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"Bee Movie - Das Honigkomplott": Humorfreier B(ee)-Movie

In der Trickfilmkomödie "Bee Movie" von Jerry Seinfeld kommt die kleine Biene Barry einem großen Komplott auf die Schliche. Leider bleibt dabei der Humor auf der Strecke und macht den Film zum B-Movie.

Wenn Bienen nicht mehr sprichwörtlich bienenfleißig wären, sondern faul in der Sonne lägen - wie sähe dann die Welt aus? Die am 13. Dezember anlaufende Trickfilmkomödie "Bee Movie - Das Honigkomplott" beleuchtet das gespannte Verhältnis zwischen Biene, Blume und Mensch, und macht sich ein paar launige Gedanken über den Seelenzustand der gelb gestreiften Brummer. So ist Jungbiene Barry im Vergleich zur Biene Maja, die einst entspannt auf der Wiese herumsummte und nebenbei Blumen bestäubte, ein ziemlich kompliziertes Wesen. Nach Abschluss des Bienen-College' soll Barry sofort in die Honigproduktion und sich dort zu Tode schuften, wie ihm bei einer Führung durch die Bienenstock-Fabrik Honex freudestrahlend mitgeteilt wird.

Das finden alle anderen Bienen ganz toll, doch Barry hadert mit seinem Schicksal. Er möchte nicht bis zum Lebensende denselben Job machen und lieber was von der Welt sehen. So schließt er sich einer Fliegerstaffel der bewunderten Pollen-Crew an, die tagtäglich für Königin und Bienenstock ins Freie ausschwärmt und im New Yorker Central Park eine gefährliche Mission verrichtet. Nach allerlei Missgeschicken strandet Barry am Fenster der süßen Floristin Vanessa, die ihm das Leben rettet. Barry bricht sein Redeverbot gegenüber Menschen und beginnt mit Vanessa eine platonische Freundschaft. Dann sieht er Honiggläser im Supermarkt und deckt einen gigantischen Schwindel auf: Die Bienen, die glauben, dass sie den Honig für sich selbst produzieren, werden von den Menschen abgezockt. Mit Vanessas Hilfe zettelt Barry eine Revolution an und macht der Honigindustrie den Prozess. Das hat jedoch nicht nur für die Flora schlimme Folgen.

Bastian Pastewka synchronisiert Biene Barry

Der in den USA sehr populäre TV-Komiker Jerry Seinfeld hat für seinen ersten Kinofilm das Drehbuch geschrieben und die Sprecherrolle für Barry übernommen (synchronisiert von Bastian Pastewka). Das Resultat ist allerdings durchwachsen - nicht nur, weil Seinfelds Humor in Deutschland, wo seine Serie ebenfalls lief, nie richtig ankam. So stopft der Kabarettist, dessen Thema meist New Yorker Stadtneurotiker sind, auch seinen Kinofilm mit flotten medialen und ökonomischen Anspielungen voll, die zumindest kleine Zuschauer nicht verstehen werden. Zudem wirkt die Handlung überfrachtet und in die Länge gezogen. Anfangs dient das Getriebe im Bienenstock noch einer recht lustigen Persiflage: Die mit bonbonbunten, im Nierentisch-Schick der frühen 60er eingerichteten Waben mit ihren Honig-Swimmingpools verbinden die Segnungen des "American Way of Life" mit einem sozialistisch anmutenden, gleichgeschalteten Arbeiterparadies, das von heroischen Parolen berieselt wird, aber eine freie Presse hat. Doch schon Barrys absurde, flirtlustige Begegnungen mit Vanessa lassen einen am Kopfe kratzen und führen zur öden Minutenschinderei. Und die abschließende Öko-Moral ist so muffig wie Vollkornspaghetti.

Eher B-Movie anstatt Bee-Movie

Wenig prickelnd auch die sehr amerikanische Prozesshuberei, bei der als Zeuge unter anderen (Achtung, Witz!) Sänger Sting auftaucht. Zwar produziert die Komödie am laufenden Band Slapstick, visuelle Gags und Dialogwitze, wie etwa Barrys Begegnung auf einer Windschutzscheibe mit einem lässig babbelnden Moskito namens Elchblut, der sich auf seinen Alaska-Trip freut. Süß auch Barrys flauschiger, gelb-schwarz gestreifter Rollkragenpullover und seine Handy-Fühler. Doch verglichen mit "Ratatouille", dem Abräumer der Saison, aber auch mit Insektenfilmen wie "Antz" und "Das große Krabbeln" wirkt das Gebrumm tatsächlich wie ein "B-Movie", dem es an echter Komik und an Herz mangelt.

Birgit Roschy, AP / AP
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