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"House of the Dragon" Düsterer Rollentausch im Drachenhaus: So schlagen sich die neuen Serienlieblinge

Emma D’Arcy
Die ältere Serienprinzessin Rhaenyra Targaryen wird gespielt von Emma D’Arcy. Alicent Hohenturm (nicht im Bild) wird von Olivia Cooke gespielt.
© HBO
Die Kindheit ist so schnell vorbei – jetzt beginnt der Ernst des Lebens. In der neuesten Folge "House of the Dragon" übernehmen zwei neue Adelige das Ruder – und treten damit in große Fußstapfen. Achtung, Spoiler!

Warnung: Dieser Text enthält Spoiler für "House of the Dragon", inklusive der aktuellen, sechsten Folge. Wer noch nicht alle Folgen gesehen hat und sich lieber überraschen lassen möchte, sollte hier aufhören zu lesen.

Milly Alcock und Emily Carey haben abgeliefert – die Zeit der jungen Adeligen Rhaenyra Targaryen und Alicent Hohenturm ist vorbei. Die ehemaligen Freundinnen sind ab der sechsten Folge erwachsen und werden fortan von zwei neuen Personen verkörpert. Emma D’Arcy übernimmt die Rolle der Rhaenyra, Olivia Cooke spielt Alicent. Für die Neubesetzung könnte die Ausgangslage nicht schwieriger sein – denn die jungen Schauspiel-Kolleginnen Alcock und Carey haben sich in die Herzen der Zuschauer gespielt. Wird das auch den älteren Darstellenden gelingen?

Verschwitzter erster Auftritt

Die neueste Folge, passend "Die Prinzessin und die Königin" genannt, beginnt mit einer Geburt. Prinzessin Rhaenyra, sichtbar gealtert, bringt einen Jungen zur Welt. Das verschwitzte Gesicht von Emma D'Arcy ist also der erste Eindruck, den man von der neuen Rhaenyra bekommt. Das erste Wort, abseits von Gestöhne und Geschrei: "Wieso?" – schon nach weniger als fünf Minuten geht der Zwist zwischen der künftigen Herrscherin und der aktuellen Königsgemahlin Alicent Hohenturm unverblümt weiter. Die ehemals beste Freundin will das Neugeborene sofort sehen und lässt Mutter und Kind keine fünf Minuten Ruhe.

Sofort nach der Geburt macht sich Rhaenyra also unter großen Schmerzen und erstaunlich vielen, wenn auch nachvollziehbaren Flüchen, auf den Weg. Das Publikum leidet mit, während die Prinzessin eine Blutspur durch den Palast zieht. Erster Auftritt: Wenig würdevoll, aber durchweg gelungen. Die neue Targaryen wirkt kerniger und deutlich schlagfertiger als die "junge Version", situationsbedingt fehlt bis hierhin allerdings jeglicher Glanz der Vorgängerin.

Ein Streit artet aus

Es folgt ein kurzes Wiedersehen mit Ser Criston Cole, der nun offenbar für Alicent tätig ist. Immerhin war sie es, die ihn nach seinem Ausraster offensichtlich vor dem Selbstmord bewahrt hat. Auftritt Alicent Hohenturm, nun gespielt von Olivia Cooke. Durchgestylt wartet sie in ihrem Zimmer auf die erschöpfte Mutter, gibt sich erstaunlich besorgt. Eine Annäherung der beiden kann in den Jahren zwischen der vergangenen Folge und dieser allerdings nicht stattgefunden haben – die Spannung zwischen den beiden ist spürbar.

Olivia Cooke
Die alte, neue Königsgemahlin und der inzwischen sehr alte König.
© HBO

Für einen kleinen Moment der Überraschung sorgt der Auftritt des Königs. Wenig überraschend sind natürlich auch alle anderen Darsteller stark gealtert, und so freut sich ein sehr alter und durch Haupthaarverlust geplagter Greis über seinen neuen Enkel namens Joffrey Velaryon. Mit einem biestigen Kommentar von Lady Hohenturm gegenüber dem Vater des Kindes, Laenor Velaryon, endet die Szene. Sie wirft ihm vor, dass auch dieses Kind ihm nicht ähnlich sehe.

Im Folgenden erfährt man, dass Rhaenyra nun bereits dreifache Mutter ist. Die älteren Söhne Jacarys und Lucerys haben dem neuen Bruder ein Drachenei ausgesucht, wie es in der Familie nun einmal Brauch ist. Bevor der Zuschauer das Gemach der Prinzessin verlässt, keimt durch den Blick zwischen Rhaenyra und Ser Harwin Strong, ihrer neuen Leibwache, dem Kommentar von Alicent und dem Wissen, dass Laenor Velaryon eigentlich Männer bevorzugt, der Verdacht auf, dass man hier erstmals die leiblichen Eltern mit ihrem Kind sieht.

Hass unter Familienmitgliedern

Was dann folgt, ist ein seltener Einblick in die Welt der Targaryens. Prinz Jacaerys Velaryon wird mit seinem Drachen, Vermax, zusammengebracht. Eine gegrillte Ziege später geht es dann um Prinz Aemond Targaryen, der sehr unter seiner Drachenlosigkeit leidet und von seinen Geschwistern dafür aufgezogen wird.

Der Zwist zwischen Rhaenyra und Alicent scheint sich durch die beiden Familien zu ziehen, die Konkurrenz beider Häuser im Palast wirkt erdrückend, zumal Alicent versucht, die Untreue der Prinzessin zu instrumentalisieren. Alicent Hohenturm wirkt intrigant, egozentrisch und kommt ganz offenbar nach ihrem Vater, den man aus exakt diesen Gründen einst aus dem Amt der Hand des Königs jagte – da hilft es wenig, dass der Ex-Lover Ser Criston seine Liebe augenscheinlich in Hass umgewandelt hat und seine neue Herrin in ihrer Meinung bestärkt, dass Rhaenyra den Thron nicht verdient habe.

"House of the Dragon": Schauspielerin Milly Alcock

Im weiteren Verlauf der Folge erfährt man, was Daemon Targaryen in den letzten Jahren getrieben hat. Wie auch in der Meerenge, setzt Daemon weiterhin seine Drachen ein, um Allianzen zu schmieden und in Schlachten zu helfen. Man erfährt, dass die freie Stadt Pentos Hilfe braucht, um sich gegen die soganannte Triarchie zu wehren. Dabei handelt es sich um eine Allianz der freien Städte Myr, Lys und Tyrosh, in den Büchern bekannt als das "Königreich der Drei Töchter".

Am Hof setzt sich der Grabenkampf zwischen den Familienzweigen fort. Selbst die Leibwächter beider Frauen sind darauf geeicht, sich nicht sonderlich gut zu vertragen. So kommt es zu einer brutalen Schlägerei, in der Ser Cole heftig einstecken muss. Wir erinnern uns: Ser Strong macht seinem Namen alle Ehre.

Der schwelende Konflikt zieht sich durch alle Bereiche in Königsmund, dort ist man nur sich selbst der nächste. Die neuen Serienlieblinge Alicent und Rhaenyra werden durch Emma D'Arcy und Olivia Cooke würdig vertreten, haben merklich jedwede jugendliche Unschuld abgelegt und sind Teil einer Gesellschaft, die sich durch Hass, Neid und Missgunst von Innen zersetzt. Den Preis, den man dafür zahlen muss, sieht man den beiden Protagonistinnen deutlich an.

Der neue "König Joffrey"

Es wirkt beinahe wie eine Flucht ins Freie, wenn Daemon Targaryen die Leinwand betritt und es um seine Geschichten geht. Schade nur, dass seine neue Frau dem Anschein nach großes Interesse daran hat, den Unruhen am Hof beizuwohnen und den eigenen Hut in den Ring zu werfen, wenn es um die künftige Besetzung des Eisernen Throns geht.

Die größten Ambitionen, den Kampf um den Eisernen Thron zu gewinnen, hat definitiv Alicent Hohenturm. Das wird spätestens dann deutlich, wenn sie zusammen mit Rhaenyra im hohen Rat sitzt, ein ausgesprochen kluges und versöhnliches Angebot nicht annimmt und sich tiefer in den Hass auf die Prinzessin und ihre Familie flüchtet.

Die Folge endet mit einer Folterszene, dem Selbstmord von Daemons Frau Laena durch ihren Drachen Vhagar und einem Großbrand in Harrenhal. Ein wenig verbreitet sich die Stimmung, dass es jetzt ans Eingemachte geht.

Emma D'Arcy und Olivia Cooke haben ihr Debüt überzeugend über die Bühne gebracht – der Zeitsprung ist gelungen und die Geschichte merklich dunkler geworden. Es ist nicht völlig abwegig, Cooke gute Chancen zu unterstellen, "der neue König Joffrey" zu werden. Alicent Hohenturm kann man einfach nicht mögen. Gut so.

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