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"Einer wie Bruno" im Kino: Ein tragikomischer Rollentausch

Christian Ulmen spielt in seinem jüngsten Film "Einer wie Bruno" einen geistig zurückgebliebenen alleineinziehenden Vater. Das gerät manchmal unangemessen komisch und wird dem Thema nicht wirklich gerecht.

Menschen mit psychischen Problemen sind beliebte Antihelden - auch in Komödien. Wie das gelingen kann, ohne sich anzubiedern oder Menschen mit Handicap bloßzustellen, hat Regisseur Ralf Huettner in "Vincent will Meer" (2010) gezeigt. In "Einer wie Bruno" erzählt nun Regisseurin Anja Jacobs von einem geistig zurückgebliebenen Vater (Christian Ulmen) und seiner pubertierenden Tochter Radost (Lola Dockhorn). Dabei bleibt sie allerdings arg an der Oberfläche und erzählt die Geschichte des heranwachsenden Teenagers ohne Überraschungen.

Radost ist 13 und lebt schon einige Jahre alleine mit ihrem Vater, der an einer angeborenen Intelligenzschwäche leidet. Das Mädchen schmeißt den Haushalt, umsorgt den Vater und macht sich auch noch in der Schule prächtig. Längst hat Radost die Rolle der Erwachsenen, Bruno die des betreuten Kindes eingenommen. Mit eingeübten Konversationen gelingt es dem schrägen Duo sogar, die Frau vom Jugendamt zu täuschen, um nicht getrennt zu werden.

Doch irgendwann wird es auch Radost zu viel. Mit 13 hat sie anderes im Sinn, als sich ständig um ihren Vater zu kümmern. Zumal sie sich auch noch in den neuen smarten Mitschüler Benny (Lucas Reiber) verliebt, der aus reichem Hause stammt und dessen Eltern als keifende Wohlstandsleute daherkommen. Doch die Loslösung von ihrem Vater und das Erwachsenwerden sind gar nicht so einfach für ein Mädchen, das viel zu früh viel zu viel Verantwortung übernommen hat.

Dem Thema nicht gerecht werdend

Die Geschichte ist leider ebenso banal wie unglaubwürdig. Warum ein derart geistig behinderter Mensch alleine mit seiner Tochter lebt, wie es zu dem Tod der Mutter kam und was es überhaupt mit der Intelligenzschwäche des Mannes auf sich hat - Fragen, die Jacobs unbeantwortet lässt. Stattdessen verliert sie sich in überwiegend klischeehaften Darstellungen. Und dann ist da noch Ulmens Verkörperung des liebenswerten, aber eben auch nervtötenden Bruno. Mit übertriebenen Grimassen, wilden Gesten, Schielen und Stottern lässt er die Figur zu einer Parodie verkommen.

Einzig Ulmens junge Partnerin Lola Dockhorn entschädigt den Zuschauer für das Klamaukartige. Sie verleiht dem jungen Mädchen sehr überzeugend Ernst und Elan, lässt den Zuschauer mit Radost leiden und verzweifeln. Das verleiht dem Film zumindest in Ansätzen Kinoqualität. Im Fernsehen wird er schon bald zu sehen sein; das ZDF war als Co-Produzent an dieser nicht sehr gelungenen Tragikomödie beteiligt.

Britta Schmeis, DPA / DPA
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