches handelt vom Glück, Musik zu machen, zu hören und sich zur Musik zu bewegen. Und Ulrike Folkerts verrät, dass sie im nächsten Leben lieber Sängerin als Schauspielerin sein möchte. Warum?

Folkerts:

Weil ich glaube, dass es ein magischer Moment ist, wenn man in einem Stadion vor 70.000 Leuten auftritt.

Als "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal haben Sie sieben Millionen Zuschauer.

Folkerts: Schon, aber das ist ja nie live. Als Schauspielerin schaffe ich es vielleicht, 2000 Menschen in meinen Bann zu ziehen. Und dann bin ich so aufgeregt, dass mir ordentlich die Pumpe geht. Wie 2005, als ich auf dem Domplatz in Salzburg den Tod in Hofmannsthals "Jedermann" gespielt habe. Musik ist etwas völlig anderes. Es muss ein Ausnahmeerlebnis sein, mit anderen auf der Bühne zu stehen, Musik zu machen, sein Publikum zu begeistern. Einfach geil. Ich glaube, das macht süchtig.

Wenn Sie so gern live auftreten, warum spielen Sie dann nicht häufiger Theater?

Folkerts:

Ich bin dabei, motiviert durch meinen Auftritt bei den Festspielen in Salzburg. Aber es ist nicht einfach, wenn man so eine Fernsehnase geworden ist. Im Januar spiele ich in Hamburg am Ernst Deutsch Theater neben Suzanne von Borsody in einer Uraufführung. "Spurensuche" heißt das Stück. Dafür hole ich dann sogar mein Saxofon aus dem Koffer und fange wieder an zu üben. Ich arbeite daran, dass die Leute noch ein paar andere Facetten der Folkerts mitkriegen.

Im nächsten Jahr feiert die dienstälteste "Tatort"-Kommissarin Lena Odenthal ihr 20-jähriges Jubiläum. Hängt Ihnen nach all den Jahren die Rolle manchmal zum Hals raus?

Folkerts: Doch. Die Phasen gab's. Am Anfang dachte ich, ich muss da raus, weil ich sonst festgelegt werde und nie mehr was anderes spielen darf. Nach zehn Jahren stellte ich fest, es kommt irgendwie nichts anderes. Ich bin von der Rolle abhängig, um mein Leben zu finanzieren. Dann habe ich angefangen, mich mehr um die "Tatorte" zu kümmern, habe mich um interessantere Regisseure bemüht. Die bat ich, denkt bei der Besetzung eurer Filme auch mal an mich. Aber nur zwei von 30 Regisseuren haben es gewagt, mich woanders zu besetzen. Die meisten waren nur scharf auf die "Tatort"-Regie. Doch in letzter Zeit landen tatsächlich Rollenangebote in meinem Briefkasten. So lange habe ich mir das gewünscht, und es tut meinem Ego ungeheuer gut. Ich bin auch froh, dass ich die Odenthal dafür nicht aufgeben musste. Sie macht mir schon auch Spaß.

Sie haben Ihre Haare wachsen lassen, was Sie viel weicher und weiblicher wirken lässt. Wie waren die Reaktionen?

Folkerts:

Beim Sender waren alle heilfroh. Ich bin ja früher vor dem Dreh oft noch zum Friseur und habe mir die Haare extra kurz abrasieren lassen. Von hinten wie ein Mann auszusehen, das fand ich cool. Es war auch die Lust an der Provokation. Ich hatte völlig vergessen, dass ich ganz gute Locken habe. Seit die Haare länger sind, regnet es Komplimente. Ich genieße das.

Hatten Sie die Nase voll vom Image der schroffen, etwas verbiestert wirkenden Kämpfernatur?

Folkerts:

Dieses Image hatte ich selbst ja ganz bewusst entwickelt. Ich wollte, dass die Odenthal hart ist, sich nichts gefallen lässt. Ich war nicht nur als Kommissarin die einsame Wölfin, sondern auch als Mensch in dieser Medienlandschaft. Da habe ich mich oft allein gefühlt. Und als Schutzmaßnahme die Harte, Coole rausgekehrt. Sich stählen, bis zur Schmerzgrenze. Ich ließ mir damals ein Tattoo am Oberarm stechen, ohne Betäubung. Aber es ist nur halb fertig. Auf der Innenseite war der Schmerz dann doch zu groß. Heute reduziert sich die Härte auf die Rolle.

Ist Katharina mitbeteiligt an dieser Veränderung?

Folkerts:

Ja, das könnte man sagen. Ich fühle mich bei ihr einfach gut aufgehoben. Sie gibt mir Sicherheit.

Schnitzler:

Obwohl ich es gerne mag, wenn Ulrike hin und wieder ausrastet. Dann hat sie genau diese Kraft, für die Frauen lange rackern müssen. Wenn sie losgeht wie eine Rakete, weil irgendjemand über eine Grenze getapst ist, dann liebe ich sie ganz besonders. Weil sie so nett ist, meinen manche Leute, sie könnten einfach fröhlich über sie wegbügeln. Unfassbar.

Ein Beispiel?

Schnitzler:

Ulrike hatte geschuftet wie verrückt, kam nach einem Nachtdreh und nur zwei Stunden Schlaf morgens früh in Berlin an - und wir schieben mit dem Einkaufswagen durch den Supermarkt. Da kommt so eine Grete an, hält sie fest und sagt zu ihr, Frau Folkerts, sie sahen aber auch schon mal besser aus. Oder in München, beim Filmfest. Wir stehen mit ein paar Bekannten zusammen und reden. Da kommt eine wildfremde Frau, zupft Ulrike am T-Shirt und meint, sie könnte wirklich drei Kilo zunehmen. Bei solchen Übergriffen bleibt mir echt die Luft weg.

Sind Sie darüber hinaus als lesbisches Paar in der Öffentlichkeit schon einmal dumm angemacht worden?

Folkerts: Das nicht. Aber es gibt schon Situationen, in denen wir uns nicht so frei fühlen. Wenn wir zum Beispiel nach Mallorca fliegen, um Freunde zu besuchen, befällt mich regelmäßig eine Paranoia. Ich habe das Gefühl, ich werde ständig von Paparazzi verfolgt. Dabei sind es vielleicht nur Touristen mit ihrer Digitalkamera. Nie würde ich mich dort am Strand mit Katharina auf ein Badehandtuch legen.

Sie waren immer eine selbstbewusste Kämpferin für die Rechte Homosexueller. Ist das heute überhaupt noch nötig?

Folkerts:

Für uns ist das heute kein Thema mehr. Wir leben frei und glücklich damit. Aber ich bekomme immer noch Post von Menschen, die emotional leiden, Angst haben, verstoßen zu werden, wenn sie offen zu ihrer Homosexualität stehen. Die sind dankbar, dass es Leute wie mich gibt. Aber ich habe keine Lust mehr, die kämpferische Vorzeige-Lesbe zu geben. Das sollen jetzt mal Jüngere machen.

Sie verstecken Ihr Liebesglück nicht. Doch bei öffentlichen Events sind Sie bisher nie als Paar über den roten Teppich gelaufen. Warum nicht?

Folkerts:

Katharina geht immer vorher rein. Weil wir keine Lust haben …

Schnitzler:

… Moment. Das ist bitte meine Antwort. Es geht doch bei solchen Veranstaltungen nur um Ulrike, nicht um mich. Außerdem habe ich keine Lust, als irgendeine Blondine mit Oberweite an der Seite von … verbraten zu werden. Diese optische Bewertung, wie sieht sie heute aus, was hat sie für ein Kleid an, ist sie dicker oder dünner geworden - das muss ich mir nicht antun. Ich bin da jedenfalls überhaupt nicht heiß drauf. Und auch Ulrike würde sich vor solchen Veranstaltungen am liebsten drücken. Aber ich sage: Du musst, das gehört zum Business. Sie macht das bei mir genauso. Treibt mich in Ausstellungen und zu Galeristen, die vielleicht wichtig sind für den Job. Diese Selbstverkaufe liegt uns beiden nicht besonders.

Für Ihr Buchprojekt trauen Sie sich jetzt aber doch ins Licht der Öffentlichkeit.

Schnitzler:

Am Anfang wollte ich alles Ulrike überlassen. Klar, sie ist prominent, das ist ein Vorteil. Aber es ist nicht das Folkerts-Buch. Wir sind ein Team, und in diesem Buch steckt sehr viel Energie und Herzblut von mir. Wir gehen im Herbst sogar gemeinsam auf Lesereise durch Deutschland.

Sie sind Malerin. Haben Sie eine Idee, wie man es anstellt, auf dem Kunstmarkt den Durchbruch zu schaffen?

Schnitzler:

Genau das zwiebelt mich. Ich hätte gern einen guten Galeristen. Aber man kann es nicht erzwingen. Die Galerien abzuklappern bringt gar nichts. Man muss gefunden werden. Manchmal quäle ich mich und denke, ich müsste eigentlich schon weiter sein. Dann brauche ich die Freunde, die mir sagen, bleib cool, du hast schon viel erreicht, kannst von deiner Kunst leben. Mein Ziel ist es, Bilder zu malen, die Kraft und Wahrhaftigkeit haben. Ich will etwas zu fassen kriegen. Es ist wie im Tennis, wenn man den Ball genau richtig trifft und dieses satte "Plopp" ertönt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Folkerts:

Das Leben zu teilen und sich nicht voneinander abzutrennen. Umgeben von einer bunten Meute herzensguter, ehrlicher Seelen. Freunde, die gerne reden und zuhören, uns bis ins hohe Alter begleiten - und gut kochen.

Schnitzler:

Achtsamkeit. Aufnahmebereit bleiben. Das Bewusstsein schärfen für die ganz einfachen banalen Dinge, die wir schon als Kinder geliebt haben. Ich will, dass wir uns unsere Verspieltheit und den Spaß am Leben bewahren.

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