HOME

Leipziger Buchmesse: Das Lesefest beginnt

Fünf Tage lang haben Leseratten in Leipzig die Gelegenheit, mit ihren Lieblingsautoren ins Gespräch zu kommen. Kinder und Teenager sollen mit Mangas zum Lesen animiert werden.

Leipzig steht bis zum Sonntag wieder fünf Tage lang im Zeichen der Literatur. Das "Frühlingsfest der Bücher" wird am Abend im Gewandhaus festlich eröffnet. Dabei erhält die Kroatin Slavenka Drakulic den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, der erstmals zum Auftakt statt wie bisher zum Abschluss der Buchmesse vergeben wird. Auf dem Messegelände präsentieren rund 2100 Verlage und Editionen aus 30 Ländern ihre Frühjahrsprogramme.

"Leipzig liest" bietet zudem rund 1500 Lesungen, Foren und Präsentationen mit mehr als 1000 Gästen. Bei den Hörbuchnächten sind die Schauspieler Axel Milberg und Martin Semmelrogge mit Jules Vernes’ Klassiker "In 80 Tagen um die Welt" am Start. Auf der Messe sowie an mehr als 200 Orten in der Stadt - von Cafés und Clubs über Theater, Buchläden und Schulen bis zum Jugendamt, Museen oder Kirchen - sind Autoren wie Thomas Brussig, Amos Oz, Hellmuth Karasek, Walter Kempowski, Joachim Fest, Adolf Muschg oder Jorge Semprun zu erleben. Zudem geben Schauspieler und Sänger wie Manfred Krug, Hermann van Veen, Pierre Brice, Katharina Thalbach, Jan Josef Liefers, Peter Lohmeyer und Charles Aznavour der "kleinen" deutschen Bücherschau die Ehre.

Veranstaltungen zum Schiller-Jahr

Zahlreiche Veranstaltungen sind im 200. Todesjahr dem Dichter Friedrich Schiller gewidmet, weitere beschäftigen sich mit dem Verhältnis Deutschlands zu Israel. Das 40-jährige Jubiläum der Beziehungen wird mit einem Festakt begangen, zu dem Israels Botschafter Shimon Stein und Bundesaußenminister Joschka Fischer erwartet werden. Das Autorenspecial beschäftigt sich mit der Lage auf dem Balkan. Schwerpunkte sind zudem das Gastland Korea sowie Hör-, Kinder- und Jugendbücher und Comics.

Ein Höhepunkt ist die Verleihung des ersten "Preises der Leipziger Buchmesse". Die mit insgesamt 45.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt die besten Bücher in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Den Gutenberg-Preis bekommt der Venezolaner Alvaro Sotillo. Insgesamt werden fast 20 Auszeichnungen vergeben, darunter auch der Hörbuchpreis "HörKules".

Im Zentrum stehen vor allem junge Leser: "Ein Drittel des gesamten Messeprogramms richtet sich in diesem Jahr speziell an Kinder und Jugendliche", sagte Buchmessedirektor Oliver Zille. Rund 300 Veranstaltungen im Bereich Comic sowie weitere 300 bei den Kinder- und Jugendbüchern warteten auf das junge Lesepublikum.

Junge Leser im Visier

Dass die Zielgruppe den Messemachern am Herzen liegt, kommt nach Zilles Worten nicht von ungefähr. 30 Prozent der jährlich rund 100.000 Besucher der Leipziger Buchmesse seien nicht älter als 20 Jahre. Und so seien in diesem Jahr rund 25 Prozent der Ausstellungsfläche in den Hallen des Neuen Messegeländes für die Kinder und Jugendlichen konzipiert. Von besonderer Bedeutung ist dabei wieder der Bereich der Comics: "Wir wissen, dass die 12- bis 19-Jährigen eigentlich Nicht-Leser sind und wollen sie über diese Schiene zum Lesen animieren", erklärte Zille.

Die Messe hat sich nach Angaben ihres Direktors inzwischen zur deutschlandweit größten Bühne für Comics und Mangas entwickelt. Doch auch über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus hat sich der Ruf des Manga-Zeichenwettbewerbs der Buchmesse Leipzig herumgesprochen: 2.300 Nachwuchszeichner aus 18 Ländern haben für den diesjährigen Wettbewerb ihre Arbeiten eingereicht.

Einer der Schwerpunkte bei den Buchneuerscheinungen ist der Themenbereich des 60. Jahrestags des Kriegsendes. So beschäftigten sich zahlreiche Jugendbuchautoren mit dem Thema Nationalsozialismus, etwa Mirjam Pressler, die ihr Buch "Die Kinder von Bergen-Belsen" vorstellen soll. Hermann Winke will mit seinem Sachbuch "Das dritte Reich" junge Leser an das Thema heranführen.

DPA/AP / AP / DPA