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"Ich reise allein" Schwungvolle Komödie aus Norwegen


Proust, Philosophie und Partys - Jarle genießt sein Leben. Dann kommt ein Brief. Der Student erfährt, dass er der Vater der kleinen Lotte ist. "Ich reise allein" ist ein unterhaltsamer Film aus Norwegen mit nachdenklichen Anklängen.

Der Literaturstudent Jarle Klepp liebt sein lockeres Leben in der norwegischen Stadt Bergen. Philosophische Seminare an der Uni, hochgeistige Aufsätze zu Marcel Proust und durchfeierte Partynächte - so könnte es für den rothaarigen jungen Mann und seine Freunde noch viele Semester weitergehen. Doch dann kommt ein Brief: Jarle erfährt, dass er vor einigen Jahren in einem One-Night-Stand eine Tochter gezeugt hat. Die Mutter von Charlotte Isabel schickt die Kleine zum Vater, Jarle soll sich für ein paar Tage um das Mädchen kümmern. Der fällt aus allen Wolken und hat überhaupt keine Lust, den Papa zu spielen. Die charmant-heitere Komödie "Ich reise allein" nimmt ihren Lauf - ein Film aus Norwegen voller Lebensfreude und mit nachdenklichen Anklängen.

Der Zuschauer ist schnell mittendrin: Jarle auf einer Feier, später findet ihn ein Freund, wie er nackt im Bett neben einem schlafenden Mädchen liegt. Ist etwas passiert? Jarle kann sich nicht erinnern, er hebt den Rock der jungen Frau hoch, weiß nicht, was er machen soll und haut ab. Dann Gegenschnitt: Eine schreibende Frauenhand, ein Brief fällt in Zeitlupe in Jarles Postkasten - dazu schwungvolle Musik. Überhaupt inszeniert Regisseur Stian Kristiansen lässig und locker. Das erinnert an sein mehrfach ausgezeichnetes Spielfilmdebüt "Der Mann, der Yngve liebte" - ein ebenfalls mit leichter Hand serviertes Coming-out unter Schülern im Kleinstadtmilieu. Auch hier heißt die Hauptfigur Jarle Klepp, ebenfalls gespielt von Rolf Kristian Larsen.

Welten treffen aufeinander

Witzig sind die scheinbar naiven Fragen der kleinen Tochter: Was ist eine Uni, ist Marcel Proust dein Freund und bist du immer so krank, als Jarle frustriert und betrunken nach Hause kommt. Erst ist er plötzlich Vater und nun verlässt ihn auch noch seine Freundin Herdis (Ingrid Bolsø Berdal) - der Student ist mit den Nerven ziemlich am Ende. Lotte, anrührend gespielt von Amina Eleonora Bergrem, ist ebenfalls wenig begeistert von ihrem widerwilligen Vater, der sich nicht vorstellen kann, sein sorgloses und freies Leben aufzugeben.

Welten treffen aufeinander: Im Fernsehen läuft das Begräbnis von Prinzessin Diana, Jarle denkt sich dazu eine Gute-Nacht-Geschichte aus, die Lotte überhaupt nicht gefällt. Die Kleine will ihr Kuscheltier, Jarle baut seiner Tochter ein Bett in einem verräucherten Zimmer voller Bücher. Jarles Freunde und seine Mutter reagieren dagegen weniger abweisend auf das kleine Mädchen. Erst allmählich beginnt auch der Student nachzudenken und seine begrenzte Welt der Universität und Literatur, der Partys und Affären in Frage zu stellen.

Die Idee des Films ist sicher nicht neu und auch nicht besonders originell. Ähnliche Komödien von Männern, die plötzlich Vater sind, hat es schon eine Menge gegeben. Auch manche Bilder von brütenden Pinguinen im Zoo, pflegebedürftigen Tamagotchis und Omas, die von Kindern als der Hauptsache im Leben schwärmen, wirken eher abgedroschen und altbacken. Frische Schauspieler, unterhaltsame Dialoge, gute Musik und ein norwegischer Touch sind es, die "Ich reise allein" dennoch Charme und Witz geben.

Iris Auding, DPA DPA

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