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Walter Kempowski: Tod eines Chronisten

Er war Chronist, Literat und einer der herausragendsten Autoren Deutschlands. Walter Kempowski ist im Alter von 78 Jahren seinem schweren Krebsleiden erlegen. Bis zuletzt hat er an einem neuen Buch geschrieben.

Der Schriftsteller Walter Kempowski ist tot. Er erlag im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus im niedersächsischen Rotenburg seinem Darmkrebsleiden, teilte der Knaus Verlag in München mit. In der Todesstunde gegen 03.00 Uhr sei seine Familie bei ihm gewesen. Kempowski zählt mit seinen Werken wie "Tadellöser & Wolff", "Deutsche Chronik" und "Echolot" zu den großen deutschen Schriftstellern der Gegenwart. Bis zuletzt hatte er sich von der schweren Krankheit nicht unterkriegen lassen und weiter an seinem Tagebuch 1991, dem Jahr des Golf-Krieges, geschrieben.

Vor einem Jahr war Kempowski an Darmkrebs operiert worden. Seitdem hatte seine Ehefrau Hildegard ihren Mann, mit dem sie seit 1960 verheiratet war, liebevoll umsorgt und unterstützt. Denn Kempowski hielt trotz seiner schweren Krankheit an seinen Lesungen in seinem Haus in dem niedersächsischen Dorf Nartum bei Bremen fest. "Und wenn es nicht geht, liest meine Frau weiter", sagte der Autor noch im Frühjahr. Bis zuletzt hatte er ein Mal im Monat zum Literaturnachmittag eingeladen, wegen seiner Krankheit aber nicht mehr selbst gelesen.

Kempowski wurde am 29. April 1929 in Rostock als Sohn eines Reeders geboren. Drei Jahre nach Kriegsende wurde er wegen angeblicher Wirtschaftsspionage verhaftet und saß acht Jahre lang im DDR-Zuchthaus in Bautzen ein. Nach seiner Freilassung studierte er in Göttingen Pädagogik und arbeitete 20 Jahre lang als Dorfschullehrer in Nartum.

Er arbeitete 26 Jahre lang an "Echolot"

Der Autor gilt als präziser Chronist deutscher Geschichte. Seine eigene Biografie war Auslöser und Inspirationsquelle für viele seiner Bücher. So ist seine "Deutsche Chronik" die mehrbändige Familiensaga um die Rostocker Reederfamilie Kempowski. "Tadellöser & Wolff" (1975) und "Ein Kapitel für sich" (1979) wurden fürs ZDF verfilmt.

An seinem Mammutwerk "Echolot" arbeitete er 26 Jahre lang. Für dieses Werk erhielt er auch aus dem Ausland große Anerkennung. "Echolot" beleuchtet die Zeit des Zweiten Weltkriegs anhand von Dokumenten, Erinnerungen, Tagebüchern und Briefen. Sein letztes Buch erschien 2006. In dem Roman "Alles umsonst" geht es um die dramatische Flucht der Deutschen im Kriegswinter 1945 aus dem von der Roten Armee besetzten Ostpreußen.

Auf Auszeichnungen und Ehrungen hatte Kempowski lange warten müssen. Doch in den vergangenen Jahren wurden es immer mehr. So erhielt er im Oktober 2006 in Rostock den Hans-Erich-Nossack-Preis für sein Lebenswerk. Zu den weiteren Auszeichnungen zählen unter anderem der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung (1994), das Bundesverdienstkreuz (1996) und der Verdienstorden des Landes Niedersachsen (2004).

Bundeskanzlerin Merkel würdigt ihn als "herausragenden Literaten"

Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, hat mit großer Betroffenheit auf den Tod des Schriftstellers Walter Kempowski reagiert und den Autor gewürdigt. "Walter Kempowski war sicherlich einer der markantesten Chronisten und Schriftsteller deutscher Sprache, ein herausragender Literaten und Autor", sagte Vize- Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Mit der historischen Collage "Echolot" habe er etwas weltweit Einmaliges geschaffen. Merkel sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus.

DPA / DPA
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