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"Die Schwester der Königin": Rivalinnen vom selben Blut

In Justin Chadwicks opulentem Historiendrama "Die Schwester der Königin" kämpfen Natalie Portman und Scarlett Johansson um die Liebe des frauenmordenden Königs Heinrich VIII.

Der englische König Heinrich VIII. war nur 56 Jahre alt, als er 1547 starb und Chaos um seine Nachfolge im Reich hinterließ. Aber die bis heute folgenreiche Loslösung der Kirche in England vom Papst in Rom und sechs Ehefrauen, von denen zwei wegen vorgeblicher Untreue geköpft wurden, haben diesen König zu einer unsterblichen historischen Figur gemacht, die natürlich auch Dramatiker und Autoren immer wieder zu Werken inspiriert haben.

Portman und Johansson als rivalisierende Schwestern

Nun ist der düstere Monarch auch eine der Hauptfiguren des Films "Die Schwester der Königin", die von dem britischen Nachwuchsregisseur Justin Chadwick mit den jungen amerikanischen Schönheiten Natalie Portman und Scarlett Johansson sowie dem Australier Eric Bana als Heinrich VIII. spektakulär ins Szene gesetzt wurde und ab dem 6. März in den Kinos zu sehen ist. Der Film basiert auf einem Erfolgsroman von Philippa Gregory, den der renommierte, vielfach ausgezeichnete Drehbuchautor Peter Morgan hervorragend für die Leinwand dramatisiert hat.

Für sein Kinodebüt hätte sich Chadwick keine bessere Vorlage wünschen können. Das Ergebnis ist ein sehr frisch wirkender, spannender und jederzeit niveauvoller Historienfilm mit erheblichen Schauwerten. Zu denen zählen neben opulenter Ausstattung und bunter Kostümpracht natürlich vor allem die beiden weiblichen Hauptfiguren, die Schwestern Anne und Mary Boleyn.

Die blonde Mary, lieblich, drall und naiv von Johansson verkörpert, bekommt von dem noch mit Katharina von Aragon verheirateten Heinrich nach dessen Besuch im Haus der Boleyns überraschend den Vorzug vor der brünetten Anne, die nach den Plänen des ehrgeizigen Vaters eigentlich das Herz des Königs gewinnen sollte.

Attraktiver Geschichtsunterricht

Mary wird bald Heinrichs Geliebte und erwartet auch ein Kind von ihm. Doch Anne, zwischenzeitlich von der Familie nach Frankreich geschickt, hat die Schmach nicht vergessen. Sie nutzt die Stunde, als der König ihrer Schwester überdrüssig geworden ist, intrigiert und erreicht die Verbannung Marys samt ihrem kleinen Sohn vom Hof. Doch zur neuen Mätresse Heinrichs lässt sie sich nicht so einfach machen, auch wenn sie das Begehren des Mannes so erfolgreich wie berechnend anstachelt.

Sie will das Bett nur offiziell mit dem König teilen, ihn also zur Scheidung zwingen. Das aber bedeutet den Bruch mit der katholischen Kirche, der ja dann auch erfolgt. Selten wird der Geschichtsunterricht so attraktiv dargeboten wie in dem Film, der am Ende ein kleines rothaariges Mädchen zeigt, das abermals Geschichte schreiben wird, nämlich als Queen Elizabeth I. Deren Regentschaft ist im Kino ja bereits von Cate Blanchett höchst erfolgreich auf die Leinwand gebracht worden.

Elizabeth war nämlich die Tochter von Heinrich und Anne Boleyn, die im Gegensatz zu ihrer Schwester ein schreckliches Ende nahm. Gewiss kann bemängelt werden, wie sehr sowohl Portman wie auch Johansson Gesichter und junge Frauen von heute sind. Und sicher war auch der Frauenkonsument auf dem Thron unsympathischer, als er von Bana gezeigt wird. Aber das kann nicht sonderlich die Vorzüge dieses gelungenen Streifens beeinträchtigen. Einmal mehr hat eine amerikanisch-britische Kinoproduktion demonstriert, wie geschichtliche Ereignisse für heutige Zuschauer attraktiv gemacht werden können.

Die deutsche Historie vom Mittelalter bis zur Neugründung des Reichs 1871 böte überreichlich Stoff für entsprechende Filme aus einheimischer Fabrikation. Es müssten sich aber Autoren, Regisseure und Produzenten finden, die solche Projekte auf dem Niveau der Angelsachsen angehen würden. Und die es auch wagten, die tatsächlichen Ereignisse ruhig ein wenig kinogeeigneter zu machen - so wie "Die Schwester der Königin".

AP / AP