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Zweite Staffel für Joko Winterscheidt "Wer stiehlt mir die Show?": Quizshow oder unorganisierter Kindergeburtstag?

Joko Winterscheidt moderiert Wer stiehlt mir die Show
Joko Winterscheidt startete am Dienstag mit der zweiten Staffel seiner Sendung "Wer stiehlt mir die Show?"
© Claudius Pflug / ProSieben
Was Neues muss her. Und es muss originell sein. Unbedingt. Auch mit der zweiten Staffel von "Wer stiehlt mir die Show?" präsentiert sich Joko Winterscheidt als Quizshow-Reformator. Dabei ist "Wer wird Millionär?" doch auch ganz schön.

Ich mochte "Wetten, dass..?" Trotzdem habe ich das Aus problemlos verkraftet. Ohne Thomas Gottschalk war die Show nur noch eine müde Veranstaltung. Nie hätte ich gedacht, dass ich mich nach der guten alten "Wetten, dass..?"-Zeit zurücksehnen würde. Meinetwegen sogar nach der arg holprigen Markus-Lanz-Ära. Was hätte ich am Dienstagabend gegeben für Lkw-Fahrer, die ihren 8,8-Tonner auf schweren Biergläsern abstellen oder getarnte "Titanic"-Redakteure, die Buntstiftfarben am Geschmack erkennen – selbst wenn's gemogelt ist. Warum das? Was war geschehen? Nichts weiter als: Ich habe den Start der zweiten Staffel von Joko Winterscheidts "Wer stiehlt mir die Show?" gesehen. Nicht mal ein Lockdown, ob mit, ob ohne Ausgangssperre, könnte mich dazu bringen, das nochmal zu tun.

Joko hat viele Fans. Und die mögen, was er macht. Und vielleicht ist das überhaupt die Voraussetzung, um die Show gut zu finden. Ich war nie ein Fan, kann also sein, dass es daran liegt. Dann wäre letztlich das Konzept egal. Doch ist es das wirklich? Und was will diese Show eigentlich? Sie basiert auf der Annahme, dass die gängigen Quizshows sich längst totgelaufen haben. Frage, Antwort, Frage, Antwort, Frage, Antwort, jeweils mit Antwortmöglichkeiten A, B, C, D – muss das wirklich sein?

Droht denn nicht auch einem Günther Jauch irgendwann, auf seinem Ratestuhl Schimmel anzusetzen? Und sind 64.000-Euro-Gewinne für den Anbau eines Wintergartens überhaupt noch zeitgemäß? Oder ist die Zeit nicht endlich reif für einen Quizshow-Reformator? Joko Winterscheidt jedenfalls scheint sich als einen solchen zu verstehen. 

Weg mit Quiztraditionen

Weg also mit den Quiztraditionen. Stattdessen gibt es unterschiedliche, insgesamt neun, Kategorien, in denen sich die Kandidaten beweisen müssen. Zum Warmwerden gibt es erstmal die "leichten" Fragen – ohne Antwortmöglichkeiten. Wer hier punkten will, muss beispielsweise wissen, wofür die Abkürzung TÜV steht oder wer im Herbst den deutschen Bundeskanzler/ die deutsche Bundeskanzlerin wählt. In der nächsten Runde gilt es, Songs zu erkennen, und das ausschließlich, indem die Instrumente genannt werden, die nacheinander zum Einsatz kommen. Bei "Nouvelle Visage" besteht die Aufgabe darin, die Ausschnitte von fünf Gesichtern in einem Bild jeweils einem Star zuzuordnen. Und in einer nächsten Kategorie sind die Buchstaben durcheinander geraten und müssen erstmal geordnet werden. Beispielsweise: "dei beeeefiklnnstü egilt in … die elfenbeinküste liegt in…"

Joko und Klaas machen auf Pflegenotstand aufmerksam

Das alles fühlte sich nach bemühter Originalität an. Und zugleich nach irgendetwas Zusammengebasteltem. Als wäre man bei einem Kindergeburtstag zu Gast, für das sich die Eltern nichts überlegt haben, sondern eine Stunde vor Beginn einfach im Internet nach irgendwelchen Kindergeburtstagsspielen gegoogelt haben, aber sich dann so geben als würden sie den besten Kindergeburtstag aller Zeiten feiern. Trotzdem hätte "Wer stiehlt mit die Show?" lustig werden können. Oder mindestens unterhaltsam. Wurde es aber nicht. Selbst ein Bastian Pastewka, auf den sonst immer Verlass ist, kam nicht auf die sonstige Betriebstemperatur. Shirin David saß da und wirkte sympathisch. Und Teddy Teclebrhan feixte mit Joko Winterscheidt als wären beide Pubertierende. Besonders bei der Frage "Welche Lebewesen kommunizieren durch Rundtanz und Schwänzeltanz miteinander?" (Antwort: Bienen) Hoho, Schwänzeltanz. Heißt das wirklich Schwänzeltanz? Ja, das heißt so. Schwänzeltanz, haha.

"Wer stiehlt mir die Show?": Joko Winterscheidt als Quizshow-Reformator

Die erste Staffel lief Anfang des Jahres. Im Schnitt holte sie 21,5 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 39-jährigen und 16,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Damals waren Thomas Gottschalk, Palina Rojinski und Elyas M'Barek die prominenten Gäste. Gemeinsam mit einem Teilnehmer aus dem Publikum spielten sie sechs Folgen lang darum, Joko die Show abzujagen und diese in der Folgewoche nach ihren eigenen Vorstellungen zu moderieren. Das gelang sowohl Thomas Gottschalk als auch Elyas M'Barek.

Dieses Mal blieb Joko vorerst fest im Moderationssattel sitzen. Die Zuschauerkandidatin Antonia, die, wie Joko sagte, "im Adlon gearbeitet hat und jetzt im Radio" schied schnell wieder aus dem Rennen aus. Pastewka hingegen schaffte es bis ins Finale, das von Katrin Bauerfeind moderiert wurde. Und verlor schließlich gegen den Moderationsplatz-Verteidiger. "Nächste Woche bin ich hier wieder Moderator", verkündete Joko daher triumphierend. Ich dachte nur: "Muss das sein?" Aber dann fiel mir ein, dass ich dann eh nicht mehr einschalten werde.

Nächste Woche läuft übrigens wieder eine neue Folge von "Wer wird Millionär?". Gut, dass es sowas noch gibt. Quizshows, die einfach nur Quizshows sein wollen.


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