VG-Wort Pixel

Flammen am Fuße des Berges Am Kilimandscharo hat ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit begonnen

Tansania, Kilimandscharo: Weithin sichtbar sind die Rauchwolken eines Feuers auf dem Kilimandscharo
Tansania, Kilimandscharo: Weithin sichtbar sind die Rauchwolken eines Feuers auf dem Kilimandscharo
© Thomas Becker / DPA
Am Kilimandscharo spielen sich dramatische Szenen ab. Ein außer Kontrolle geratener Großbrand zwingt Dutzende Touristen zur schnellen Flucht nach unten. Doch da lauern bereits die Flammen.

Das große Aufatmen am Fuße von Afrikas höchstem Berg hatte gerade begonnen: Nach der großen Tourismusflaute durch die weltweiten Corona-Beschränkungen kehrten am Kilimandscharo endlich die ersten Touristen zurück. Deutsche, Schweizer, Briten, Österreicher: Sie machten sich nach teilweise monatelanger Vorbereitung auf den Weg zum Uhuru-Gipfel, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Einmal im Leben auf dem Kilimandscharo den weiten Blick über die Savanne genießen – auf einem knapp 6000 Meter hohen Massiv, das zu Kolonialzeiten als Kaiser-Wilhelm-Spitze mal als Deutschlands höchster Berg galt. Sie zahlen viel Geld für den Aufstieg in der dünnen Luft, die schon so manchen Bergsteiger das Leben gekostet hat.

Es ist eine Art Sehnsuchtsort für viele Prominente: Auf kaum einem anderen Berg geben sich so viele von ihnen die Klinke der Berghütten in die Hand – oft verbunden mit einer Spendenaktion für einen guten Zweck. Die deutsche Schauspielerin Maria Furtwängler gehörte ebenso zu jenen, die sich diesen Traum erfüllten, wie die Unternehmerin Tina Voß oder Schauspielerin Jessica Biel. Denn die Gebirgsexpedition ist weitgehend eine Art Trekking durch Regenwald, Heidelandschaft und felsige Gebirgslandschaft – auch wenn die geringe Sauerstoffdichte in großer Höhe viele Menschen zur vorzeitigen Umkehr zwingt. Ex-Tennisprofi Martina Navratilova erlebte das im Jahr 2010.

Für die örtlichen Helfer und Träger bedeuten die jährlich Zehntausenden Bergsteigern auch eine Menge Jobs. Doch dann kam das Feuer und zerstörte erst mal alle Hoffnungen. Das flammende Fanal, das der Berg seit Tagen nun weithin sichtbar darstellt, kommt Tansanias Regierung kurz vor den Wahlen am 28. Oktober denkbar ungelegen. Denn die nun schon tagelang lodernden Flammen senden kaum eine positive Botschaft aus. 

Rette sich, wer kann

Bei der Brandbekämpfung in großer Höhe könnten Löschflugzeuge und -helikopter mit spezieller Ausrüstung helfen. Doch die sind teuer und müssten erst mal aus dem Ausland geholt werden. Immerhin stellte Tansanias Tourismusminister Hamisi Kigwangalla deren baldigen Einsatz auf Twitter schon mal in Aussicht und meinte: "Wir bekämpfen das Feuer weiterhin, die Arbeit ist schwieriger als wir dachten; starke Winde und eine trockene Vegetation stellen eine Herausforderung dar".

Die Nationalparkbehörde erwägt nach offiziell unbestätigten Branchenangaben einen Rückruf aller noch im Gebirge befindlichen Touristen. Nach Schätzungen der Tourismusindustrie vor Ort sind in dem Gebiet noch mehr als 100 einheimische Bergführer, Träger und Touristen unterwegs. Offizielle Angaben dazu gab es allerdings nicht.

Stattdessen verwirren zunehmend widersprüchliche und auch restriktive Informationen der Behörden. Während es auch am Donnerstag noch keine offiziellen Behördenangaben zu Opfern gab, sprachen Ranger bereits inoffiziell von drei Toten und diversen Schwerverletzten. Dabei hatten die Behörden zunächst Bergsteigergruppen den Aufstieg über Alternativrouten genehmigt. Doch am Donnerstag hieß es für viele Touristengruppen nur noch: Rette sich, wer kann. Eine Bergführerin mit einer Gruppe deutscher, österreichischer und Schweizer Touristen versandte dramatische Bilder von einer Landschaft in dichtem Rauch. Unklarheit bestand, über welche Route sichere Abstiege möglich sind. 

"Das Feuer dehnt sich jetzt immer mehr aus", beobachtete der seit 15 Jahren an Afrikas höchstem Gebirgsmassiv lebende deutsche Bergführer Henning Schmidt. Das seit 30 Jahren in der Region forschende Bayreuther Biologen-Paar Claudia und Andreas Hemp schaute am Dienstag bestürzt auf Fotos seiner Messstation, die dem Brand zum Opfer gefallen ist. Die umgebenden Bäume deuteten darauf hin, dass die Flammen sehr schnell durch die Heidelandschaft des 5895 Meter hohen Kilimandscharo gewütet seien.

Ralf E. Krüger / fs DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker