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"AngloMania"-Ausstellung: Von Empire-Dekadenz bis Punk

Verrückt nach Union Jack und Karos - die Ausstellung "AngloMania" im New Yorker Metropolitan Museum zeigt Tradition und Verfall der britischen Mode. Da dürfen natürlich Vivienne Westwood und Punk-Ikone Johnny Rotten nicht fehlen.

Von Kathrin Buchner

"Anglomania" bedeutet eine übersteigerte Vorliebe für englische Dinge. Die demonstriert Schauspielerin Sarah Jessica Parker eindrucksvoll, indem sie sich von oben bis unten in Karo gekleidet präsentiert. Und nicht nur sie, auch Model Kate Moss im Burberry-Anzug oder Hollywoods Shooting Star Scarlet Johansson im schwarzen Stella-McCartney-Kleid zeigen ihre Liebe zu britischem Style. "AngloMania. Tradition and Transgression in British Fashion" heißt die Ausstellung im renommierten New Yorker Metropolitan Museum of Modern Art, zu deren Eröffnung sich die stilbewußten Promi-Ladys nicht lange bitten ließen und sich in britisches Design warfen.

Tradition und Verfall der britischen Mode wird in mehreren Bereichen kulturhistorisch eingeordnet. Sei es Kleider von Queen Elizabeth I. aus dem 16. Jahrhundert, die aus Porträts nachgeschneidert wurden, oder Punkmode der 70er Jahre. Britische Großmachtsansprüche zeigten sich schließlich auch darin, dass sich Style und Benehmen der Kolonialmacht in den feinen Kreisen dieser Welt durchsetzte. Der Gentleman in Nadelstreifen-Tweed und Lederschuhen ist immer noch das Nonplusultra der gehobenen Gesellschaft - very british eben. Mit dem Untergang des britischen Empires gerieten auch Tweed und Karo ein wenig aus der Mode.

Union Jack auf Lederjacken

Erst in den Swingin' Sixties mit Twiggy und Mini-Röcken war britische Mode nach langer Zeit wieder hip. Ein zweites Comeback gab es dann Ende der 70er Jahre, als im Zuge der Punkbewegung karierte Hosen und Lederjacken mit dem Union Jack auf dem Rücken ins Straßenbild zurück kehrten - als hoffähig konnte man diese Mode schlecht bezeichnen, die nationalen Symbolen wurden aus purer Provokation getragen. Bis dann die Designerin Vivienne Westwood auch die Punkmode auf den Laufsteg brachte, und ihre Kreationen in angesagten Modeboutiquen hängen.

Comeback des britischen Styles

Anfang des 21. Jahrhunderts zeichnet sich sowohl in Mode als auch in der Kultur die Rückkehr britischen Styles ab, hat zumindest Andrew Bolton ausgemacht, der Kurator der Ausstellung. Er sieht den Big Apple zurzeit fast zum Brit Apple werden: "Britische Bands wie die Arctic Monkeys oder Franz Ferdinand werden immer öfter im Radio gespielt, und in der U-Bahn lesen die Leute britische Autoren wie Zadie Smith und Alan Hollinghurst. Es scheint ein zunehmendes Interesse an britischer Kultur insgesamt zu geben." Überflüssig zu erwähnen, dass Andrew Bolton selbst britischer Staatsbürger ist.

Die Ausstellung "AngloMania. Tradition and Transgression in British Fashion" ist bis zum 4. September täglich außer Montag von 9.30 bis 17.30 Uhr im New Yorker Metropolitan Museum of Modern Art zu sehen. Mehr Infos unter www.metmuseum.org.