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Bühnenreife Aufklärung Liebe, Sex und Zärtlichkeit mit "50 Grades of Shame"

Bühnen-Performance von 50 Grades of Shame
Bei "50 Grades of Shame" wechselt das Geschehen auf der Bühne zwischen Kanzelpredigten, Szenen aus Wedekinds Drama, Frontalunterricht und Rollenspielen.
© Judith Buss
Eine "Mischung aus Predigt, Darkroom, Rollenspiel und Frontalunterricht" kündigen die Schauspieler auf der Bühne der Kammerspiele beim Stück "50 Grades of Shame" an: Es folgt eine extrem unterhaltsame Beratungsstunde à la Dr. Sommer für alle über 16.

Was ist erlaubt im Bett - und was darf man nicht?
Wofür muss man sich schämen? Und wie geht das überhaupt richtig mit diesem Sex, von dem immer alle reden? Die Münchner Kammerspiele haben am Donnerstagabend eine Art Fragestunde wie mit Dr. Sommer für Leute ab 16 Jahren (so die Altersempfehlung) auf die Bühne gebracht.

Für die Premiere des Stücks "50 Grades of Shame" (50 Stufen der Scham) arbeitete sich das Theaterkollektiv "She She Pop" gemeinsam mit Schauspielern der Kammerspiele an existenziellen Fragen der Aufklärung ab - und das alles nicht nur anhand des Klassikers auf dem Gebiet, Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen", sondern auch mit Hilfe des Sado-Maso-Bestsellers "50 Shades of Grey". Die Verfilmung des ersten Bandes war ebenfalls Besuchern ab 16 Jahren vorbehalten.

"Es gab zuerst die Überlegung, etwas mit Wedekinds "Frühlings Erwachen" zu machen zum Thema Aufklärung, Sexualität und Körper in unserer Zeit", sagt Mieke Matzke von "She She Pop" der Deutschen Presse-Agentur. "Dann kamen wir auf dieses Buch, weil es stark rezipiert und kontrovers diskutiert wurde. Wir haben dann sehr viel über Scham gesprochen und sind dann auf den Titel "50 Grades of Shame" gekommen. Das war eigentlich ein Versprecher während einer Diskussion über dieses Buch."

Viel Sex bei 50 Grades of Shame 

Das Geschehen auf der Bühne wechselt zwischen Kanzelpredigten, Szenen aus Wedekinds Drama, Frontalunterricht und Rollenspielen - ohne feste Rollen für die Schauspieler (darunter Anna Drexler, Werner Hess und mit der 16-jährigen Lilli Biedermann ein "echter Teenager"). Von einer "Mischung aus Predigt, Darkroom, Rollenspiel und Frontalunterricht" sprechen die Schauspieler auf der Bühne. Das Ziel: der 16-Jährigen zu erklären, wie das funktioniert mit Liebe, Sex und Zärtlichkeit.

Einige der zentralen Handlungsanweisungen dabei lauten: Man darf in der Schwimmbad-Dusche keine Erektion bekommen; es ist überaus unangemessen, in einer WG Sex zu haben, wenn die Zimmertür offen ist; und man sollte nicht immer an Sex denken. Letzteres gilt natürlich nicht für die rund 100-minütige Aufführung.

Auf großen Videoleinwänden verschmelzen die Körper der Darsteller beeindruckend zu immer neuen Konstellationen: ein gemeinsamer Körper als Utopie. "Es soll auf der bildlichen Ebene auf der Bühne eine Vergemeinschaftung der Körper geben, einen kollektiven Körper. Dabei geht es nicht mehr darum, wie der Einzelne aussieht, sondern darum, Körperbilder zu feiern", sagt Matzke.

Viel Jubel, noch mehr Applaus

"Es geht uns um die Frage, was sind Männerbilder, was sind Frauenbilder - und diese auch aufzulösen." Nicht zu Unrecht riet Kammerspiel-Intendant Matthias Lilienthal vor der Premiere: "Gucken Sie sich die Darsteller bei dem Anfangslied genau an. Sie werden es noch brauchen." Das Anfangslied ist: "I want to know what love is"
von Foreigner - das Motto des Abends.

Für den überaus unterhaltsamen, wahren, witzigen, realsatirischen Premierenabend gibt es viel Jubel, minutenlangen Applaus und ein einsames Buh für die Entwicklerinnen des Stücks von "She She Pop".

jek DPA

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