Reaktionen "Kempowski war ein einfühlsamer Chronist"


Größen aus Politik und Kultur zeigen sich betroffen über den Tod des Schriftstellers Walter Kempowski. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, würdigte ihn als "großen Chronisten".

Der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, hat den Schriftsteller Walter Kempowski als "großen Chronisten unseres Nachkriegsdeutschlands" gewürdigt. Kempowski - der acht Jahre im berüchtigten DDR-Zuchthaus Bautzen saß - habe die Geschichte am eigenen Leib durchlebt, hob Staeck in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin hervor. "Er war ein energischer Mensch, der eine klare Meinung hatte. Ich habe ihn sehr geschätzt." Kempowski ("Echolot", "Tadellöser & Wolff") war im Alter von 78 Jahren gestorben.

In der Akademie der Künste, der der Autor noch zu Lebzeiten sein riesiges Archiv übergeben hatte, war dieses Jahr eine große Ausstellung über Leben und Werk des Schriftstellers zu sehen. Eröffnet wurde diese von Bundespräsident Horst Köhler. Der krebskranke Kempowski hatte sich die Schau nicht mehr ansehen können, wie Staeck bedauerte.

Kempowski sei kein Opportunist gewesen und habe in keine Schublade gepasst, sagte Staeck weiter. "Insoweit war er nicht pflegeleicht." Der Akademie-Präsident erinnerte auch daran, dass der Autor öfter beklagte, er habe lange nicht die literarische Anerkennung gefunden, die ihm zustand. "Da war etwas dran."

Neumann: Kempowski war ein präziser und einfühlsamer Chronist

Kulturstaatsminister Bernd Neumann, CDU, hat Walter Kempowski als "einen der meistgelesenen Schriftsteller der Nachkriegszeit" gewürdigt. "Mit seinen Romanen und Aufzeichnungen aus der Zeit des Dritten Reiches und der deutschen Teilung ist er einer der präzisesten und einfühlsamsten Chronisten deutscher Geschichte und deutscher Befindlichkeit", sagte Neumann in Berlin. Kempowski sei ein "ebenso sensibler wie entschiedener Sachwalter von Freiheit und Humanität" gewesen.

Dazu hätten sicherlich auch seine bitteren Erfahrungen der jahrelangen Haft in Bautzen beigetragen, heißt es in der Mitteilung Neumanns weiter. "Vor allem seine bewegenden Chroniken geben dem Einzelnen jene Würde zurück, die ihm die totalitären Ideologien des vorigen Jahrhunderts millionenfach abgesprochen hatten."

Merkel vom Tod Kempowskis betroffen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit Betroffenheit auf den Tod des Schriftstellers Walter Kempowski reagiert. Wie der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag sagte, kondolierte Merkel der Familie des Literaten von ihrer Afrikareise aus. Steg bezeichnete Kempowski als einen der "markantesten Chronisten und Schriftsteller deutscher Sprache und herausragenden Autor". Mit dem "Echolot" habe er "weltweit etwas Einmaliges geschaffen". Die "Deutsche Chronik" sei ein "aussagekräftiger Spiegel deutscher Geschichte", sagte Steg.

Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, hat der Familie des verstorbenen Schriftstellers und Chronisten, Walter Kempowski, kondoliert: "Mit Walter Kempowski verliert unser Land einen seiner bedeutendsten und meist gelesenen Schriftsteller und den wichtigsten Chronisten des 20. Jahrhunderts. Seine autobiografischen Romane der Deutschen Chronik, wie das umfangreiche Epos "Echolot", die "kollektiven Tagebücher" des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges seien einzigartige, weil authentische Zeugnisse dessen, was gewesen ist.

Kempowskis Sammlung gilt als Jahrhundertarchiv und umfasst 500 Meter Regallänge. Dazu gehören allein 8000 deutsche Lebensläufe durch alle Schichten der Gesellschaft. Das Archiv ist eines der meistgenutzten der Berliner Akademie. Ihr hatte der Autor 2005 rund 3,5 Millionen Archivblätter übergeben.

DPA/AP AP DPA

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