HOME

Verleger Florian Simon über Guttenbergs Buch: Vergriffen und verdammt

Normalerweise schätzt sich ein Verlag glücklich, wenn die Auflage eines Buches restlos ausverkauft ist. Doch bei Florian Simon von Duncker & Humblot mag keine rechte Freude aufkommen. Denn bei dem besagten "Bestseller" handelt es sich um Karl-Theodor zu Guttenbergs Dissertation.

Von Carsten Heidböhmer

Nicht mehr erhältlich: Die Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg

Nicht mehr erhältlich: Die Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg

In der Buchbranche ist ein Bestseller eigentlich das höchste aller Ziele. Wenn eine Auflage restlos ausverkauft ist, freut sich der Verlag - und macht sich schnell daran, das Buch nachzudrucken, um die reißende Nachfrage nach dem Werk zu befriedigen. Florian Simon, Geschäftsführer des Berliner Wissenschaftsverlags Duncker & Humblot, ist ein solcher Erfolg gelungen. Doch Freude über die vergriffene Auflage kommt bei ihm nicht auf. Denn es handelt sich bei den 400 verkauften Exemplaren um Karl-Theodor zu Guttenbergs Dissertation "Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU", jenes Werk, das seit einer Woche die politische Debatte in Deutschland beherrscht.

"Für die Reputation eines Verlags wenig hilfreich"

Denn ganz offenkundig hat sich der Verteidigungsminister beim Verfassen seiner Doktorarbeit freizügig fremder Quellen bedient, ohne dies entsprechend zu kennzeichnen. Ein gewaltiger Imageschaden für den beliebten Politiker. Aber auch die Universität Bayreuth und der Verlag Duncker & Humblot, der die Dissertation veröffentlichte, sehen sich beschädigt: "Für die Reputation eines Verlags ist ein Vorgang wie dieser naturgemäß wenig hilfreich", sagt Florian Simon stern.de.

Dabei trifft ihn objektiv keine Schuld: In dem Wissenschaftsverlag erscheinen jährlich rund 350 wissenschaftliche Monographien und Sammelbände, daneben mehr als 15 wissenschaftliche Zeitschriften und Jahrbücher. Dabei verlässt sich der Verlag auf die Expertise der Universitäten: "Bei Qualifizierungsarbeiten, also Dissertationen und Habilitationsschriften, entscheiden wir nach Einsicht in die Voten der jeweiligen Prüfungsverfahren, wobei wir nur Spitzenbenotungen berücksichtigen", sagt Simon. Er hatte der Einschätzung der Prüfungskommission der Universität Bayreuth vertraut, die dem CSU-Politiker attestierte, eine herausragende Arbeit abgeliefert zu haben.

So ist der Verlag ohne eigenes Zutun in diese Affäre hereingerutscht - und steht dieser Tage im Zentrum der Öffentlichkeit. An den Nebenerscheinungen, dem sprunghaft angestiegenen Interesse an Guttenbergs Buch, mag der Geschäftsführer allerdings nichts Positives entdecken: "Diese Arbeit ist kein Bestseller. Und selbst wenn sie einer wäre: Grund zur Freude bereitet sie nicht." Anstatt das Buch neu aufzulegen und Kasse zu machen, hat Florian Simon angekündigt, die Dissertation dauerhaft aus dem Angebot zu nehmen. Ein Vorgang, der offenbar einmalig ist in der Geschichte des ruhmreichen Verlags, bei dem schon Goethe und E.T.A. Hoffmann veröffentlichten. Zumindest kennt Simon keinen anderen Fall, wo er ein Buch vom Markt nehmen musste.

Immerhin: Der Verleger zeigt in dieser Affäre - anders als der schummelnde Verteidigungsminister - eine glasklare Haltung: "Von einem angeblichen Kult wollen wir nicht profitieren."