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"5 x 2": Stationen einer gescheiterten Beziehung

Dieser Film erzählt fünf Stationen in der Geschichte eines gescheiterten Paares in umgekehrter Zeitfolge. Es beginnt mit der Trennung und endet mit der ersten Begegnung.

Kein Regisseur der Gegenwart kann Frauen so gut auf der Leinwand inszenieren wie Francois Ozon. Der immer noch junge Franzose mit der schon langen Liste von Filmarbeiten stellt diese Fähigkeit in seinem neuen Werk "5 x 2 - Fünf mal Zwei" abermals eindrucksvoll unter Beweis. Ozon, der auch das Drehbuch verfasste, erzählt darin die Geschichte eines Paares - aufgerollt von hinten. Die erste Begegnung mit Marie und Gilles findet also statt, wenn beide die Scheidung beurkunden.

Warum sie danach noch einmal ins Bett gehen, um verkrampft und freudlos Sex zu machen, erschließt sich dem Betrachter nicht ganz. Aber was und wie Marie dabei empfindet, nämlich eine ganz eigentümliche Mischung aus Mitleid mit und Abscheu vor dem sie ziemlich brutal bedrängenden Mann, das macht die Darstellerin der Frau auf bewegende Weise deutlich. Valeria Bruni-Tedeschi als Marie spielt das nämlich mit einer Intensität ohnegleichen. Und Ozon filmt das so realistisch wie zugleich sensibel als todtraurigen Abgesang auf eine Liebe zwischen Mann und Frau, die einmal so schön begann.

Rückwärts erzählt

Aber wie es begann, das erfahren wir ja erst in der letzten Episode des 90-minütigen Films, der die "fünf wichtigsten Momente im Leben eines Paares" mit den folgenden Grundmotiven beinhaltet: Trauer, Leid, Hoffnung, Glück und Liebe. Mit fabelhafter Leichtigkeit entwirft Ozon das Psychogramm einer gescheiterten Leidenschaft. Wie schon in seinen letzten Filmen "8 Frauen" und "Swimming Pool" kommen die Männer dabei nicht besonders gut weg. Stephane Freiss, der Gilles als zwar gut aussehenden, aber sexuell gestörten, unsicheren Mann spielt, hat keine leichte Aufgabe übernommen, löst sie aber überzeugend, weil er seine Figur nie völlig unsympathisch werden lässt.

Die famose Hauptdarstellerin leuchtet

Doch die Liebe Ozons, der selbst homosexuell ist, gehört den Frauen auf der Leinwand. Valeria Bruni-Tedeschi war in den letzten Jahren schon in etlichen eindrucksvollen Rollen französischer und italienischer Filmen zu sehen. Aber diese im oberflächlichen Sinne nicht makellos schöne Darstellerin hat noch nie so geleuchtet, war noch nie so begehrenswert wie als Marie. Es sind gewiss nicht nur Männer, die nach den Kinostunden mit dieser stark-sanften Frau höchst ungern die Bekanntschaft mit ihr abbrechen. Sorgen braucht sich indes niemand um die Zukunft von Marie: Sie wird das Ende ihrer Ehe mit Gilles gewiss besser bewältigen als dieser.

Nicht alle fünf Episoden des Films sind von gleicher Dichte wie die erste und letzte. Aber finale Trennung und erste Begegnung sind nun einmal ganz besondere Stationen jeder Liebe. Überwältigend gelungen ist die allerletzte Szene, die zeigt, dass sich zwei gefunden haben, und doch schon mittels der melancholischen Stimmung eines Sommerabends am Meer den Betrachter ahnen lässt: Diese beiden werden sich nicht festhalten können. So schlägt Ozon trotz umgekehrter Zeitfolge genial den Bogen zum bitteren Anfang. "5 x 2" war keine teure Produktion. Aber der Film ist von einer menschlichen Tiefe, die ihn ganz kostbar macht.

Wolfgang Hübner, AP / AP
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