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"Die Fälscher" und "Der Mongole": Deutsch-österreichische "Oscar"-Träume

Gleich zwei Produktionen mit deutscher Beteiligung gehen dieses Jahr ins Rennen um den Preis für den besten ausländischen Film. Insofern stehen die Chancen für ein kleines "Wir sind Oscar"-Gefühl hierzulande gar nicht schlecht.

In diesem Jahr ist kein deutscher Film für einen Oscar nominiert. Trotzdem könnten in der Nacht zum Montag in Deutschland einige Korken knallen. Denn gleich zwei der Kandidaten im Rennen um den so genannten Auslandsoscar wurden von Produzenten aus Deutschland und auch mit deutschen Fördermitteln realisiert: "Die Fälscher" aus Österreich und "Der Mongole" aus Kasachstan. Bei fünf nominierten Filmen in der Kategorie des besten nicht englischsprachigen Films stehen die Chancen also gar nicht schlecht, dass doch ein kleines "Wir sind Oscar"-Gefühl aufkommen kann. Wenngleich der Jubel nicht so laut ausfallen dürfte wie im Vorjahr bei Florian Henckel von Donnersmarcks Triumph mit "Das Leben der Anderen".

"Die Fälscher" - eine deutsch-österreichische Gemeinschaftsleistung

Der vor 46 Jahren in Wien geborene Regisseur Stefan Ruzowitzky kommt einem möglichen deutsch-österreichischen Gezerre um den goldglänzenden Oscar-Knochen zuvor und stellt über "Die Fälscher" klar: "Das ist zur Hälfte ein deutscher Film, denn 50 Prozent der Finanzierung kommt aus Deutschland und auch 50 Prozent vom kreativen Potenzial." Schon vor der Nacht der Nächte bemüht sich der Österreicher um gerechte Verteilung möglicher Meriten. "Also zur Hälfte gehört der Oscar euch", sagt er im dpa-Gespräch.

Ruzowitzkys Drama wurde unter anderem von den beiden Hamburger Produzentinnen Nina Bohlmann und Babette Schröder (Magnolia Film) produziert und in Babelsberg gedreht. Nina Bohlmann sagte der dpa über den Zwang zur nationalen Zuordnung internationaler Filmproduktionen: "Der Oscar geht ja an einen Film, nicht an das Land. Bei dieser 50/50 Koproduktion haben wir uns jedes Mal entscheiden müssen, für welches Land wir einreichen. Bei der Berlinale liefen wir als deutscher Wettbewerbsbeitrag, hier als österreichischer. Solange man die Nationalität so leicht wechseln kann..."

Historische Vorlage für Ruzowitzkys Film

Der Film mit den deutschen Stars August Diehl und Devid Striesow erzählt die Geschichte einer historisch verbürgten Geldfälscheraktion im Konzentrationslager Sachsenhausen. Insassen des KZ druckten Millionen falscher britischer Pfundnoten, mit denen die Wirtschaft des deutschen Kriegsgegners geschwächt werden sollte. Für ihre Mitarbeit genossen die jüdischen Ganoven im Lager der Nazis besondere Privilegien. Überleben ging vor Moral.

Für das deutsche Publikum ging das Werk möglicherweise zu locker mit dem Täter-Opfer-Schema des Nationalsozialismus um. Die Filmförderungsanstalt zählte nur rund 63 000 Kinobesucher in dem von deutscher und österreichischer Seite mit jeweils gut einer Million Euro geförderten Film. Allein in Großbritannien seien es dreimal soviele Besucher gewesen, betont der Regisseur, der mit seinem Thriller "Anatomie" im Jahre 2000 einen Kinohit landen konnte. Ein anderes historisches Thema bereitet der kasachische Oscar- Beitrag "Der Mongole" von Sergei Bodrow auf.

"Der Mongole" - ein Epos über Dschingis Khans frühe Jahre

Die deutschen Koproduzenten Stefan Arndt und Manuela Stehr von der renommierten Firma X-Filme besorgten insgesamt rund 800.000 Euro aus deutschen Fördertöpfen für das Epos über die frühen Jahre des Mongolenführers Dschingis Khan. Arndt, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Filmakademie, sah während der Berlinale gelassen auf die Oscar-Nacht. "Wir haben durchaus Chancen", sagte er. "Mal sehen, was draus wird." Nach Los Angeles fliegen wird er selbst nicht.

Die Nominierungen für den Auslands-"Oscar" setzen in diesem Jahr ausschließlich auf Geschichte und Politik. In "Beaufort", dem Beitrag Israels, geht es um die letzten israelischen Soldaten, die im Jahr 2000 im Militärstützpunkt Beaufort im Libanon ausharren mussten. Der Russe Nikita Michalkow versetzt in seinem Drama "12" die Handlung des Filmklassikers "Die zwölf Geschworenen" nach Tschetschenien und lässt eine russische Jury über Schuld oder Unschuld eines mutmaßlichen tschetschenischen Mörders befinden.

Eines der größten Massaker des Zweiten Weltkriegs ist das Thema des polnischen Altmeisters Andrzej Wajda. "Katyn" beschreibt den Massenmord der Roten Armee an schätzungsweise 15 000 Polen im Jahr 1940. Wayda selbst verlor in Katyn seinen Vater und sieht das Werk als seinen persönlichsten Film.

Karin Zintz/DPA