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"Der Teufel trägt Prada": Angstschweiß unter Parfümschwaden

Miranda Priestly ist die gefürchtete Machthaberin in der glitzernden Modewelt New Yorks. Mit ihren Launen versetzt sie ihre Mitarbeiter in Angst und Schrecken. Doch Mirandas neue Assistentin Andy lässt sich nicht so leicht einschüchtern.

Mode ist Glanz und Glamour, aber letztlich ist auch Mode nur ein Geschäft. Und wie unbarmherzig es zugeht in der Welt der Luxustextilien und Hochglanzmagazine, das zeigt auf höchst unterhaltsame Weise der US-Überraschungshit "Der Teufel trägt Prada". Zu bewundern ist dann der furiose Auftritt einer außergewöhnlichen Schauspielerin, die in reiferen Jahren immer besser wird: Meryl Streep spielt die mächtigste Frau in der Modewelt New Yorks. Wie sie diese Miranda Priestlys, so der Filmname der Hauptfigur, verkörpert, ist ein Ereignis, das Streep ganz sicher eine weitere Oscar-Nominierung und vielleicht auch eine weitere Auszeichnung sichern wird. Denn diese Miranda ist eine Mittfünfzigerin, die mit Ehrgeiz und Ellenbogen ihren Platz unter der Karrieresonne erobert hat und diesen nun mit allen Mitteln auch verteidigt.

In der Branche gefürchtet und bewundert, ist sie der Schrecken all ihrer Mitarbeiter. Und ausgerechnet bei diesem Biest soll die naive junge College-Absolventin Andy Sachs eine Stelle als persönliche Assistentin annehmen? Andys Vorstellung ist ein Desaster, doch das Wunder geschieht: Miranda entscheidet sich für die junge Frau, obwohl deren Kleidung und Benehmen in die Modewelt passen wie der berühmte Elefant im Porzellanladen. Doch die Karrierefrau erkennt mit sicherem Instinkt bei Andy eisernes Durchhaltevermögen und Talent für Flexibilität. Letzteres stellt Andy bei ihrer wundersamen Verwandlung von einem unauffällig-hübschen Mädchen in eine perfekt modisch gekleidete strahlende Schönheit unter Beweis. Und sie versteht es auch, mit der unberechenbaren Launenhaftigkeit Mirandas umzugehen, ohne daran zu zerbrechen.

Bestens geeignet für die erwachsene Kinobesucher

Da ergeht es deren Chefassistentin Emily schon viel schlechter. Denn die hat sich Miranda und der Scheinwelt der Hochglanzmagazine auch seelisch völlig ausgeliefert. Natürlich gerät auch Andy in große Gefahr, das gleiche traurige Schicksal zu erfahren. Und noch dazu muss sie sich der Versuchung erwehren, wegen eines charmanten Schürzenjägers ihren netten Freund zu verlieren. Bei einer Paris-Reise entscheidet sich ihr weiterer Weg. Doch so viel sei verraten: Andy entscheidet sich richtig. Miranda jedoch wird nach einer kurzen privaten Krise, in der sie in der bewegendsten Szene dieser recht bösen Komödie in jeder Weise ihr ungeschminktes Gesicht zeigt, weitermachen wie immer.

Regisseur David Frankel hat lange Jahre die erfolgreiche TV-Serie "Sex and the City" inszeniert, er kennt sich also aus in Sachen Schein und Sein. Mit "Der Teufel trägt Prada" ist Frankel erstmals ein ganz großer Kinohit gelungen, der auch in Deutschland viele Zuschauer haben dürfte und gerade die erwachsene Besuchergruppe sehr ansprechen wird. Allein die Leistung von Meryl Streep ist das Eintrittsgeld wert. Aber auch Anne Hathaway als Andy und Stanley Tucci als Mirandas feinsinnig-schwuler Mitarbeiter Nigel sind sehenswert. Ganz besonders gilt das übrigens auch für die Engländerin Emily Blunt als bedauernswerte Chefassistentin. Von dieser Schauspielerin kann man noch einiges erwarten.

Reifere weibliche Hollywood-Stars beklagen sich oft über mangelnde oder unzumutbare Rollenangebote. Diese Probleme hat Oscar-Gewinnerin Streep offenbar nicht - "Der Teufel trägt Prada" zeigt eindrucksvoll, warum das so ist. Gewiss ist die Modewelt New Yorks kein weltbewegender Bereich, und die kleinen oder größeren Dramen dort berühren unser Leben überhaupt nicht. Aber gleichwohl schaut man 109 kurzweilige Kinominuten doch dem Treiben von Miranda, Andy, Emily und all den anderen sehr amüsiert zu.

Wolfgang Hübner/AP

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