"Battlestar Galactica" Das 11.-September-Szenario


Der Science-Fiction-Klassiker "Kampfstern Galactica", in den 70ern die spektakulärste Serie im TV, ist unter Fans Kult. Die Neuversion setzt gekonnt auf aktuelle Themen wie Terrorismus und Religiosität - und Sex im Weltall.
Von Frauke Hansen

Es ist ein Szenario wie am 11. September: Urplötzlich werden die Menschen angegriffen, wissen weder von wem, noch warum. Wähnten sie sich in einem Moment in Sicherheit, prasseln im nächsten todbringende Bomben auf ihre Heimat nieder. Milliarden Menschen sterben. Nur eines ist den wenigen Überlebenden klar: "Von nun an stehen wir im Krieg".

Die Geschichte, die zu dem blitzartigen Angriff führte, ist Science Fiction pur: Einst spielten die Menschen Gott und kreierten intelligente Maschinen, um sich das Leben einfacher und angenehmer zu machen. Doch die so genannten Zylonen entwickelten ein Bewusstsein und beschlossen, ihre Schöpfer zu töten. Nach einem Jahrtausend des Blutvergießens unterzeichneten Humanoide und Maschinen einen Friedensvertrag und die Zylonen verließen die zwölf Kolonien, die Zivilisation der Menschen, um sich eine eigene Heimat zu suchen. Seit nunmehr 40 Jahren herrscht Frieden. Bis zu eben jenem Angriff aus heiterem Himmel. Die Zylonen, getrieben von tiefem religiösem Fundamentalismus, stören sich am moralischen Verfall der Menschen und holen zum ultimativen Gegenschlag aus.

Beste TV-Serie 2005

Ende der 70er schuf Glen A. Larson eine Science Fiction-Serie, die schnell zum Kult wurde: Obwohl "Kampfstern Galactica" nur eine einzige Staffel überlebte, konnte die Serie Millionen Fans gewinnen. Ein für damalige Verhältnisse großes Budget von einer Million Dollar pro Folge ermöglichte die spektakulärsten Trickszenen im TV. Immer wieder gab es Versuche, der Geschichte neues Leben einzuhauchen, doch ohne Erfolg. "Hier liegt ein schlummernder Riese. Er kam auf die Welt, erzählte ein großartiges Märchen, stolperte über Einschaltquoten und fiel in den Tiefschlaf", fasste Ronald D. Moore die Lethargie in Worte. Doch der Produzent und Drehbuchautor war mutig und schuf 2003 mit "Battlestar Galactica" (unter Fans liebevoll "BSG" genannt) eine Neuinterpretation des Stoffes. Sein Versuch war von Erfolg gekrönt - das renommierte Time-Magazin kürte "BSG" zur besten TV-Serie 2005.

In den 40 Jahren des Friedens waren die Zylonen nicht untätig und schufen zwölf Cyborg-Prototypen, die fatalerweise rein äußerlich von den Menschen nicht zu unterscheiden sind. Nur so ist es dem Zylon Nummer Sechs (Tricia Helfer) möglich, den Wissenschaftler Dr. Gaius Baltar (James Callis) dazu zu bringen, unwissentlich die computergestützte Verteidigungsmaschinerie der Menschen lahm zu legen. Ihr umwerfend gutes Aussehen und ihr Sexappeal kommen ihr dabei zur Hilfe. Es kommt, wie es kommen muss: In einem Nuklear-Blitzkrieg wird die Menschheit fast vollständig ausgelöscht, nur 50.000 Humanoide überleben den Angriff.

Die Legende von der "Erde"

Der museumsreife Kampfstern "Galactica", durch einen Zufall der Vernichtung entkommen, ist die letzte Hoffnung der Menschheit. Commander William Adama (Edward James Olmos) muss mit Hilfe seines Sohnes Lee "Apollo" Adama (Jamie Bamber), den unerschrockenen Pilotinnen Kara "Starbuck" Thrace (Katee Sackhoff), Sharon "Boomer" Valerii (Grace Park) und seiner Crew die neue Präsidentin Laura Roslin (Mary McDonell, "Der mit dem Wolf tanzt", "Independence Day") schützen. Was weit schwieriger erscheint: Er muss den Weg zu einer rettenden Legende finden - der "Erde".

"Battlestar Galactica" ist kein klassisches Remake, sondern laut Produzent Ronald D. Moore ein "Re-Imaginig". Die Grundzüge des Originals wurden übernommen, jedoch auf die heutige Zeit und vor allem den heutigen Zeitgeist übertragen. Wirkte die Original-Serie locker und leicht trashig, ist "BSG" erwachsener, düsterer und ernster. Themen wie Terrorismus, Bürgerrechte und religiöser Fundamentalismus sind nach dem 11. September aktueller denn je - selbst im Weltraum. Fans der alten "Galactica"-Serie werden wohl ein wenig damit zu kämpfen haben, dass aus den männlichen Haudegen "Starbuck" und "Boomer" zwei ebenso harte Frauen geworden sind.

Attacken, Peitschen und Sex im Weltall

Die erste Folge beginnt relativ verhalten, die Einführung der Charaktere nimmt viel Zeit in Anspruch. Doch die Geduld lohnt sich, dem Zuschauer offenbart sich eine erstaunlich intelligente und komplexe Geschichte. Wenn es auf das dynamische und rasante Finale zugeht, präsentiert "Battlestar Galactica" Science Fiction erster Güte. Die wissenschaftlich korrekten, weil nahezu geräuschlos ablaufenden Weltraumkämpfe sind für eine TV-Serie auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Durch die begleitende Trommel-Sequenz wird der Zuschauer regelrecht attackiert und aufgepeitscht. Schnelle Schnitte und eine unkonventionelle Kameraführung durch schnelle Zooms auf die Kampfszenen setzten die Sehgewohnheiten jedoch auf eine harte Probe.

Einen schauspielerischen Höhepunkt bildet das Duo Nummer Sechs/Dr. Baltar. Die Zylonin Nummer Sechs, gespielt vom kanadischen Ex-Model Tricia Helfer, wirkt wie eine Edelversion von Rock-Musikerin Courtney Love - verführerisch, sexy und leicht schlampig. James Callis als Dr. Baltar ist Nummer Sechs hemmungslos verfallen - was diese schamlos immer und überall ausnutzt. Sex im Weltraum ist vorprogrammiert, ebenso wie herrliche Szenen - denn weil die Zylonin nur in Dr. Baltars Fantasie existiert und niemand außer dem Wissenschaftler die Schöne sehen kann, ist die offensichtliche sexuelle Erregung des Verfallenen äußerst amüsant...

"Battlestar Galactica" ist nicht nur für Science-Fiction-Fans sehenswert. Auch Zuschauer, denen eine intelligente Story wichtig ist, kommen auf ihre Kosten. Das 11.-September-Szenario macht es möglich.

"Battlestar Galactica" startet am 1. Februar 2006 um 20.15 Uhr auf RTL 2 und läuft immer mittwochs um 20.15 Uhr


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