HOME

Guttenberg-Rezensionen im Netz: Opus Magnum, Walhalla, Klassiker

Es ist schon jetzt die literarische Überraschung des Jahres: Die komplette Auflage von Karl-Theodor zu Guttenbergs Dissertation ist ausverkauft. Die Leser verhöhnen das Buch im Internet als Meisterwerk und loben den überquellenden Sprachwitz.

Von Carsten Heidböhmer

Das nennt man einen großen literarischen Erfolg: Die komplette Erstauflage von Karl-Theodor zu Guttenbergs Dissertation mit dem Titel "Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU" ist ausverkauft. Doch so recht mag sich sein Verleger nicht darüber freuen: Der Berliner Verlag Duncker & Humblot hat die elektronische Variante der Dissertation vorerst aus seinem Angebot genommen. "Der Titel ist z. Z. nicht lieferbar", heißt es lapidar auf der Homepage. Damit reagierte der Verlag auf die Plagiatsvorwürfe gegen den CSU-Politiker.

"In der vorliegenden Form bleibt die Dissertation dauerhaft aus unserem Angebot gestrichen", sagte Geschäftsleiter des Berliner Wissenschaftsverlags Duncker & Humblot, Florian Simon, dem "Tagesspiegel". Ob der Verlag Schadenersatzansprüche gegen den Minister geltend machen will, ließ Simon offen. "Vor einer Entscheidung der Universität Bayreuth stellt sich die Frage rechtlicher Schritte für uns nicht", sagte er der Zeitung.

So ernst der Verlag mit der Situation umgeht, so humoristisch greifen die Internet-Nutzer die Affäre auf. Zahlreiche User verfassten bei Amazon ironische Kommentare auf die Arbeit von zu Guttenberg - und bewiesen erstaunliches Humorpotenzial. Einige Kommentatoren heben dabei vor allem die literarische Qualität des Werkes hervor: "Eine Dissertation die lange Ihresgleichen suchen wird. Von Sprachwitz überquellend, schöpft der Autor aus seinem reichen, stellenweise schier unendlich wirkenden Fundus sprachlicher Tropen beständig aus dem Vollen", rühmt ein Nutzer. "Mir gefielen die vielfältigen inhaltlichen wie stilistischen Tempi- und Stilwechsel auf den ersten 150 Seiten", heißt es an anderer Stelle.

Andere User wollen dagegen ein Werk der modernen Kunst entdeckt haben: "Ist es Dada, Kubismus oder einfach nur heißsprudelnder Fluxus? Trägt Joseph Beuys heute Gel im Haar? Dies ist nicht die Postmoderne, dies ist das 21. Jahrhundert, Guttenberg sein erster wahrer Künstler, dies ist Utopia! Copy&Paste seine Aktionskunst", schreibt Thomas Ueberle.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will auf seinen Doktortitel verzichten. Ist er damit aus dem Schneider?

"Hier wird kein dünnes Brett gebohrt"

Doch auch der wissenschaftliche Wert von zu Guttenbergs Dissertation wird gerühmt: "Hier wird kein dünnes Brett gebohrt oder eine unverdauliche Paste halbwissenschaftlichen Dreiviertelwissens angerührt, hier wurde ein Epos erstellt, das noch Generationen von Hochpotenzlern den kürzesten Pfad weisen wird zum akademischen Walhalla - sozusagen ein How to der hohen Kunst des Titelstürmens für dilettierende Dissertanten." Ein anderer User lobt: "Gekonnt gelingt es dem Autor mit der schier unglaublichen Kraft seiner Gedanken und Worte ein Sammelsurium an zahlreichen Zitate großer Denker und Denkfabriken, Erinnerungen, Anspielungen, Metaphern, historischen Referenzen zu kreieren."

In einem stimmen alle Kommentare überein: Karl-Theodor zu Guttenberg - den ein User als den "größten Deutschen seit Otto von Bismarck" bezeichnet - "hat hier ein Meisterwerk, ein wahres Opus magnum vorgelegt." Oder wie ein anderer User kurz und bündig seine Ausführungen abschließt: "Nun zum Buch: Jetzt schon ein Klassiker."

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.