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TV-Tipp 22.9.: "Die Zeit die bleibt": Abschied vom Leben

Diagnose Krebs! François Ozon lässt einen 30-jährigen Fotografen Abschied vom Leben nehmen. Berührend und unendlich traurig, aber niemals deprimierend. Unser TV-Tipp des Tages.

Romain (Melvil Poupaud, r.) verschweigt seinem Partner Sasha (Christian Sengewalt), dass er todkrank ist.

Romain (Melvil Poupaud, r.) verschweigt seinem Partner Sasha (Christian Sengewalt), dass er todkrank ist.

"Die Zeit die bleibt"
21.45 Uhr, Einsplus
DRAMA Ganz ehrlich: Ich habe Angst vor Filmen, die von Krankheiten und todkranken Menschen handeln. Ich habe Angst davor, diese Bilder zu sehen: Wenn Männern und Frauen die Haare ausfallen. Wenn ihre Körper langsam den Dienst versagen. Die Gesichter einfallen. Vor allem, wenn man diese Bilder schon einmal in echt gesehen hat. Ich kann den sterilen Krankenhausgeruch dann förmlich riechen, wenn ich vor dem Bildschirm sitze. Manche Erinnerungen bleiben besser vergraben.

Besonders schlimm ist es mit Filmen, die Krebs zum Thema haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass man irgendwann einmal selbst diese Diagnose erhält oder einen Freund oder ein Mitglied der Familie an diese Krankheit verliert, ist einfach zu hoch. "Breaking Bad" habe ich mir lange Zeit nicht angeschaut, weil ich wusste, dass die Serie von einem krebskranken Chemielehrer handelt. Christoph Schlingensiefs "Tagebuch einer Krebserkrankung", ein Geburtstagsgeschenk, steht seit Jahren ungelesen in meinem Buchregal. Selbst den gestrigen Münster-Tatort hätte ich mir fast nicht angeschaut. Da mag Boerne noch so hypochondrisch rüberkommen - seine Angst ist mir zu sehr in der Realität verankert, als das ich darüber lachen könnte.

Nun hat der großartige Francois Ozon ("8 Frauen", "Swimming Pool") gleich drei Filme über Tod, Sterben und Abschied gedreht: "Unter dem Sand" (2000), "Die Zeit die bleibt" (2005) und "Rückkehr ans Meer" (2009). Der Mittelteil seiner "Trilogie über die Trauer" läuft heute Abend auf Einsplus - und erfüllt eigentlich alle Kriterien dafür, dass ich einen Bogen um ihn machen sollte. Der nicht gerade sympathische Modefotograf Romain (Melvil Poupaud) ist gerade einmal 30 Jahre alt, als er die Diagnose Krebs bekommt. Aussicht auf Heilung: Nicht mehr als fünf Prozent. Romain verzichtet auf Medikamente. Sein Leben hat jetzt ein ganz konkretes Ablaufdatum.

Ein absolutes Horrorszenario, was (für mich) allerdings dadurch "gemildert" wird, dass Bilder des körperlichen Leidens und lange Aufenthalte in Krankenhausbetten ausbleiben. Ozon will nicht Romains körperliche Gebrechen, die der Krebs in ihm auslöst, zeigen, er zeigt den emotionalen Abschied eines Menschen vom Leben. Das ist harter Tobak, aber sehenswert. Ein stiller, nachdenklicher Film, der allerdings den richtigen Moment zum Ansehen braucht. Am besten aufnehmen und schauen, wenn es gefühlsmäßig passt.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"James Bond 007 - Der Morgen stirbt nie"
22.15 Uhr, ZDF


AGENTENFILM Irgendwie passend, dass der Mainzer Sender ausgerechnet jetzt den Bond zur Zeitungskrise ausstrahlt. Der zweite mit Brosnan gehört sicher nicht zu den besten der Reihe, ist aber durchaus unterhaltsam. Das Vertrauen in die Presse dürfte durch ihn aber sicher nicht wiederhergestellt werden. (bis 0.05)

"Sharknado"
22.20 Uhr, Kabel 1


HORROR-TRASH Manche Filme sind so schlecht, dass sie schon wieder gut sind. Einer dieser Filme ist "Sharknado". Was "Sharknado" von anderen Trashfilmen abhebt, sind der Humor und die schrägen Einfälle. Mancher B-Movie-Streifen scheitert daran, mehr sein zu wollen als stumpfsinnige Unterhaltung. Nicht so dieses Haigemetzel: Versuchen die Protagonisten anfangs noch, die Raubfische mit Baseballschlägern zu vertreiben, sind es am Ende Kettensägen und Bomben. Eine ausführliche Kritik lesen Sie hier. (bis 0.10)