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Yasmina Rezas neues Stück: Heißer Tipp für Theatermuffel

Yasmina Rezas Theaterstück "Der Gott des Gemetzels" hat sich zum absoluten Renner in der Theaterszene entwickelt. Praktisch in ganz Deutschland kann man in der nächsten Zeit Inszenierungen des Dramas sehen – und selbst notorische Theatermuffel sind begeistert

Von Kester Schlenz

Smash-Hit, Blockbuster, Abräumer, Gigaseller, Mega-Kracher - Wenn es um Erfolge in Musik und Film geht, spricht das Showbusiness eine klare, deutliche Sprache. In der Theaterszene ist man naturgemäß ein wenig zurückhaltender. Im Falle von Yasmina Rezas aktuellem Theaterstück "Der Gott des Gemetzels" wären allerdings alle obigen Superlative berechtigt. Das Vier-Personen-Drama feiert gerade einen beispiellosen Siegeszug auf deutschen Bühnen: allein dreiunddreißig Mal wird es in dieser Spielzeit an städtischen wie privaten Bühnen neu inszeniert. Dazu kommen Inszenierungen aus dem letzten Jahr, die wieder aufgenommen werden. Zur Zeit läuft das Werk erfolgreich am Münchener Residenztheater (unter anderem mit Sunnyi Melles), und am 17. Februar feiert das Stück Premiere am Hamburger St. Paul Theater, in der Besetzung Rudolf Kowalski, Barbara Auer, Anne Weber und Herbert Knaup.

Eigentlich wollen sie nur miteinander reden

Und worum geht es jetzt in diesem viel gepriesenen Drama? Der Titel klingt wie eine klassische griechische Tragödie über Raserei im Krieg. Fehlanzeige - hier wollen eigentlich nur zwei Paare miteinander reden. Weil ihre Söhne sich in der Schule geprügelt haben und einer dabei zwei Zähne verloren hat. Ganz Weltbürger, will man die Sache mit einem Gespräch unter zivilisierten Menschen regeln. Die Paare aus gutbürgerlichem Milieu treffen sich und besprechen den Vorfall - anfangs freundlich, um Konsens bemüht. Doch schon nach wenigen Minuten gerät die Sache aus dem Gleis. Als ob der Gesprächsgegenstand, physische Gewalt, die Runde vergiftet, weicht das "gute Gespräch" nackter Aggression, die Fassade bröckelt, bis sie schließlich vollends zerfällt und nur noch der "Gott des Gemetzels" herrscht.

All das sieht und hört man mit voyeuristischem Vergnügen. Und fühlt sich dennoch ein wenig ertappt. Denn bei aller Überzeichnung kennen wir die Protagonisten nur allzu gut. Irgendwie sind wir das nämlich auch selbst da oben auf der Bühne, mit unseren Vorurteilen, Neurosen, unserer Unfähigkeit, auf andere wirklich einzugehen. Immer sind wir selber im Recht, die anderen nie. Rezas Stück ist komisch, tragisch, die Dialoge brillant. Ein gefundenes Fressen für jeden Schauspieler.

Wenn Sie lange nicht im Theater waren und es mal wieder versuchen wollen - schauen Sie, ob "Der Gott des Gemetzels" irgendwo in ihrer Nähe läuft. Mit diesem Stück kann man eigentlich nicht viel falsch machen.