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"Desperate Housewives": Begehrt hinterm Herd

Die Zeiten, da Frauen den Männern im Berufsleben Konkurrenz machen, scheinen vorbei zu sein. Sie konzentrieren sich wieder auf ihr ureigenstes Terrain: den Haushalt. Dass dort mit ebenso harten Bandagen gekämpft wird wie in der Arbeitswelt, zeigt eine neue Serie.

Von Carsten Heidböhmer

Sie sind in ihren besten Jahren, haben Mann und/oder Kinder, gehen keinem erkennbaren Beruf nach und wohnen alle in demselben, niedlichen Vorort. Die "Desperate Housewives" (Verzweifelte Hausfrauen) haben in den USA bereits die legitime Nachfolger der Kultserie "Sex and the City" angetreten, nun sollen sie auch im deutschen Fernsehen für Furore sorgen. Tatsächlich gibt es da einige Parallelen: In beiden Serien stehen Frauen im Mittelpunkt, die sich einen Großteil des Tages mit dem Thema Sex zu beschäftigen scheinen.

Zickenkrieg um den attraktiven Mike

Da wäre zum einen Susan Mayer (Teri Hatcher), die allein mit ihrer Tochter lebt, seit sie von ihrem Ehemann verlassen wurde. Ihr Geld verdient sie als Illustratorin von Kinderbüchern. Ihre Fantasie und Kreativität verwendet sie allerdings mehr darauf, ihren Nachbarn Mike zu verführen. Dafür verstopft sie auch gerne mal ihren Abfluss, um den attraktiven Klempner in ihr Heim zu locken. Konkurrenz bekommt sie in ihrem Werben von der Blondine Edie Britt (Nicolette Sheridan), die bei der Durchsetzung ihrer Ziele keineswegs zimperlich zur Sache geht und wenn's sein muss noch ein paar Quadratzentimeter Kleidung weniger einsetzt als die etwas zugeknöpfte Susan.

Auch für die verheiratete Gabrielle Solins (Eva Longoria) scheint der Tag wenig andere Aufgaben bereit zu halten, als sich körperlicher Gelüste zu ergeben. Das Objekt ihrer Begierde ist pikanterweise noch nicht einmal volljährig - und dazu noch als Gärtner bei ihr angestellt, was zu allerlei Verwicklungen führt.

Mrs. Perfects hartes Regiment

Bree Van De Kamp (Marcia Cross) hat dagegen ihren Haushalt mit Mann und zwei Kindern derart perfekt im Griff, dass für Sex kein Platz mehr bleibt. Gegen ihr hartes Regiment beginnt ihre Familie bereits zu rebellieren - ein Konflikt, der einen wohltuenden Kontrapunkt zu den aufgedrehten Sexgeschichten setzt.

Lynette Scavo (Felicity Huffman) schließlich ist von Brees Perfektion weit entfernt. Sie ist von dem Alltag als Mutter frecher Drillinge und eines ewig schreienden Säuglings heillos überfordert. Ihr Ehemann ist da auch keine Entlastung. Ab und an schneit er mal zwischen zwei Geschäftsreisen herein, um sich schnell ein Stückchen Glück abzuholen. Einzig Erleichterung verschafft da der gelegentliche Konsum von Antistresspillen.

Heile Vorort-Welt

Während nun "Sex and the City" im urbanen New York spielte, wo sich die vier Damen regelmäßig in hippen Lokalen getroffen haben, ist die Kulisse der verzweifelten Hausfrauen das traute Heim in einem klinisch reinen Vorort. Genau dieser Umstand könnte dazu beitragen, dass die Serie in den USA so gut funktioniert: Wohnt doch ein Großteil der dortigen Bevölkerung in kleinen Siedlungen oder sauberen Vororten. Das Leben im mondänen New York mit seiner ausgeprägten Intellektuellenschicht ist dem durchschnittliche US-Bürger doch weit weniger vertraut als das Leben in einer überschaubaren Gemeinde, wo einen das Treiben des Nachbarn mehr beschäftigt als das Handeln des Präsidenten, wo das örtliche Grillfest mehr Gesprächsstoff liefert als die neuste Premiere am Broadway.

Genau diese kleine heile Welt bietet die die neue Serie - und das nicht zu knapp: Die Vorgärten sind immer ein bisschen zu gepflegt und die Farben zu knallig, um nicht zu sagen: zu dick aufgetragen. Dieser Umstand ermöglicht es den Drehbuchautoren, sich rein auf Komik zu konzentrieren. Während 80er-Jahre-Serien wie "Dallas" oder "Denver" immer suggerierten, das Leben von Ölmillionären spiele sich "wirklich" so ab, versucht "Desperate Housewives" gar nicht erst, irgendwelche Übereinstimmungen mit der realen Welt zu schaffen. Stattdessen spielt sich alles in einer bonbonfarbenen Scheinwelt ab, die ein wenig an Filme von David Lynch erinnert, ohne dessen düstere Fantasie und Abgründigkeit nur annähernd zu erreichen.

Es gibt natürlich witzige Dialoge en masse, und einige richtig gelungene Szenen. Etwa, wenn Gabrielle nachts im Abendkleid den Rasen mäht, damit ihr Mann nicht bemerkt, dass der Gärtner ganz anderen Pflichten als der Arbeit am Grün nachgegangen ist. Insgesamt bleibt aber doch alles recht harmlos und plätschert dahin. "Jede Frau hat ein schmutziges Geheimnis" lautet der Untertitel der Serie. Fraglich, ob die Pilotfolge genügend Neugier geweckt hat, diesem Geheimnis Woche für Woche nachzuspüren.