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"Tatort" aus Ludwigshafen Mysteriöse Tante mit spannender Vergangenheit: Bei Lena Odenthal wird's familiär

"Tatort: Lenas Tante" aus Ludwigshafen
Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, l.) mit ihrer Tante Niki (Ursula Werner, M.) und Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter)
© SWR/Benoît Linder / ARD
Kommissarin Lena Odenthal bekommt Besuch von ihrer Tante Niki, einer pensionierten Staatsanwältin. Doch die reist nicht nur zum Vergnügen nach Ludwigshafen. Plötzlich sind beide in einen Mordfall verwickelt.
  • 3 von 5 Punkten
  • Vielschichtiger Krimi mit familiären Verstrickungen von Kommissarin Odenthal

Worum geht's?

Der 96-jährige Fritz Herrweg ist im Pflegeheim verstorben. Zunächst deutet alles auf einen natürlichen Tod hin. Doch als der Rentner eingeäschert werden soll, gibt es plötzlich Ungereimtheiten. Es stellt sich heraus, dass Herrweg mit einer Überdosis Insulin getötet wurde. Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) hören sich bei den anderen Heimbewohnern und Angestellten um. Sie erfahren, dass Herrweg extrem unbeliebt war und alle schikaniert hat. Der Einzige, der ihn verteidigt, ist sein Enkel Markus Gruner (Niklas Kohrt). Der junge Mann erweist sich jedoch als Verschwörungsfanatiker, der den Staat und das Rechtssystem anzweifelt. Und da wäre noch Lena Odenthals Tante Niki (Ursula Werner), die plötzlich in Ludwigshafen auftaucht. Offiziell gibt sie vor, ihre Nichte nach langer Zeit mal wieder besuchen zu wollen. Doch tatsächlich ist die pensionierte Staatsanwältin auch in den Fall involviert.

Warum lohnt sich der Fall "Lenas Tante"?

Die Ermittlungen konzentrieren sich zunächst auf das Pflegeheim, in dem der Tote untergebracht war. Die Leiterin stand offenbar unter wirtschaftlichem Druck und soll deshalb bei der der Festlegung der Pflegestufen betrogen haben. Das Thema Pflegenotstand ist in Deutschland seit Jahren ein Dauerbrenner in Politik und Gesellschaft. Drehbuchautor Stefan Dähnert bringt es nun zur besten Sendezeit erneut auf die Tagesordnung. Davon losgelöst thematisiert er Geschehnisse, die tief in das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte zurückreichen. Es geht um NS-Verbrechen im KZ Natzweiler-Struthof. So bekommt der Film eine völlig neue Wendung, die auch die Anwesenheit von Odenthals Tante endgültig klärt.

Was stört?

Im "Tatort" wird's in letzter Zeit oft persönlich – zu oft. Die Kölner Kommissare ermittelten an Neujahr im Umfeld von Freddy Schenks Tochter, der Dortmunder Kommissar Peter Faber bekam es in der Vorwoche mit seinem Vater zu tun und bei Lena Odenthal ist es nun die Tante. Kaum ein Drehbuch kommt noch ohne eine persönliche Betroffenheit der Ermittler aus. Ein wenig mehr Distanz wäre da auf Dauer wünschenswert. 

Ulrike Folkerts spielt seit 30 Jahren die Kommissarin im Ludwigshafener Tatort

Die Kommissarinnen?

Als gleichberechtigtes Team funktionieren Lena Odenthal und Johanna Stern auch in diesem Fall nicht. Letztere wirkt erneut ein wenig dilettantisch und unprofessionell – auch weil sie sich auf einen Arzt einlässt, der Gegenstand der Ermittlungen ist. Die Gegenspielerin auf Augenhöhe ist für Odenthal ihre Tante, brillant besetzt mit Charakterdarstellerin Ursula Werner. Die beiden Frauen liefern sich immer wieder einen verbalen Schlagabtausch – diese Passagen sind definitiv die stärksten Szenen des Films.

Ein- oder ausschalten?

Lena Odenthal ermittelt seit 1989 ist damit dienstälteste "Tatort"-Kommissarin. Wer noch nicht genug von ihr hat, darf gern einschalten, es ist einer ihrer besseren Fälle.

Die Kommissarinnen Odenthal und Stern ermittelten auch in diesen Fällen:

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