"Der Himmel von Hollywood" Bieder in Beverly Hills


Sönke Wortmanns Verfilmung des Bestsellers von Leon de Winter entstand schon vor seinem Erfolgsfilm "Das Wunder von Bern": Doch erst jetzt kommt "Der Himmel von Hollywood" in die deutschen Kinos.

Recht vollmundig kündigten vor drei Jahren der niederländische Bestsellerautor Leon de Winter und der deutsche Regisseur Sönke Wortmann einen gemeinsamen Film an: "Der Himmel von Hollywood" war gedacht als Ausdruck einer selbstbewussten europäischen Filmindustrie, die sich traut, einen despektierlichen Blick auf den Dreck hinter den Kulissen der Hollywood-Konkurrenz zu werfen. Doch dass die Krimikomödie es nach drei Jahren Schlummerns im Giftschrank des Verleihs noch ins hiesige Kino schafft, ist wohl nur Wortmanns Comeback mit "Das Wunder von Bern" zu verdanken.

Denn gezittert haben sie wohl kaum in Hollywood angesichts dieser Komödie, die in geradezu heiliger Einfalt mit Burt Reynolds, Rod Steiger - der nach den Dreharbeiten starb - und Tom Berenger drei schon etwas angegilbte Stars vor der Kamera versammelte. Denn sie spielen nicht nur angegilbte Stars, sondern Männer, die fast schon zum Bodensatz der Traumfabrik gehören: Der stiernackige Floyd ist Installateur und bekam seinen Job nur wegen seiner einstigen Prominenz; der smarte Actionheld Kage ist zum Alkoholiker geworden, und der einstige Nachwuchsstar Tom gerade aus dem Knast entlassen.

Polizisten mit falschen Bärten

Sie lernen sich auf einer Beerdigung kennen, bewundern und bemitleiden sich gegenseitig. Und nach einem Besäufnis und dem Fund einer Leiche hecken sie einen raffinierten Plan aus. Denn Floyd erkennt in der Leiche einen der Gangster, in deren Villa er eine Alarmanlage installierte. Der Tote wird erstmal auf Eis gelegt, und beim Abhören der Villa kommen die drei einem millionenschweren Diebstahl auf die Spur. Die Beute wollen sie ihrerseits den Gangstern abjagen, indem sie sich als rabiate Polizisten verkleiden - samt falscher Bärte und allen erlernten Theatertricks.

Beim Austüfteln ihres Coups kommt noch eine alte Bekannte mit ins Spiel, die nun, augenscheinlich schwanger, in einem Casino in Las Vegas arbeitet: An der Stimme erkennt Tom seine Ex-Geliebte, die einst verzweifelt versuchte, ein "Der Himmel von Hollywood" betiteltes Drehbuch zu verkaufen. Und die - man ahnt es - nun jenes Manuskript in die Realität umsetzen will.

Dröge Regie

Diesen verschachtelten Plot wiederum hat Co-Produzent Leon De Winter ersonnen, der seinen eigenen Bestseller zu einem Drehbuch umschrieb. Die roten Fäden dieses literarisch um die Ecke gedachten Romans mit seinen intelligenten Überschneidungen von Realität und Fiktion, seinen melancholischen Überlegungen zu Ruhm und Absturz ins Vergessen, werden in der Komödie zumindest aufgedröselt und nachvollziehbar ins Bild gesetzt. Überhaupt schien der Stoff wunderbar geeignet für eine bitter-süße Insider-Komödie über Hollywoods Schattenseiten, die Leon De Winter auf langen Aufenthalten recherchierte.

Als gutes "Material" erweisen sich auch die Hauptdarsteller, obwohl man erschrickt über Burt Reynolds maskenhaftes Gesicht, das anscheinend mehrere Schönheitsoperationen hinter sich hat. Doch nach einem vielversprechenden Auftakt, in dem ein Wechselspiel von Film und Film-im-Film, Wahrheit und Lüge für Spannung sorgt, kommt die Geschichte erst am Ende wieder in Fahrt.

Depression statt schwarzer Humor

Sönke Wortmann vertrödelt die Pointen und selbstironischen Anspielungen, kann mit seinen Darstellern nichts anfangen, fabriziert Depression statt schwarzen Humor. Was einen ähnlich ausgefuchsten Spaß verhieß wie etwa die Hollywood-Krimikomödie "Schnappt Shorty", erreicht höchstens die Attraktivität eines "Kleinen Fernsehspiels". Aber vielleicht hat Hollywood ja ein Einsehen und dreht ein Remake, mit einem anderen Regisseur.

Birgit Roschy, AP AP

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