Sarkozy intim "Der Typ ist ein politischer Triebtäter"


Noch nie hat eine Schriftstellerin einen Politiker im Wahlkampf begleitet - außer Yasmina Reza. Ein Jahr lang gehört sie während des Wahlkampfs zum engsten Kreis um Nicolas Sarkozy. Dabei hat sie auch einiges über Frauen gelernt.
Von Gerda-Marie Schönfeld

In Frankreich ist das Sarkozy-Porträt "Frühmorgens, abends oder nachts" längst ein Bestseller. Wer Yasmina Reza kennt, weiss, dass sie ihre Leser entzückt mit hintergründiger Ironie. Die derzeit weltweit erfolgreichste Dramatikerin, geboren 1957 in Paris als Tochter einer ungarischen Mutter und eines iranischen Vaters, brachte 1994 den Kulturbetrieb gegen sich auf mit ihrem Stück "Kunst". Inhalt: Drei Männer und ein Bild. Auf dem Bild: nichts, nur eine weisse Leinwand. Fortan streiten sich die drei Freunde bis aufs Messer, was davon zu halten sei. Kunst - oder Scharlatanerie. Die wunderbare Satire hat Yasmina Reza weltberühmt gemacht.

Anfangs befürchtet die Autorin, der Präsidentschaftskandidat und damalige Innenminister Sarkozy würde ihre Wahlkampf-Begleitung ablehnen. Hat er aber nicht. Im Gegenteil. "Du folgst mir, und du fragst mich nichts", befiehlt Sarkozy bündig. Und so erlebt Reza hautnah einen Kandidaten, der ohne Zweifel widersprüchlicher und faszinierender ist als die sozialistische Konkurrentin Ségolène Royal, und damit untragbar für ihre linksliberalen Freunde. Denn "mit so einem Typen gibt man sich im intellektuellen Pariser Milieu nicht ab."

Der Typ ist, so Reza, ein politischer Triebtäter. Ein Tier. Einer, der schnell isst, schnell denkt, der nervös, neurotisch und ungeduldig durch die Zeit rast, durch Frankreich, New York, London und Berlin. "Berlin - ein Horror, ein echter Horror", befindet Sarkozy. Das Wahlkampfteam des Kandidaten signalisiert ihr, es sei gut, dass sie dabei sei. "Er bessert sich durch dich. Er ist höflich, und er behauptet sogar, er würde Bücher lesen". Auch trägt der Kandidat inzwischen Dior.

Reza nimmt einen Mann wahr, der rastlos durchs Land tobt, ein intelligentes Alpha-Tier, das eilt und hinkt und die Einsamkeit der Doppelzimmer-Betten im Hotel und die drohende Bedeutungslosigkeit flüchtet und seinen Charme sehr dosiert einsetzt. "Verpiss dich, du blödes Arschloch", pfeift er einen Besucher an, der ihm auf der Pariser Landwirtschaftsmesse nicht die Hand geben will. Einmal, als bei einem Dinner eine Blondine mit nackten Schultern neben ihm sitzt und ihm zuhaucht: "Ich träume jede Nacht von Ihnen", wendet er sich Reza zu: "Hast du gehört? Sie träumt jede Nacht von mir, wie entsetzlich", sagt er unwillig und legt den Arm um die nackten Schultern der Blondine.

Die Frauen

Gattin Cecilia ist nur einmal im Wahlkampf dabei. "Das Paar ist eine Katastrophe", raunen seine Mitarbeiter. Für einen TV-Wahlkampf-Werbespot wird Sarkozy gebeten, Jackett und Hemd zu wechseln. "Das geht mir tierisch auf den Sack. Ich will heim", faucht der Kandidat. Den Journalisten-Tross blafft er an: "Gebt es zu, ich bin eine unerschöpfliche Quelle für eure Scheiss-Artikel".

Das stimmt. Deswegen wollen wir ihm hier einmal danken. Es war Sarkozy, der populistische innenpolitische Scharfmacher, der Luxusurlauber auf Yachten befreundeter Milliardäre, der geübte Ehebrecher, der verlassene Gatte, der uns im vergangenen Jahr aufs Beste unterhalten hat. Schon gar seit der Blitzehe mit Carla Bruni.

Von der weiß man, dass sie singt, modelt und Eric Clapton sowie Mick Jagger im Bett hatte. Aber was weiss man von der Frau an seiner Seite, wenn sie angezogen ist? Als kürzlich ein Aktporträt auftauchte - die nackte Bruni vor 15 Jahren, die Hände fest vor der Scham verschränkt - hätte das Timing nicht besser sein können: die frischgekürte Präsidentengattin war just auf Besuch bei der Queen.

Angriff aus Amerika

Während in Frankreich die Umfragewerte für Sarkozy mächtig sanken, schossen sie in England in die Höhe. Die Engländer schauten auf Carla neben der Queen, angezogen, und auf Carla in der Zeitung, nackt - und brachen in Begeisterung aus. Wobei eine kleine, feine Gemeinheit nur am Rande wahrgenommen wurde: Die Versteigerung mehrerer Star-Fotos bei Christie's in New York am 10. April handelt den Klassiker Brigitte Bardot mit bis zu 120.000 Dollar und das propere Model Gisele Bündchen sowie selbst die knochig-dürre Kate Moss mit bis zu 40.000 Dollar. Nur die Gattin des französischen Präsidenten wird auf den Dumping-Preis von maximal 4000 Dollar taxiert. Das billigste Mädel in der ganzen Reihe ist seins. Das ist ohne Zweifel ein feindlicher Akt der Amerikaner und sollte dem Präsidenten zu denken geben.


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