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Martina Hill über "LOL" "Sich über Stunden zwingen zu müssen, nicht zu lachen – das ist unmenschlich"

Martina Hill
Martina Hill bei der Verleihung des 25. Deutschen Comedypreises
© Christoph Hardt / Picture Alliance
Auf Amazon Prime ist die zweite Staffel des Comedy-Formats "LOL: Last One Laughing" gestartet. Neu dabei ist Martina Hill. Mit dem stern sprach die 47-Jährige über die Show, ihre Karriereanfänge und Knallerfrauen im Jahr 2021.

Neben Anke Engelke und Bastian Pastewka sind Sie in der zweiten Staffel des Comedy-Formats "LOL" auf Amazon Prime ein Teil der Crew. Was ist für Sie das Besondere an der Hit-Show?

Ich glaube nicht, dass es schon mal eine Comedy-Sendung gab, in der so viele hochkarätige Comedians auf einmal aufeinandertreffen und dann auch noch für sechs Stunden gemeinsam in einen Raum gesperrt werden. Ist das überhaupt erlaubt?

Wer in diesem Format über die Gags und Sketche der Kolleginnen und Kollegen lacht, ist schnell raus…

Und sich selbst dazu über Stunden zwingen zu müssen, nicht zu lachen oder auch nur zu grinsen, das ist wirklich unmenschlich! Und genau das macht in meinen Augen auch den Reiz der Show aus. Als Zuschauerin und Zuschauer kannst du dich in die Situation der Kandidaten hineinversetzen, du kannst mitfiebern, mitfühlen, dich mitquälen, weil jeder aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer das ist. Jeder erinnert sich doch noch an dieses beklemmende Gefühl aus der Schulzeit, wenn der Lehrer damit droht, dass man gleich aus der Klasse fliegt, wenn man noch einmal lacht.

Eines Ihrer TV-Erfolgsformate heißt "Knallerfrauen". Was macht für Sie persönlich im Jahr 2021 eine Knallerfrau aus?

Für mich ist im Endeffekt jede Frau eine Knallerfrau. Jede hat ihr Päckchen zu tragen und das unter den unterschiedlichsten Voraussetzungen. Wer dabei täglich versucht, sein möglichst Bestes zu geben und es trotz aller Widrigkeiten schafft freundlich zu seinen Mitmenschen zu bleiben, ist für mich der Knaller. 

Hat die Emanzipation und Gleichberechtigung der Frauen durch die Corona-Krise einen Rückschlag erhalten? Stichworte: Homeschooling, Homeoffice etc.

Es wäre ja schön, wenn es vor Corona schon eine Gleichberechtigung gegeben hätte. Aber das ist ja leider nicht der Fall. Die Corona-Krise ist für alle eine Belastung. Aber für Familien mit Kita- oder Schulkindern eben ganz besonders. Die Betreuung der Kinder übernimmt in der Regel das Elternteil, das weniger verdient. Es ist eher ein Schritt zurück in alte Rollenklischees, als in moderne gleichberechtigte Familien-Modelle. 

Ganz besonders schwer ist es für Alleinerziehende!

Genau, und davon sind nun mal mehr als 80 Prozent in Deutschland Frauen. Wenn dann plötzlich Kita und Schule dichtmachen, wird das zu einer großen Herausforderung, weil auch nicht immer Homeoffice möglich ist. Und selbst dann wird es oft zum Spagat.

Sie wussten lange Zeit nicht, was Sie beruflich machen wollten und haben erst mit Mitte Zwanzig begonnen.

An einer Privatschule, genau. Weil die damals nicht vier, sondern nur zwei Jahre dauerte. Diese Abkürzung war einerseits von großem Vorteil, anderseits war die Ausbildung so teuer, dass ich wieder zu Hause in mein altes Kinderzimmer einziehen musste: Tagsüber Schule, nachts hinterm Tresen, morgens Gespräche mit Mutti. 

Wie hat sich das angefühlt?

Erstmal wie ein Rückfall! Da stehst du grad auf eigenen Beinen, bist stolz wie Bolle auf die erste eigene Wohnung, und dann hörst du dich plötzlich wieder Sätze sagen wie: "Was gibt es denn heute zum Mittag?" oder "Wartet nicht auf mich, es wird heute spät!" Hilfe! Im Nachhinein war die Zeit aber ein Geschenk: Ich konnte mit meinen Eltern ein paar noch nicht aufgearbeitete familiäre Dinge klären und die Sozialstudien, die ich die Jahre als Kellnerin führen konnte, helfen mir heute noch bei meiner Arbeit. 

Sie gehen langsam auf die 50 zu und sehen toll aus!

Oh, vielen Dank!  Natürlich schaue ich manchmal in den Spiegel und denke: Och nö…, da mach ich heute nicht mit! Aber generell fühle ich mich nicht wie 47. Ich fühle überhaupt keine Zahl. Ich glaub, ich habe schon mit ungefähr 35 aufgehört, irgendein Alter zu fühlen. Ich vergesse ständig, wie alt ich bin. Ich möchte mein Lebensgefühl und meine geistige Beweglichkeit auch nicht an einer Zahl festmachen.  

Weil das Alter eben nur eine Zahl ist?

Physisch gibt es am Altern nichts dran zu rütteln. Genauso wenig, wie an der Schwerkraft. Mein Körper ist 47 Jahre alt. Das ist nun mal Fakt! Aber es bleibt trotzdem auch immer eine Sache der inneren Einstellung. Und die hat sich bei mir über die Jahre definitiv verändert. Als Teenager dachte ich, dass man mit 50 uralt ist. Heute nicht mehr. 

Was genießen Sie am reifer werden?

Alles! Ich möchte nicht einen Tag jünger sein und schon gar nicht noch einmal 35 oder gar 25.

Und warum nicht? Mitte 30 ist doch ein tolles Alter.

Na klar war das toll. Ich möchte diese Zeit auch nicht missen. Aber die Frau, die ich damals war, hat so gar nichts mehr mit der Martina zu tun, die ich heute bin.

Können Sie uns die gravierendsten Unterschiede zwischen der heutigen und der jüngeren Martina Hill nennen?

Früher war ich eine Feder im Wind. Heut weiß ich, was ich will und was ich nicht will. Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, viel mehr auf mich zu hören, besser mit mir umzugehen und mir nicht alles zu sehr zu Herzen zu nehmen. 

Glauben Sie an Schicksal oder Vorhersehung?

Ich glaube, dass alles miteinander zusammenhängt und nichts auf der Welt einfach nur so passiert.

Auch deshalb, weil Sie entsprechende Erfahrungen gemacht haben?

Ja. Ich habe zum Beispiel ewig gebraucht, bis ich wusste, was ich beruflich machen will. Aber als ich endlich Klarheit hatte, ergaben sich plötzlich Begegnungen und Dinge in meinem Leben, die mich meinem Ziel immer ein Stückchen näherbrachten. Es war zwar ein langer Weg und zeitweise hatte ich Zweifel, aber ich war fleißig und dank glücklicher Zufälle fügte sich am Ende alles. Das erkenne ich natürlich erst jetzt und mit viel Abstand. 

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Und wenn Sie doch mal wieder Zweifel einholen?

Dann kann ich mich gut auf diese Zeit besinnen und mir sagen: Martina, mach dir einfach keinen Kopf! Alles im Leben braucht seine Zeit. Und selbst wenn ich jetzt noch nicht sehe und es sich noch überhaupt nicht danach anfühlt: Es hat alles seinen Sinn und es wird sich alles zum Guten wenden!

Was ist für Sie der Schlüssel für ein zufriedenes und glückliches Leben?

Jeder einzelne Tag bringt gleich viel mehr Freude und Leichtigkeit mit sich, wenn wir uns so wenig Sorgen wie möglich machen. Ich habe mal gelesen, dass laut Studien mehr als 80 Prozent aller Sorgen, die wir Menschen uns machen, total unbegründet sind. Wir vergeuden zu viel wertvolle Energie und kostbare Zeit, wenn wir uns ständig Sorgen über das unbeschriebene Blatt unserer Zukunft machen. 

Interview: Alexander Nebe

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