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"Am Limit": Klettern gegen die Vernunft

Mit seinem Tour de France-Film "Höllentour" wurde Dokumentarfilmer Pepe Danquart bekannt. Nun ist er mit der Kamera zwei Extremkletterern gefolgt. Gesucht hat er nicht nur beeindruckende Bilder, sondern auch die Motivation der kletternden Brüder.

Oscar-Preisträger Pepe Danquart liebt die Extreme. Davon zeugt auch sein neuer Kinofilm "Am Limit", für den er die bayerischen Extrembergsteiger Alexander und Thomas Huber bei ihren lebensgefährlichen Expeditionen mit der Kamera begleitet hat. Im kalifornischen Yosemite Nationalpark und im südamerikanischen Landstrich Patagonien filmte er die "Huberbuam" aus Berchtesgaden, die zu den besten Extremkletterern der Welt gehören. "Es war nicht so leicht, Kameramänner für diesen Film zu finden", sagt Danquart, der dann aber doch noch ein Team aus erfahrenen Bergsteigern zusammenstellen konnte, die kein Problem damit hatten, mit voller Kameraausrüstung und Seil an einer 1000 Meter hohen steilen Granitwand zu hängen.

Die Mühe hat sich gelohnt: Mit beeindruckenden Bildern, Witz und Charme zieht der Dokumentarfilm die Zuschauer in ihren Bann, selbst wenn sie selbst noch nie einen Berg am nackten Fels erklommen haben. "Am Limit" allein auf seine faszinierenden Bilder und die sportlichen Aspekte zu begrenzen, wird dem Film indes nicht gerecht. "Ich wollte keinen Kletterfilm machen, der rein auf den Sport fokussiert ist, sondern einem Film, der die menschliche Seite der Huber-Brüder zeigt und Klettern als Metapher für das Leben nutzt", erklärt Danquart, der 1994 für den Kurzfilm "Schwarzfahrer" einen Oscar bekommen hatte. "Der Mensch ist das Wichtigste." Darin sieht der 52-Jährige auch die Parallele zu seinen beiden ersten Sportfilmen: "Heimspiel" (2000) über den Ostberliner Eishockey-Club "Die Eisbären" und dessen Fans sowie "Höllentour" (2004) über die ungeheuren Strapazen bei der Tour de France. "Am Limit" ist der Abschluss dieser Sporttrilogie.

Die Profisportler menschlich fassbar zu machen, gelingt Danquart. Zentral sind die Aussagen der Speed-Kletterer über ihre Beweggründe, immer neue Extreme anzustreben und dabei ihr Leben zu riskieren. Ein "Getriebener" zu sein und "etwas zu machen, das absolut gegen die Vernunft ist", bekennt etwa Alexander. Offen sprechen die Brüder im Film über ihre Ängste, über Konkurrenz und über Neid untereinander. Sehr intime Situationen erlebt der Zuschauer mit, wenn sie sich heftig streiten oder schwere Stürze verarbeiten müssen.

Neben Vielem, das nachdenklich stimmt, bietet der Film aber auch kurzweilige, komische Momente: Diese entstehen vor allem durch die urbayerische Mundart der "Huberbuam" und ihre häufig sehr trockenen Kommentare. Und damit der Film auch in nördlicheren Gefilden Deutschlands nichts von seinem Humor einbüßt, sind bereits Untertitel geplant.

Inga Radel/DPA / DPA