"Der Goldene Kompass" Der Stoff, aus dem die Albträume sind

Statt mit schönen Frauen schmückt sich Bond-Darsteller Daniel Craig in "Der Goldene Kompass" mit einer Raubkatze. Nicole Kidman wird stets von einem Pavian begleitet. In dem Animations-Spektakel von Regisseur Chris Weitz haben Menschen Tiere als Seelenverwandte.

Auch wenn der Film etwas überladen wirkt, verspricht er zur Weihnachtszeit die Kinokassen zu füllen. Nach der Vorlage von Philip Pullmans Romantrilogie "His Dark Materials" erzählt Weitz ("About A Boy") die Geschichte von einem Mädchen, das auserkoren ist, die Welt von einer bösen Macht zu befreien. Im Mittelpunkt steht die zwölf Jahre alte Lyra (Dakota Blue Richards), in deren Welt merkwürdige Dinge passieren: Ihr Onkel Lord Asriel (Craig) soll umgebracht werden, Kinder verschwinden und die Erwachsenen sprechen von Expeditionen in den hohen Norden und geheimnisvollem "Staub". Zudem herrscht ein Regime, das Gedanken kontrollieren will.

Lyra macht sich auf, um dem Mysterium auf die Spur zu kommen - selbstverständlich nicht unbeobachtet. Die eiskalte blonde Forscherin Marisa Coulter (Kidman) hegt ein ungutes Interesse an dem Mädchen und dessen Reiseutensil: Einem goldenen Kompass, der nicht die Richtung sondern die Wahrheit weist.

Kidman ist wie für die Rolle geschaffen. Die Oscarpreisträgerin ("The Hours") bringt den Zwiespalt, in dem sich Coulter befindet, großartig auf die Leinwand. "Sie liebt sich selbst und hasst sich gleichzeitig. Es war eine Herausforderung, das zu spielen", erklärt Kidman. Auch die Hauptdarstellerin, die 13-jährige Britin Dakota, überzeugt in der Rolle, für die mehr als 10.000 Mädchen vorsprachen.

Schauspieler im Schatten der Spezialeffekte

Doch die tolle Besetzung wird von den Spezialeffekten überstrahlt - in dem Drama scheint weniger die Leistung der Schauspieler als die der Crew am Computer zu zählen. Mit einem Millionenbudget im Rücken schafft es das Produktionsstudio New Line Cinema, das schon die Trilogie "Herr der Ringe" aufpeppte, dem Zuschauer mit Animationskünsten den Atem zu rauben. Doch getreu dem Motto immer mehr und immer tollere Effekte bleibt die eigentliche Geschichte etwas auf der Strecke. Zu viele Nebenschauplätze verwirren vor allem all jene Zuschauer, die Pullmans Romane nicht gelesen haben.

So möchte man eigentlich mehr über die tierischen Begleiter erfahren, die die Seele der Menschen darstellen sollen. Doch eilt der Film weiter zu den Abenteuern, die Lyra mit einer wohlgesinnten Gruppe von Meereszigeunern, Eisbären und Hexen (darunter Bond-Kollegin Eva Green) bestehen muss. Craigs Rolle, der auf geheimnisvoller Mission durch verschneite Berglandschaften stapft, bleibt vorerst ein Rätsel. Und die Forschungsstation, auf die die entführten Kinder gebracht und von ihren Seelenverwandten getrennt werden, ist eigentlich nicht nur der Stoff aus dem Kinderalbträume sind, sondern wäre auch in dem Film eine nähere Betrachtung wert.

Doch wie es bei Verfilmungen epischer Fantasy-Werke so oft der Fall ist, musste gekürzt werden. Deshalb - und vermutlich um keinen Sturm der Entrüstung auszulösen - fielen auch Passagen aus Pullmans Trilogie heraus, die von Kritikern als antireligiös bezeichnet wurden. "Der Goldene Kompass" liefert dennoch vor allem für alle Fans von "Harry Potter" und "Herr der Ringe" die Steilvorlage für einen zweiten und dritten Filmteil, in denen so manches Rätsel aufgeklärt werden kann.

Annette Reuther/DPA DPA

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