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"1 Mord für 2": Dialogfreudiges Katz-und-Maus-Spiel

Es gleicht einem dramaturgischen Laborexperiment: In Kenneth Brannaghs Kinofilm "1 Mord für 2" sind nur zwei Schauspieler zu sehen: Jude Law und Michael Caine. Auch wenn es ein reines Vergnügen ist, Caine bei der Arbeit zuzusehen: Das Stück, das für die Bühne geschrieben wurde, funktioniert auf der Leinwand nicht.

Der alte Mann namens Andrew Wyke ist reich, seine Frau hat ihn verlassen. Der junge Mann namens Milo Tindle ist beruflich erfolglos, aber er hat die Frau des reichen alten Mannes erobert. Nun ist Tindle in dem luxuriösen, mit allem technischen Raffinement eingerichteten Haus von Wyke, um von dem berühmten Krimiautor und Millionär die Scheidung zu verlangen. Wyke scheint einverstanden, überrascht aber seinen Gast mit einem ungewöhnlichen Vorschlag, dem ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel der beiden Männer folgt.

Der britische Schauspieler und Regisseur Kenneth Brannagh hat diese an Wendungen reiche Geschichte nach dem Drehbuch des renommierten Dramatikers Harold Pinter unter dem Titel "1 Mord für 2" in Szene gesetzt. Nur zwei Darsteller sind in dem ab 20. Dezember anlaufenden Film zu sehen: Der attraktive Jude Law verkörpert Tindle, der im Alter zu so großer Form aufgelaufene Routinier Michael Caine ist als gehörnter Wyke zu sehen. Beide sind in der Neuauflage eines alten Kinoerfolgs zu sehen.

Der zu große Ehrgeiz des Literaturnobelpreisträgers

Für Caine ist es eine ganz besonders reizvolle Aufgabe: Er hat vor 35 Jahren schon einmal in der Verfilmung von Anthony Shaffers Theaterstück "Sleuth" mitgewirkt, die 1972 in Deutschland unter dem Titel "Mord mit kleinen Fehlern" zu sehen war. Damals allerdings hatte der rothaarige Caine die Rolle von Tindle inne, sein Gegenspieler war kein Geringerer als die Schauspielerlegende Sir Laurence Olivier. Dieser war damals 65 Jahre alt, Caine ist nun bereits 74 und noch immer von imposanter Statur und versehen mit einer wunderbaren Originalstimme, die leider in der synchronisierten Fassung verloren geht.

Aber auch so ist es ein reines Vergnügen, diesem erfahrenen Schauspieler, der seit einem halben Jahrhundert vor der Kamera steht, bei der Arbeit zuzusehen. Er schafft es auch weit besser als der jüngere Jude Law, seine Figur in dem allzu affektierten und eitlen Inszenierungstil von Branagh zu behaupten.

Der Regisseur versucht krampfhaft, das dialoglastige Zwei-Personen-Spiel mit allerlei optischen Mätzchen bedeutsamer zu machen als es ist. Denn was sich Pinter und Shaffer ausgedacht haben, hat erhebliche logische Defizite und gleicht eher einem dramaturgischen Laborexperiment. Hat der Betrachter anfangs noch einige Freude an dem Verwirrduell der Rivalen, so fühlt er sich im Handlungsverlauf von den ausgeklügelten Wendungen immer mehr überfordert und auch übertölpelt. Der 77-jährige Pinter, Literaturnobelpreisträger des Jahres 2005, hatte den Ehrgeiz, nicht einfach das Buch zum Remake eines früheren Kinohits zu schreiben, sondern wollte, wie es sich für einen Autor von seinem Rang wohl auch gehört, ganz eigene Akzente setzen. Branagh war davon begeistert: "Die Dialoge sind der Alltagssprache ähnlich, die Figuren ähneln Leuten, denen wir schon einmal begegnet sind, und doch kommen sie aus einer anderen Welt, gewissermaßen aus der Welt unserer Alpträume."

Auf der Bühne mag das bestens funktionieren, im Kino wirkt das so überambitioniert wie der ganze Film. Das Original von 1973, von Joseph L. Mankiewicz inszeniert, hat nicht nur den besseren deutschen Titel, sondern war auch die eindeutig bessere Leinwandadaption des Theaterstücks von Shaffer. Der schrieb damals übrigens selbst das Drehbuch, ist aber nie Nobelpreisträger geworden.

Wolfgang Hübner/AP

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