"Die schwarze Dahlie" Mord im klassischen Hollywood


Im Los Angeles der 40er Jahre wird die junge Elizabeth Short grausam ermordet. Zwei Polizisten decken in dieser Star-gespickten Buch-Verfilmung nebenbei weit reichende Verstrickungen auf.

Der Anblick der Frauenleiche, die am 17. Januar 1947 in der Nähe eines Parks der kalifornischen Metropole Los Angeles gefunden wurde, schockierte selbst hartgesottene Polizisten. Bestialisch gequält und zugerichtet hatte der unbekannte Mörder die Tote, bei der es sich um die 22-jährige Elizabeth "Betty" Short handelte. Das junge Mädchen, das ein so grausiges Ende genommen hatte, stammte von der Ostküste und war mit dem Traum an den Pazifik gekommen, eine Karriere als Schauspielerin in Hollywood zu machen. Es waren die großen Jahre der USA, die nach dem gewonnenen Krieg die unbestrittene militärische, ökonomische und kulturelle Weltmacht war. Noch immer liegt ein nostalgischer Zauber über dieser Zeit, dem nun auch Brian De Palma mit seinem Film "The Black Dahlia" huldigt.

Der renommierte Thriller-Regisseur hat dabei den 1987 erschienen Roman "Die schwarze Dahlie" von James Ellroy auf die Leinwand übertragen, ein ehrgeiziges Unterfangen. Denn Ellroy hat basierend auf dem wirklichen, nie aufgeklärten Mordfall Elizabeth Short eine sehr komplexe Geschichte erzählt, in der Wirklichkeit, Fiktion und Legende faszinierend verwebt sind. Helden der Handlung sind die beiden Polizisten Lee Blanchard und Bucky Bleichert, die neben dem Beruf auch ihre Boxleidenschaft teilen und schon gegeneinander im Ring gestanden haben. Sie ermitteln in dem spektakulären Mordfall, der für beide schicksalhaft wird. Denn die Polizisten werden auch privat in Verstrickungen gezogen, besonders der deutschstämmige Bleichert mit seiner Beziehung zu der reizvollen Madeleine Linscott. Diese ist Mitglied einer Familie, die mehr über die schreckliche Tat weiß, als sie wissen sollte.

Starke und weniger starke Rollenbesetzungen

Welches düstere Geheimnis die Linscotts hüten, soll hier nicht gelüftet werden, doch verraten sei, dass die tote Betty, sehr anrührend gespielt von Mia Kirshner, die eigentliche Hauptfigur des Films ist. Um die Ermordete zu zeigen, bedient sich De Palma eines erprobten Tricks: Er zeigt einen Film im Film, also rückblendenartig eingestreute Schwarz-Weiß-Szenen mit der hübschen Brünetten, deren Traum von der Hollywood-Karriere in der Mitwirkung an schlüpfrigen Sexstreifen endet, bevor sie so sadistisch ums Leben gebracht wird. In diesen wenigen Szenen wird die Tragik dieser jungen Frau sichtbar, das zählt zu den Stärken des Films. Und auch die zweifache Oscar-Preisträgerin Hilary Swank als Madeleine Linscott ist mit ihrer intensiven Verkörperung einer rätselhaften Frau das Eintrittsgeld wert.

Weniger gelungen ist die Besetzung der zwei tragenden Rollen Josh Hartnett als Bucky Bleichert und Scarlett Johansson als Blanchards superblonde Freundin Kay. Beide Darsteller sind einfach zu jung und haben schon deshalb nicht die geeigneten Gesichter für ihre Rollen von Menschen der 40er Jahre, in denen auch Mittzwanziger schon wesentlich erwachsener wirkten als heute. Die viel gefragte Johansson bleibt deshalb blass. Hartnett traut man den harten Cop mit dem sentimentalen Herzen nicht wirklich zu.

Regisseur De Palma hat in seinem neuen Werk, das in den USA wenig Begeisterung auslöste, die legendäre "Schwarze Serie" von Hollywood-Thrillern der Nachkriegszeit nach Herzenlust zitiert, ein Fundgrube für Cineasten. Aber bei aller Handlungsdramatik, trotz zeitgetreuer Kulissen, Kleider und Autotypen bleibt "The Black Dahlia" steril und retortenhaft. Der Zuschauer ahnt, dass viel Geld investiert wurde, um noch einmal die brodelnde Atmosphäre der späten 40er Jahre in Los Angeles zum Leben zu erwecken. Immerhin wurde sehr nachträglich der armen toten Betty noch ein filmisches Denkmal errichtet. Sie hat also doch noch große Hollywood-Karriere gemacht - gewiss eine andere, als sie sich erträumt hätte.

Wolfgang Hübner/AP


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