"Easy Virtue" Gestatten Jessica Biel, Tochter aus schlechtem Hause


1928 brachte Alfred Hitchcock das Bühnenstück "Easy Virtue" auf die Leinwand. Der Film wurde ein Misserfolg. Nun versucht sich der gebürtige Australier Stephan Elliott an einer Neuauflage - und glänzt mit einer der amüsantesten Filme des bisherigen Jahres.

Aus dem inzwischen sehr fernen Jahr 1924 stammt die Vorlage für einen der amüsantesten Filme, die in diesem Jahr im Kino zu sehen sind. Denn bereits 1924 schrieb der englische Autor Noel Coward das erfolgreiche Theaterstück "Easy Virtue", das nun unter dem gleichnamigen Titel mit dem etwas albernen deutschen Zusatz "Eine unmoralische Ehefrau" ab dem 24. Juni auf die Leinwände kommt. Nicht nur für Freunde britischen Humors ist der Film in der Inszenierung von Stephan Elliott ein Juwel.

Vor dem historischen Hintergrund der frühen 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wird die Geschichte einer geschiedenen, dazu gar noch Autorennen fahrenden Amerikanerin namens Larita erzählt, die den gut aussehenden Engländer John aus adligem Haus heiratet und nun auf dem hochherrschaftlichen Landsitz der Whitakers Johns Familie begegnet. Für Mutter Veronica, einer prüden, frömmelnden Lady, ist die schöne Amerikanerin mit dem exotischen Namen und dem sehr ausgeprägten Selbstbewusstsein eine einzige Provokation. Aber auch die erotisch wie beruflich ziemlich perspektivlosen Schwestern Hilda und Marion sind nicht begeistert von der Wahl ihres Bruders.

Nur Butler Furber und Veronicas zynisch-sarkastischer Gatte Mr. Whitaker erweisen sich im Lauf der nächsten Wochen als heimliche Verbündete Laritas. Zwischen ihr und John, der sich nicht so richtig aus der Familienloyalität lösen kann, kommt es ganz allmählich zu einer Entfremdung. Zu der trägt eine junge Frau bei, die eigentlich als Johns Auserwählte vorgesehen war. Ernste finanzielle Probleme der Whitakers spielen schließlich auch eine Rolle. Am Ende ergeben sich ganz neue Konstellationen nach dem Motto: Gleich und gleich gesellt sich gerne.

Jessica Biel als strahlender Mittelpunkt

"Easy Virtue" ist leichtfüßige Kost, die aber nicht leicht zu machen ist, wenn sie so gut mundet wie dieses Kinovergnügen. Der gebürtige Australier Elliott hat Cowards 86 Jahre alte Komödie schwungvoll ins Szene gesetzt. Allerdings kann er auch auf drei Schauspieler bauen, die mit sichtlichem Spaß und großer Ausstrahlung bei der Sache sind: Kristin Scott Thomas verkörpert die strenge, verbitterte und nicht vor Hinterhältigkeiten zurückschreckende Veronica Whitaker mit jener Spur Tragik, die diese Figur keineswegs nur unsympathisch erscheinen lässt. Colin Firth als ihr Mann, der sich in eine häusliche Parallelexistenz geflüchtet hat, beweist einmal mehr seine Vielseitigkeit als Schauspieler.

Strahlender Mittelpunkt des Geschehens ist jedoch zweifellos Jessica Biel, im Film wie in der Realität Amerikanerin. Die 28-jährige Larita-Darstellerin mit deutschen, französischen, irischen und indianischen Vorfahren bezaubert nicht nur den Sohn, den Vater und auch den Butler der Whitakers, sondern auch die Zuschauer, weibliche übrigens inbegriffen. Denn der ehemalige Jugendstar einer TV-Serie, die lange Fußball gespielt hat, ist als Objekt erotischer Begierden ebenso glaubwürdig wie als Kumpeltyp. Dass Biel auch komödiantisches Talent besitzt, zeigt sich in den irrwitzig komischen Szenen des Films, in denen es um einen versehentlich erstickten Schoßhund geht.

Regisseur Elliott, der zusammen mit Sheridan Jobbins auch das Drehbuch nach Cowards Vorlage geschrieben hat, wandelt übrigens bei dieser Verfilmung in den Spuren des legendären Alfred Hitchcock: Dieser brachte das erfolgreiche Bühnenstück bereits 1928 auf die Leinwand, allerdings war der Stummfilm damals ein Misserfolg. Ein solcher sollte "Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau" nicht beschieden sein. Die brillanten Dialoge, hervorragende Darsteller und eine flotte Inszenierung garantieren einen lohnenden Kinobesuch inmitten des Spektakels der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika.

Wolfgang Hübner, APN APN

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