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"Burn after Reading": Nieder mit Clooney und Pitt

"Wer mit uns im Fahrstuhl hochfährt, fährt auch wieder mit uns runter", lautet eine eiserne Regel der Klatschpresse. George Clooney und Brad Pitt fahren schon viel zu lange nach oben. Auch der neue Film "Burn after Reading" wird daran nichts ändern. Wühlen wir also im Dreck - auch wenn es schwerfällt.

Von Sophie Albers

Es gibt Menschen, denen kann man nicht böse sein, egal, wie bescheuert sie sich auch verhalten. Da funktioniert nicht mal das übliche Neidkonzept, ob sie nun Millionen scheffeln, die schönsten Frauen am Arm tragen oder das dickste Auto fahren. Nein, nichts, keinerlei Stechen im Missgunstknoten.

Dabei geben sich die Hollywoodstars Brad Pitt und George Clooney derzeit wirklich Mühe, ihr strahlendes Image zu beschmieren: Während Pitt als dauergrinsender Volltrottel Muskeln dehnt, gibt Clooney den testosteron-dämlichen Sex-Maniac, der nicht mal mitkriegt, was für ein jämmerlicher Wurm er ist. Wir lauschen nach... Schadenfreude? Gehässigkeit? Nein, denn Clooney und Pitt machen das ja freiwillig. Sie sind sogar stolz darauf, mit den Coen-Brothers zu arbeiten, den Regisseuren, die nach "No Country for old Men", der hypnotischen Meditation über das Leben, in "Burn after Reading" dem Unsinn ein großes Fest bereiten.

Pitt spielt den Fitnesscenter-Angestellten Chad, der einer Kollegin helfen will, die sich mehrere Schönheitsoperationen wünscht. Dazu braucht sie Geld, und als die Beiden im Umkleideraum eine CD mit seltsamen Daten finden, glauben sie sich mitten im Spionageskandal. Also versuchen sie daraus Geld zu pressen. So weit, so wirr, und Pitts Job besteht hauptsächlich darin, Kaugummi zu kauen und sein Vokabular von ungefähr 100 Wörtern zu stammeln.

Clooney kommt ins Spiel, weil besagte Fitnesscenter-Kollegin auf Männerfang ist - deshalb auch das angestrebte Tuning. Er antwortet auf ihr Internet-Geflirte und geht mit ihr ins Bett. In diesem Film gehen überhaupt sehr viele Menschen miteinander ins Bett, allerdings bedeutet es rein gar nichts. So wie die ganze Geschichte eigentlich ausschließlich die große Nichtigkeit beschwört. Das mit aller Leidenschaft, wenn auch in Coen'scher Manier ein bisschen zu perfekt.

Politischer Sixpack

Aber wir wollten ja über Clooney und Pitt herziehen: Was sind das für langweilige Supermänner! Über ihren Job kriegen wir sie nicht dran. Keiner von beiden hat je einen Film verbockt. Clooney nimmt man nicht mal seinen Auftritt in "Die Rückkehr der Killertomaten" übel. Clooney, das steht für den Traummann in "Emergency Room" und "Ocean's Eleven", die coole Sau in "From Dusk till Dawn" und den ernstzunehmenden Künstler in "Good Night and Good Luck" und "Syriana".

Zwar wird Pitt meist mit seinem perfekten Sixpack und leicht geöffneten, sinnlichen Lippen wie in "Rendevouz mit Joe Black" oder "Troja" assoziiert. Doch mit Filmen wie "Twelve Monkeys", "Fightclub" und "Babel" hat auch dieser Mann alle Zweifel an seinem Talent ausgeräumt. Und natürlich haben beide eigene Produktionsfirmen, mit denen sie sich um das Indie-Kino kümmern. Auch das noch.

Und damit nicht genug: Beide sehen blendend aus und verteilen sich auf die Fangruppen Kumpel und Gentleman. Während Pitt seinen jungenhaften Charme versprüht und das Kunststück vollbringt, mit Babyface in Würde zu altern, hat Clooney das Glück, zu der Sorte Mann zu gehören, die einen auf Rotwein macht: Jedes weitere Jahr stählt die Schönheit. Eigentlich ausreichend Gründe, sie als arrogante Schönlinge zu hassen.

Problem ist nur, dass sie über das eigene Aussehen lachen. Wenn man Pitt persönlich trifft, sitzt er in abgerockten Klamotten da und erzählt versaute Witze. Clooney hat es sowieso schon zur Routine gemacht, über seine zweifache Auszeichnung als "Sexiest Man Alive" zu spotten. Man kann ihnen immerhin vorwerfen, dass es deutlich einfacher ist, über Reichtum zu lachen, wenn man selbst im Geld schwimmt.

Kommen wir endlich zum Dreck: Ein hartnäckiges Gerücht, das Clooney auf die Rolltreppe abwärts schicken soll, lautet "Clooney ist schwul". Keine seiner Beziehungen hat gehalten, er hängt am liebsten mit Männern rum, er sieht zu gut aus, er hat in "South Park" einen schwulen Hund gespielt, und sein Batman war ja wohl auch vom anderen Ufer. Tja, nennen wir es Verzweiflungsgerücht, denn ganz ehrlich: Der Mann hat 18 Jahre lang mit einem Schwein zusammengelebt, und es hat seiner Sexiness keinen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil: Weibliche Fans haben mit ihrem George getrauert, als das 130 Kilogramm schwere Hängebauchschwein Max im Dezember 2006 nach langer Krankheit starb.

"Er war ein Teil meiner Familie", sagte Clooney - und alle wollten ihn trösten. Der Mann steht längst über den sexuellen Ausrichtungen. Das sieht er selbst auch so: Er hat Wetten laufen, dass er weder heiraten noch Kinder haben werde. Und mit wem? Mit Hollywood-Traumfrauen wie Julia Roberts und Nicole Kidman.

Alles Gute

Die üblichen Vorwürfe, dass er in seiner Villa am Comer See zu laute Partys feiert, Frauen verlässt, ein Alkoholproblem hat und keine Paparazzi mag, sind zu blöd, um überhaupt damit anzufangen. Vor allem, wenn man das Youtube-Video gesehen hat, in dem er, nachdem ein Paparazzo ihn mit dem Auto gejagt hat, vom Motorrad steigt, zu dem Mann hingeht und ihm freundlich und bestimmt erklärt, wie gefährlich das ist. Wir winken Clooney auf seinem weiteren Weg nach oben zu und wünschen ihm alles Gute.

Oh, wie konnten wir nur sein soziales Engagement vergessen: Nicht nur, dass er nie mit seiner Meinung über die Bush-Regierung hinterm Berg hält, er setzt sich auch heftig für die Unterstützung der Menschen in Dafur ein. Ob er in die Politik gehen will? "Nein, ich habe mit zu vielen Frauen geschlafen, zu viele Drogen genommen und zu viele Partys gefeiert." Die Selbstdenunziationsnummer funktioniert immer. Blöder Teflon-Mistkerl!

Immerhin, wenigstens Brad Pitt hat ein bisschen Dreck am Stecken. Auch er spricht für die Vereinten Nationen, unterstützt die Forschung gegen Aids, stellt sich neben Clooney, wenn es um die Verurteilung von Völkermord geht, doch immerhin: Er hat eine Frau kaputt gemacht: seine Ex-Gattin Jennifer Aniston.

Die Gerüchte, Bilder und Geschichten sind bekannt: Nach fünf Jahren Ehe verknallt sich Pitt am Set von "Mr.& Mrs. Smith" in Angelina Jolie, beide dementieren heftig, zwei Monate nach Pitts Scheidung adoptieren sie in Äthiopien gemeinsam ein Kind. Ihrem Exmann fehle "der Chip für Sensitivität", hat Aniston sich damals zitieren lassen. Ja, es war eine ziemlich miese Nummer. Andererseits gibt es wohl kaum einen Mann auf diesem Planeten, der Pitt nicht verstehen würde.

Seitdem sind noch vier Kinder dazu gekommen, und das Powerpärchen zieht gutmenschelnd durch die Welt, um die Kameras, die ihnen auf Schritt und Tritt folgen, in die verkommensten Ecken zu lotsen. Allerdings, und das ist ein unschöner Vorwurf, kommt es auch vor, dass Pitt nicht mal mehr weiß, in welchem Land er gerade für das Gute kämpft.

Zusammen im Fahrstuhl

Auch die durchgedrehten Millionensummen für die ersten Bilder der leiblichen Kinder mit Jolie hinterlassen ein ungutes Gefühl, auch wenn das Geld angeblich gespendet wurde. Pitt und Jolie sind auf einem seltsamen Weg. Zugucken tun trotzdem alle immer wieder gerne.

Reicht das für die Fahrt nach unten? Für das Zertrampeln des Ruhms der vergangenen Jahrzehnte? Das Abschreiben und Verklappen auf der Müllkippe des Showbiz? Hat der Mann Kinder missbraucht, jemanden lächelnd zum Krüppel gefahren, Spendengeld veruntreut oder sonst irgendwie Menschenverachtung gezeigt? Nein, hat er nicht. Dafür, dass er Brad Pitt ist und in der Welt ungefähr so bekannt wie Jesus, hat er sich eigentlich sogar ganz gut gehalten. Und wenn er sagt "Es gibt mir Frieden zu wissen, dass ich nur ein Leben habe und dass ich dafür verantwortlich bin", dann kann man sich noch so bemühen, darin nichts als berechnendes PR-Geschwalle zu hören. Tut mir leid, der Typ darf auch weiter nach oben fahren.

Das Schlimmste kommt übrigens erst noch: Clooney und Pitt fahren seit ein paar Jahren nämlich gemeinsam Fahrstuhl. Am Set von Steven Soderberghs "Ocean's Eleven" lernten sie sich vor sieben Jahren kennen und schätzen. Seitdem haben sie zusammen jede Menge Spaß. Und wenn sie gute Laune haben, dürfen wir zugucken, wie zum Beispiel gerade in "Burn after Reading". Denn hey, das sind doch nur Schauspieler.

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