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"Elizabeth - Das Goldene Königreich": Britanniens kalte "Sissi"

Im zweiten Teil des Überraschungshits "Elizabeth" von 1998 hat sich die blutjunge Prinzessin zur eiskalten Königin Mitte 50 verwandelt. Während "Elizabeth"-Darstellerin Cate Blanchett wieder bravourös spielt, scheitert die Fortsetzung allerdings am weitschweifigen Drehbuch.

Von Österreichs schöner Kaiserin Elisabeth, die alle nur als "Sissi" kennen, gibt es drei ungebrochen populäre und phänomenal erfolgreiche Kinofilme aus den 50er Jahren mit Romy Schneider. Britanniens berühmteste "Sissi", Queen Elizabeth I., lebte bereits im 16. Jahrhundert und war 1998 Heldin eines ebenfalls sehr erfolgreichen Films mit dem schlichten Titel "Elizabeth". Wie die Australierin Cate Blanchett diese bedeutende Frau spielte, war ein Ereignis, das Millionen vor die Leinwände lockte.

Nun hat der Regisseur jenes Überraschungshits einen weiteren Film um die Londoner Monarchin gedreht, der als "Elizabeth - Das Goldene Königreich" am 20. Dezember in die Kinos kommt. Und wiederum wird die Titelrolle verkörpert von Cate Blanchett. Diesmal ist sie aber keine blutjunge Prinzessin, die sich zur machtbewussten Königin wandelt, sondern eine erkaltete Frau Mitte 50, die von der Last ihrer Position gezeichnet ist. Die 38-jährige Ausnahmedarstellerin Blanchett meistert auch diese Aufgabe sehenswert bravourös.

Trotzdem scheitert die "Elizabeth"-Fortsetzung an einem allzu weitschweifigen Drehbuch und den chauvinistischen Tendenzen in der Handlung. Sicherlich war der Sieg über die spanische Flotte, die trotz großer Überlegenheit in der Nordsee an der überlegenen Seekriegskunst der Briten scheiterte, eine entscheidende Etappe auf dem Weg des Inselreiches zu jener Weltmacht, die bis ins 20. Jahrhundert ganze Kontinente dominierte. Und welche Nation - außer der deutschen - erzählt nicht nur zu gerne in opulenter Inszenierung von ihren Sternstunden. Aber man muss sicherlich Engländer sein, um jenen Triumph über das damals so mächtige katholische Spanien noch einmal so genießen zu können. Denn der Feind aus dem Süden wird doch als allzu beschränkt und bösartig dargestellt.

Trauer und Wut einer enttäuschten Frau

Wie es auch ganz anders geht, wird in der Episode um Sturz und Hinrichtung der schottischen Rivalin von Elizabeth I., Maria Stuart, deutlich. Dieser Erzählstrang wird prägnant, knapp und auch optisch eindrucksvoll in dem Film abgehandelt. Umso mehr Zeit wird in dem fast zweistündigen Werk in die unerfüllte Liebesbeziehung der reifen, unnahbaren Monarchin zu dem Nationalhelden Sir Walter Raleigh investiert. Der gut aussehende Clive Owen spielt diesen als charmanten Herzensbrecher, der sich nicht viel um Hofetikette kümmert. Dass Raleigh dann doch eine hübsche Hofdame schwängert, ist für die alternde Königin emotional verletzend. Faszinierend, wie anrührend Blanchett die Trauer und Wut einer enttäuschten Frau, die stets in eine Staatsmaske inmitten prachtvoller Kulissen gezwängt bleibt, sichtbar macht. Elizabeth I. weiß jedoch immer, dass ihr privates Glück Nachrang hat gegenüber der Pflicht an dem Reich, in dem ihr Thron von Verschwörungen machtgieriger Gestalten ständig gefährdet ist und verteidigt werden muss.

Hätte sich der Film wirklich auf die Reifejahre einer bedeutenden, politisch triumphierenden Königin beschränkt, wäre er sehenswerter geworden als dieses überaus patriotische Leinwandepos von der Geburt des Empire, in dem Intrigen und Schlachtenlärm leider überwiegen. Die große Schauspielkunst der Cate Blanchett kann diese Mängel nicht völlig vergessen machen.

Wolfgang Hübner/AP