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"Heimat 3": Die Rückkehr in den Hunsrück

Die dritte "Heimat"-Staffel bringt ein Wiedersehen mit der Familie Simon und dem Hunsrück-Ort Schabbach. Der Sechsteiler von Edgar Reitz befasst sich mit der deutschen Geschichte der Jahre 1989 bis 2000.

Die Wirklichkeit holte ihn ein: Regisseur Edgar Reitz, heute 72 Jahre alt, steckte vor 15 Jahren noch mitten in den Dreharbeiten zur ARD-Reihe "Die Zweite Heimat - Chronik einer Jugend", als auch ihn die Nachricht von der Wende überraschte. Sein spontaner Gedanke: Ein wiedervereinigtes Deutschland - das wird Thema der "Heimat 3". Und auf der Transitstrecke nach Berlin sollte dieser dritte Teil beginnen. Die ARD strahlt die sechs Teile von diesem Mittwoch (20.15 Uhr) an aus.

Womit sich nach 20 Jahren die Trilogie rundet: Hatte die mit starkem Interesse und hohem Lob aufgenommene "Heimat" von 1984 gezeigt, wie die Menschen ihrer kargen Heimat im Hunsrück zu entkommen versuchen, führte 1992 bei entschieden geringerer Publikumsresonanz die 13-teilige "Heimat 2" vor, wie die Menschen jenseits ihrer Heimat zurecht kommen. Eine dritte Staffel schien lange fraglich. Nach langen Gesprächen entschloss sich die ARD, den Zyklus fortzusetzen und mit "Heimat 3" zu beenden.

Ein Hauch von Resignation

Nun, älter geworden, reifer, auch resignativer kehren die Protagonisten besuchsweise in die Heimat zurück. Alles scheint auf den ersten Blick gleich geblieben und ist doch anders geworden, in der engeren Heimat wie in ganz Deutschland, nicht nur das nachdrücklich ergraute Haar der Hauptgestalt Hermann (Henry Arnold), eines alter ego von Reitz, der allerdings nicht als Regisseur, sondern als Musiker Karriere machte.

Eines ist auch hier in den sechs Filmen von «Heimat 3» anders als früher: Reitz hat mit dem Romancier Thomas Brussig ("Helden wie wir") einen um eine Generation jüngeren Co-Autor herangeholt. "Mein höchstes Kriterium ist Authentizität, und in der einstigen DDR kannte ich mich nun mal nicht aus, hatte nur West-Erfahrung", sagt Reitz. Die Auseinandersetzung mit Brussig war dann aber "weniger ein Ossi/Wessi-Dialog, mehr die Auseinandersetzung zweier Generationen".

Gekürzte TV-Fassung

Insgesamt will Reitz ein Filmwerk gelungen sein, das "fast" das sei, das ihm vorgeschwebt hätte. Allerdings wäre ihm ein weiterer siebter Teil lieber gewesen, und die TV-Fassung sei nun um zwei Stunden kürzer als die Version, die gelegentlich in Kinos eingesetzt werden könne.

"Die Reduzierung der sechs Folgen mit jeweils neunzig Minuten hatte erst die Platzierung zur besten Sendezeit möglich gemacht", sagt Bernhard Nellessen, Fernsehdirektor des zuständigen Südwestrundfunks, der dieses Mal mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) zusammen produzierte. Die Ausstrahlungstermine sind am 15., 17., 20., 22., 27. und 29. Dezember, jeweils um 20.15 Uhr.

Vor der Ausstrahlung von "Heimat 3" wiederholte der Kultursender 3sat die erfolgreiche erste "Heimat"-Staffel von 1984 und weckte damit mehr Interesse für sein Programm als an normalen Abenden. Während 3sat sonst einen durchschnittlichen Zuschaueranteil von einem Prozent hat, sahen zwischen 1,7 und 3,4 Prozent die vom 6. Dezember an jeweils ab 22.30 Uhr gesendeten Episoden. Das waren zwischen 330.000 und 480.000 Zuschauer.

DPA / DPA