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"Contagion" neu im Kino: Winselnd in den Untergang

Ein Virus zerstört zuerst eine Familie, dann bedroht es die ganze Welt. Steven Soderbergh hat sich im Katastrophenfilm versucht. Herausgekommen ist eine etwas andere Sicht auf das mögliche Ende der Welt.

Von Sophie Albers

Es gibt Filme, die brauchen andere Filme, um richtig gut zu funktionieren. "Contagion" (Die Seuche) ist einer davon. Mit seinem neuen Werk hat sich Regisseur Steven Soderbergh ("Erin Brockovich", "Ocean's Eleven") das klassische Thema Pandemie vorgenommen: Ein Virus kommt in die Welt, macht krank, tötet, und die Menschen müssen so schnell wie möglich die Ursache finden - oder aussterben. Siehe "Outbreak", "Twelve Monkeys" oder "28 Days". Doch macht "Contagion" es eben anders als die anderen.

Eine Frau fühlt sich nicht wohl, innerhalb kurzer Zeit geht es ihr sehr schlecht - bis sie stirbt. So auch ihr Sohn und fast alle Menschen, die mit ihnen zu tun hatten. Dann passiert es überall auf der Welt: Menschen werden krank, sterben, die Symptome ähneln sich. Konstant und mit aller Macht breitet sich das Virus aus, während Gesundheitsorganisationen und Experten auf der Suche nach dem Ursprung herumrirren und herumstochern, ohne wirklich weiter zu kommen. Das klingt ein bisschen nach HN51 oder auch Ehec, wenn auch in anderer Dimension. Ganz wie im richtigen Leben kommt der Film ohne große Schockeffekte aus. Es passiert einfach.

Armin Rohde ist auch dabei

Doch entwickelt "Contagion" von Anfang an einen Sog. Gerade die Alltäglichkeit macht die Bilder zuweilen gespenstisch.

Zuerst ist da die Hoffnung, dass es schnell vorbei geht, am eigenen Leben vorbeizieht. Warnende Stimmen werden belächelt. Als sich die Situation verschlimmert, kommt Panik auf. Und während die einen nach Lösung und Erlösung suchen, fangen die anderen an zu plündern. Die so dünne Schicht zwischen Zivilisation und Barbarei wird immer häufiger durchstoßen. Das geht verdammt schnell, scheint aber alles eine logische Folge unseres Lebens, das wir kennen und führen. Da ist Soderbergh nah dran an den wahren Gefühlen.

Ein ebenso effektives Werkzeug zur Spiegelung unserer Ängste sind die bekannten Gesichter, die der Regisseur gefunden hat. Die Mitarbeiterin der Seuchenbekämpfung, die so effektiv und rational wie möglich mit der Katastrophe umgehen will, sieht aus wie eine abgekämpfte Kate Winslet, die erste Tote wie Gwyneth Paltrow. Oscar-Gewinnerin Marion Cottillard sucht nach dem Virus, und auch der deutsche Schauspieler Armin Rohde. Wie das Virus selbst hat fast jedes Land einen Andockpunkt zum Wiedererkennen. Und der vertraute Blick lässt den Schrecken ein weiteres Stück wachsen. Es kann überall passieren, es geht uns alle an. Und die entscheidende Frage ist. Treibt uns die Bedrohung auseinander oder führt sie uns zusammen?

Mit einem Winseln

Ohne zuviel zu verraten, kann man über "Contagion" abschließend sagen, dass Soderbergh seinen TS Eliot gelesen hat: "So wird die Welt untergehen/ nicht mit einem Knall, sondern mit einem Winseln", schrieb der Dichter in "The Hollow Men".

Und wir stehen daneben und schauen staunend zu.