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"Avatar"-Star Sam Worthington: Ein Mann lässt die Frau raus

"Terminator", "Kampf der Titanen", "Avatar". Sam Worthington ist Hollywoods neuer Action-Megastar. Im Gespräch mit stern.de verrät der Australier, warum es sein Job war, weiblich zu sein, wie sich G-Strings anfühlen, und warum er all seinen Besitz verkauft hat.

Von Sophie Albers

Mister Worthington, sind Sie vorbereitet auf den Hollywoodstar-Wahnsinn?
Es hieß schon bei "Terminator", dass jetzt alle durchdrehen. Die Welt verändert sich, aber so lange du dich nicht änderst, ist es okay. Ich bin ein 33-jähriger Australier, ich verändere mich nicht mehr. Ich bin schon ich! (guckt ernst, fängt dann heftig an zu lachen) Nächstes Mal, wenn wir uns sehen, trage ich Glitzerklamotten, liege auf einem Bett aus Blütenblättern, und dann habe ich ein Problem, weil Sie mich an meine Worte erinnern werden...

Ist Ihnen das wirklich alles so egal?


Mir ist die Arbeit wichtig, nicht der ganze Scheiß.

Welcher Scheiß?


Das Getöse drumherum. Man kann wirklich leicht drauf reinfallen. Aber ich habe diesen Job, weil ich Filme machen und Geschichten erzählen will, damit Leute, die zwölf Dollar hinlegen, im Kino eine gute Zeit haben und sagen, "Hey, den Kerl will ich auch in was anderem sehen". Darum geht’s mir.

Ich denke, man verändert sich, weil man plötzlich nur noch von Menschen umgeben ist, die einem sagen, wie toll man ist.


Glauben Sie wirklich, ich glaube denen?

Woher soll ich das wissen?


Wenn ich noch in meinen Zwanzigern wäre, würde ich womöglich drauf reinfallen. Aber ich hatte eine Karriere in Australien. Ich komme ja nicht aus dem Nichts. Deshalb kommt der Mist auch nicht an mich ran. Wenn ich mich jetzt verändern würde, hätte ich Freunde, die mich auslachen würden. Ja, es gibt Leute, die mir erzählen, "Du bist cool, du bist dies, du bist das". Das ist nett, aber die kennen mich nicht. Die kennen vielleicht meine Filme, und dann ist es schmeichelnd, dass sie meine Arbeit mögen. Aber die kennen mich nicht als Person.

Mister Worthington, was ist ein Mann?
Das versuche ich selbst noch rauszufinden.

Über Ihren nächsten großen Film, "Kampf der Titanen", haben Sie gesagt: "Man kann in einer Toga nicht männlich aussehen".


Kann man doch. Ich habe das zu früh gesagt. Vor dem Dreh war ich ein bisschen naiv.

Und in "Avatar" kann man im G-String männlich aussehen...


(lacht lauter) Das war eine meiner Lieblingsstellen! Jake [Worthingtons Charakter, Anm.d.Red.] ist immer noch ein Mensch! Auch als Avatar nervt ihn das Ding. Wenn ich so was tragen müsste, ich würde es mir dauernd aus dem Hintern ziehen! Das ist doch wie Zahnseide.

Mit das stärkste Thema in "Avatar" ist Weiblichkeit. War das ein Problem für Sie? Haben Sie Ihre weibliche Seite gefunden?


Aus mir kommt schon einiges an Testosteron, aber es ist mein Job, meine Weiblichkeit zu finden. Bei Marcus in "Terminator" war es genauso. Du musst die Balance finden. Kerl zu sein, ist einfach, so wie wir aussehen und mit den ganzen Explosionen und Robotern, die uns jagen. Aber das reicht nicht. Eine gute männliche Filmfigur ist jemand, der dir das Gefühl gibt, dass er dich beschützen kann, den du aber auch beschützen willst. Und dazu musst du Sensibilität zulassen, Weiblichkeit. Und du darfst dich selbst nicht so Ernst nehmen. Mein Job ist es, die Balance zu finden. In James Camerons Filmen sind Frauen unglaublich stark. Das ist gut. Hey, ich habe eine Schwester, die mich vermöbelt, wenn sie will. Sie ist jünger als ich und stärker. Nicht nur körperlich. Und ich denke, man muss ein starker Mann sein, das zuzugeben.

Wie einschüchternd war es eigentlich, Cameron zu treffen?
Überhaupt nicht. Ich habe eine Lebensphase hinter mir, in der ich alles, was ich besaß, aufgegeben habe. Ich wurde 30 und habe mich gefragt, wo ich eigentlich stehe, auch als Mann. Wenn du dich selbst in die Situation bringst, nichts zu besitzen, kannst du nur gewinnen.

Was meinen Sie mit nichts?


Ich habe alles verkauft vom Toaster bis zum Auto, Messer, Gabeln, alles eben. Ich bin eines Tages aufgewacht und dachte, ich sollte mich nicht über das definieren, was ich besitze, weder vom Fernseher noch vom Toaster. Da kam echt viel zusammen, und irgendwann war ich an dem Punkt zu sagen: Alles Scheiße, weg damit und neu anfangen. Wenn du selbst noch mal von vorn anfängst, kann dir niemand sagen: Du bist dies und du bist das.

Hassen die PR-Leute in Hollywood Sie eigentlich? Sie kommen rein und sagen: "Das bin ich. Friss oder stirb." Das sind die doch nicht gewöhnt.


Hey, die arbeiten für mich, also kann ich sagen, was ich will. Soll ich ein Spiel spielen?

Tun doch viele.


Ja, aber das ist deren Sache.

Ich dachte immer, man kommt nicht weit, ohne die Spielchen.


Wenn du in einen Raum kommst, in dem James Cameron oder Steven Spielberg sitzen, glauben Sie, da kann man Spielchen spielen? Du sollst mit denen arbeiten. Dazu braucht es 100 Prozent Wahrheit und 100 Prozent du selbst. Du musst dich schließlich deren Arbeit opfern. Wenn du dann Spielchen spielst, lassen diese Typen dich bestimmt nicht in ihre Welt.