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Wettbewerb: "Ich spreche von der Auslegeware"

Der Deutsche Sprachrat hat sich die "Sensibilisierung des deutschen Sprachbewusstseins" auf die Fahnen geschrieben. Deshalb soll jetzt das schönste deutsche Wort von einer pominent besetzten Jury gekürt werden.

Traum, Sommerfrische, Rausch, Sättigungsbeilage rudivöllern, Schadenfreude, Wonneproppen, herzallerliebst oder Schlamassel... kaum eine Sprache ist so reich wie die deutsche. Der Duden zählt 120.000 Stichwörter, in Goethes Werk haben Wissenschaftler 90.000 unterschiedliche Vokabeln gezählt. Beim Reformator Luther waren es immerhin noch 23.000.

Aber welches deutsche Wort ist das schönste? Der deutsche Sprachrat, der "durch Sensibilisierung des Sprachbewusstseins die Sprachkultur fördern" möchte, hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, mit dem das schönste deutsche Wort gekürt werden soll. Jeder darf teilnehmen und kann seinen Vorschlag bis zum ersten August einsenden - bisher sind etwa 2000 Vorschläge eingegangen.

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Im Herbst wird eine Jury die Einsendungen prämieren. Zur Jury gehören Jutta Limbach, die Präsidentin des Goethe-Instituts, der Schriftsteller Christian Kracht, die Literaturkritikern Sigrid Löffler, der Musiker Herbert Grönemeyer, der Filmregisseur Joseph Vilsmaier und der Fußballtrainer Volker Finke.

Komposita sind am häufigsten

Die meisten Vorschläge, die bisher eingesandt worden, sind zusammengesetzte Hauptwörter, so genannte Komposita. Mit ihnen lassen sich am leichtesten Wortkombinationen bilden: Herzensgüte, Friedensmacht, Freudentaumel oder Schaumkrone oder neue Wörter wie Homoehe oder Leitkultur. Neue Verben wie etwa "simsen" (SMS schreiben) entstehen längst nicht so häufig.

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Edelweiß, mäandern, besinnlich, ulkig oder gar Kohlesubventionsabbauverordnungs- gesetzesvorlage... die Geschmäcker sind verschieden. Der Schriftsteller Martin Walser findet die Idee zu so einem Wettbewerb "zutiefst sprachbeleidigend". Er hält nichts von dieser "Sportplatzmode". Ganz der ernste Gralshüter der deutschen Sprache, der sich nicht schnelllebigen Moden hingeben möchte. Für Modedesigner und Schriftstellerkollege Wolfgang Joop ist "Heimat" das schönste Wort, noch vor Glück. Country-Sänger Gunter Gabriel hat einen eher handfesten Geschmack. Sein Lieblingswort heißt "Daumenlutscher". Der regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, denkt ganz als Politiker: Sein Lieblingswort ist angeblich "Mentalitätswechsel". Vielleicht wünscht er sich ja, dass die Berliner seiner rigorosen Sparpolitik mehr Verständnis entgegen bringen.

Auch Komik-Altmeister Loriot meldete sich zu Wort: "Zu häufig habe ich mein schönstes deutsches Wort veröffentlicht, das als Charakterisierung des Deutschen in Schlichtheit, Korrektheit, aber auch Großzügigkeit nicht übertroffen werden kann: Ich spreche von der 'Auslegeware'."

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