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Yves Saint Laurent: Der Mann, der die Frauen anzog

Sie spreche nur drei Worte Französisch, hat Lady Di einmal gesagt: Yves, Saint und Laurent. Der verwöhnte Knabe eroberte als Revolutionär mit Samt und Seide Paris - und wurde doch sein Leben lang von Ängsten gequält. Am Sonntagabend ist er gestorben.

Von Dirk van Versendaal

Spät am Vormittag verlässt er seine Wohnung in der Rue de Babylone, dreht mit Hündchen Moujik eine Runde um den Invalidendom und lässt sich in die Avenue Marceau 5 chauffieren. Dort erledigt er seine Post, isst zu Mittag mit Pierre Bergé, seinem noch immer besten Freund, und besorgt sich zwei Schachteln Kräuterzigaretten in der Apotheke. Auch den Rest des Tages geschieht dann nichts mehr, was nicht auch schon gestern geschehen ist. "Yves macht gar nichts, rein gar nichts mehr", klagt Bergé. "Er langweilt sich zu Tode." Wie sollte es anders sein, wenn man alles, was zu tun war, schon getan hat?

Das war vor drei Jahren, kurz nachdem Laurent seine Karriere als Modeschöpfer beendet hatte. Am Sonntagabend musste Bergé den Tod seines Freundes verkünden. Der weltberühmte Modeschöpfer starb nach langer Krankheit im Alter von 71 Jahren.

Das Leben von Yves Henri Donat Mathieu-Saint- Laurent beginnt am 1. August 1936. Er wird in Oran geboren, in eine der wohlhabenden Familien der algerischen Hafenstadt. Seine Eltern besitzen ein Stadthaus und eine Villa am Strand von Trouville; auf ihre französische Dienerschaft sind sie stolz, arabisches Gesinde wollen sie in ihrer Nähe nicht haben. Yves` Vater Charles lässt die Familie oft allein, er verwaltet eine Reihe von Kinos in Tunesien und Marokko. Seine Mutter Lucienne ist eine Provinzschönheit mit Geschmack und einem Hang zur Koketterie. Sie abonniert französische Modemagazine und bespricht die Details neuer Kleider mit ihren Schneidern.

Lucienne Laurent vergöttert ihren Sohn

Ihren Sohn vergöttert sie. Das bleibt auch so, als während des Krieges noch zwei Mädchen zur Welt kommen. "Ich habe meine Töchter natürlich lieb. Aber für Yves habe ich immer etwas ganz Intensives und Besonderes empfunden", wird sie später sagen. Auf Familienporträts steht ausnahmslos er im Zentrum der Aufmerksamkeit: ein schmächtiger Junge mit nachdenklichem Gesicht. Er sei ein glückliches Kind gewesen, hat er später immer wieder gesagt.

Das ändert sich in der Schulzeit. Auf dem katholischen Gymnasium von Oran wird er verspottet, denn er ist anders. Seine Homosexualität, seine Liebe zur Mode machen ihn zum Außenseiter. Er hat "nicht genug von einem Jungen" an sich, Saint Laurent lernt es schnell. Seine Mitschüler schlagen ihn, sie sperren ihn auf dem Klo ein. An Schultagen ist ihm morgens schlecht, die Angst wird sein ständiger Begleiter.

Aber das Rückgrat brechen lässt er sich nicht. "Immer, wenn sie auf mir herumhackten, sagte ich mir, eines Tages wirst du berühmt sein. Das war meine Art, es ihnen heimzuzahlen." Zu Hause wird er von der Mutter verhätschelt, vom Vater missverstanden. Anwalt soll er werden, nicht Kostüme schneidern, kein Puppentheater für seine Schwestern aufführen. Die Mutter ermuntert seine Talente, sie lässt seine schönsten Entwürfe schneidern. Aus ihren Illustrierten erfährt Yves von den neuesten Pariser Opern und Ballettaufführungen. Seine ersten sexuellen Erfahrungen sammelt er verschämt mit arabischen Strichjungen in Oran.

Laurent wird mit 21 Jahren Diors Nachfolger

Im September 1954 reist der 18-jährige Yves zum ersten Mal allein nach Paris. Er kommt als Teilnehmer des wichtigsten Designerwettbewerbs, ausgeschrieben vom Internationalen Woll-Sekretariat. Die Trennung von der Mutter empfindet er als qualvoll. "Sie stand an der Straßenecke und weinte. Ich weinte auch. Sie sagte adieu. Ich blickte noch einmal von weitem zurück, es war so traurig." Yves ist verklemmt und wehleidig bis melodramatisch - aber er ist auch ehrgeizig und hat ein Ziel vor Augen: Bei Christian Dior, dem berühmtesten Couturier seiner Zeit, will er in die Lehre gehen.

Tatsächlich streicht der Junge aus Oran drei von sieben Preisen ein; ein Deutscher namens Karl Lagerfeld gewinnt einen Preis für seinen Mantel- Entwurf. Auf den Fotos der Siegerehrung sieht Yves jünger aus als 18. Das liegt an dem Mund, der sich ständig zu höflichem Lächeln verziehen will, an seinen scheuen Augen hinter der strengen Stahlbrille, an "diesem Blick, unerträglich von Sanftheit", wie die Schriftstellerin Marguerite Duras schreibt. Sein Talent aber ist überragend: Nach einem kurzen Blick auf seine Entwürfe bietet Dior ihm sofort eine Stelle an. Er verwendet viel Mühe auf die Ausbildung seines begabtesten und fleißigsten Assistenten.

Am 24. Oktober 1957 stirbt Dior während einer Kur im italienischen Montecatini mit 52 Jahren an Herzversagen. Nur Tage nach der Beerdigung wird Saint Laurent sein Nachfolger - mit 21 Jahren! Dass der Junge zu Recht auf dem Thron sitzt, beweist er umgehend: Seine "Trapez"-Linie für Dior ist kühner, lebhafter, moderner als alles, was die Couture je gesehen hat. Das Publikum ist hingerissen und drängt so begeistert nach vorn, um Yves zu gratulieren, dass er auf einen winzigen Balkon des Hauses Dior gerettet werden muss. Da steht er mit blassem Gesicht, eine Bohnenstange im altmodischen Jackett, und nimmt die Ovationen entgegen.

Der "petit prince" hat "Frankreich gerettet" heißt es tags darauf in den Zeitungen. Doch es ist nicht nur der Märchenerfolg dieser Januartage 1958, der sein Leben für immer verändert. Es ist das Treffen mit Pierre Bergé. Der ist fast sechs Jahre älter und alles, was Yves nicht ist: Neugierig auf Menschen, weltoffen, selbstsicher, ein überzeugter Linker, ein cholerischer Macher. Für beide Männer ist es ein "coup de foudre" - Liebe auf den ersten Blick.

Bergé kommt von der Insel Oléron, das Pariser Leben führt er als Abenteuer. Er verführt seinen schüchternen Gefährten und öffnet ihm die Türen zur Außenwelt: Gemeinsam ziehen sie durch die Bars und Bistros des linken Seine-Ufers, an den Wochenenden reisen sie aufs Land. Karl Lagerfeld, der manchmal mit dabei ist, erinnert sich an den Yves jener Zeit als "sehr fröhlich, sehr lustig, très drôle".

Am 1. September 1960 muss der Modeprinz von Paris sich zum Militärdienst melden, auf dem Höhepunkt des Algerienkriegs. Für die Intellektuellen und Modeleute, mit denen Yves in Paris verkehrt, ist der Krieg eine nationale Schande. Für ihn selbst ist schon der Rekrutendienst ein Albtraum: Das Barackenleben und die Qualen des Militärdrills erträgt er nicht, nach 19 Tagen bricht er zusammen und wird ins Militärkrankenhaus gesteckt. Die Ärzte wollen ihn zwei Wochen später ins Privatleben entlassen, Verteidigungsminister Messmer aber annulliert ihre Entscheidung.

Laurent landet in der Psychatrie

Yves wird in die Psychiatrie des Pariser Armeekrankenhauses von Val-de-Grâce eingeliefert. Dort wird er mit Beruhigungsmitteln voll gepumpt und liegt allein in einem Zimmer, in dem ständig Leute ein und aus gehen. "Verrückte, echte Verrückte. Manche versuchten, mich zu streicheln, andere brüllten ohne Grund. Es gab alles, was nötig ist, um einen in den Wahnsinn zu treiben." Besuche werden von der Klinikleitung verboten, einzig Bergé erkämpft sich erst das Besuchsrecht, dann, nach zwei Monaten, die Entlassung seines Geliebten. Der wiegt nur noch 35 Kilo und ist seinen Platz im Modehimmel los. Bei Dior hat man in Marc Bohan einen Nachfolger gefunden, der nicht halb so empfindsam ist wie Yves, nicht halb so talentiert, aber verlässlich.

Die Wochen in der Anstalt haben seine Kräfte aufgezehrt, von den hoch dosierten, angstlösenden "pilles calmants" kommt er nicht mehr los. Bergé wird seine Krankenschwester. Er überredet Yves zu Flitterwochen auf den Kanarischen Inseln; zurück in Paris, treibt er einen amerikanischen Selfmademillionär aus Atlanta auf, der Saint Laurent eine eigene Couture-Linie finanziert. Yves hat verlorene Zeit wettzumachen: Manisch arbeitet er an der ersten eigenen Kollektion. Am 29. Januar 1962 ist es so weit: Zwei Stunden und 104 Outfits genügen, der Welt zu zeigen, wer der wahre König der Couture ist.

Was immer er in den nächsten Jahren tut, es verändert die Modewelt: Seine Smoking-Kostüme, der Safari- Look, die Military-Jacken, seine Hosenanzüge und Trenchcoats, die Mondrian-Kleider, keiner prägt die Mode so wie er. Er ist ein Eklektiker, der seinen Stil immer wieder zu wechseln scheint, in jeder Saison ist er für eine Überraschung gut. Und während das Publikum beglückt auf den Laufsteg starrt, steht er scheu hinter den Kulissen und drückt seinen Glücksbringer, einen kleinen Bugs Bunny. Der Wunderknabe ist ein Angsthase.

Einen großen Teil seiner Zeit ist er high

Vierzig Jahre später, als Tausende von Therapiestunden ihn gelehrt haben, dass Reden Ängste lindert, spricht er über seine Furcht vor den Kundinnen. Anfangs habe er sich nicht einmal zu den Anproben getraut, Bergé musste ihn regelrecht in die Atelierräume schleppen. "Eines Morgens werde ich aufwachen und mir sagen: Es reicht, ich ertrage es nicht mehr." Doch er macht weiter, angetrieben von Bergé. Und er ist sich sicher: "Ein glücklicher Modedesigner ist ein schlechter Modedesigner." In den Siebzigern sind Yves und Pierre das schickste Paar von Paris. Sie scharen einen Hofstaat von Anhängern um sich: Baroninnen, Drogendealer, Rockstars, Künstler. 1971 lässt Yves sich von Jeanloup Sieff für eine Parfümanzeige fotografieren - das Aktbild macht ihn zum ersten Popstar der Mode. Mit Andy Warhol kurvt er am Steuer seines VW-Käfer-Kabrioletts durch Paris, Rudolf Nurejew tanzt für ihn über den Place Vendôme.

Und wenn in Paris die Party endet, dann geht sie in Marokko weiter. Zwischen den Kollektionen zieht sich Yves immer wieder nach Marrakesch zurück. Dort gibt es eine große französische Schwulenszene, und Yves` Partygäste - der Ölerbe J. Paul Getty jr., Brian Jones und Anita Pallenberg, Mick Jagger und Marianne Faithful - sind nimmermüde. Yves entdeckt das hedonistische Leben, den Müßiggang, den Drogenrausch. Er hascht, kifft und wirft jede Droge ein, die gerade modern ist. "Das ist meine Art, der Wirklichkeit auszuweichen", sagt er. "Das Leben schöner zu sehen, als es ist." Wenn den Meister der Exzesse die Angst trotzdem überkommt, spült er sie mit Antidepressiva und Gin fort.

Einen großen Teil seiner Zeit ist er high, doch sein kreativer Ausstoß ist noch immer enorm: Die legendäre "Ballets Russes"-Kollektion vom Juni 1976 entsteht in den Krankenzimmern des Pariser "American Hospital". Noch immer schafft er die schönsten Kostüme der Welt; ein halbwegs geeignetes für seine Nerven gelingt ihm nicht.

Die begeisterte Aufnahme des "Ballets Russes" erhebt YSL fast in den Rang eines Künstlers - und das ist verhängnisvoll. Von nun an verkündet Bergé, Yves stehe in der Tradition eines Rimbaud, Baudelaire oder Proust. "Mode ist Kunst, wenn sie Saint Laurent entworfen hat", proklamiert er. Er beschreibt Yves als einen "Menschen von außergewöhnlicher Intelligenz, der das Handwerk eines Schwachsinnigen ausübt".

Der Freund will ihn schützen, doch er setzt ihn unter Druck. "Ich vergleiche mich nicht mit diesen Künstlern", versucht er sich zu wehren, "das wäre anmaßend." Oft genug sind seine Kleider Hommagen an Picasso oder Mondrian; er bewundert David Hockney und zitiert Matisse und Warhol. Aber ist Mode Kunst? - Nein. "Ich glaube aber, dass meine Zeichnungen Potenzial hatten", sagt er Jahre später, "und ich als Zeichner wohl auch. In Wahrheit bin ich ein gescheiterter Maler." Die Folgen des Alkohols und der Drogen, der 150 Kool-Zigaretten täglich, der langen Nächte und vielen Arbeit lassen sich nicht mehr verbergen. Es beginnt eine endlose Kette von Nervenzusammenbrüchen, Sanatoriumsaufenthalten und Psychotherapien. Mit Anfang 40 benimmt er sich wie ein Greis. Es ist, als habe er die Bürden des Erwachsenseins nicht ertragen und sei nun übergangslos in die Rolle des hilfsbedürftigen Opas geschlüpft. Stets hat er den Part des Heranwachsenden übernommen: als vergötterter Sohn, als Diors Dauphin, als junger Liebhaber Bergés und Spielgefährte seiner Muse Loulou de la Falaise. Und schließlich auch als Modeschöpfer, der seine Ideen mit infantiler Unschuld verfolgte, mit dem Willen eines störrischen Kindes durchsetzte. "Yves ist sehr schlau, sehr schüchtern, aber er weiß, was er will", sagt Bergé.

Laurent verliebt sich in einen Dandy

1973 verliebt sich Yves in den Dandy Jacques de Bascher. Das dekadente Leben an dessen Seite tut ihm nicht gut. "Yves ist einfach schrecklich egozentrisch", klagt Bergé, "er kann nur mit einer einzigen Person leben, nämlich mit sich selbst." Als Yves` Affäre nach vier Jahren endet (de Bascher wird später der Lebensgefährte Lagerfelds), fürchtet er, im Gegenzug könnte Bergé ihn im Stich lassen. Es macht ihn rasend, ihn mit anderen flirten zu sehen; er beschimpft ihn, bewirft ihn, macht ihn lächerlich.

Bergé hat die gemeinsame Wohnung verlassen, aber hält ihm weiter den Rest der Welt vom Hals. Seine Aufgabe sei es, "dem Genie einen perfekten Arbeitsplatz zu bauen". Die beiden Männer stecken fest in einem Kreislauf der Abhängigkeit. Immer häufiger zieht Yves sich in seine Luxus- Eremitagen in der Normandie oder Marrakesch zurück. Dort lebt er mit seinen Picassos und Goyas seinen Proustschen Erstausgaben. Mit dem Schriftsteller identifiziert er sich so leidenschaftlich, dass er manchmal unter dem Pseudonym M. Swann auf Reisen geht. "Wie Proust glaube auch ich, dass die wahren Paradiese die verlorenen sind", sagt er.

Seine Weltflucht macht ihn wunderlich: Er droht damit, seine Siebdrucke von Andy Warhol zu verbrennen, weil der auch den Rivalen Valentino porträtiert. Er pflegt Ängste vor schwarzen Vögeln ("Sperren Sie mich nur mit einem Raben in ein Zimmer. Ich würde den nächsten Morgen nicht erleben") und einen Spleen für schwarzweiße Schoßhündchen, die einer nach dem anderen immer wieder den Namen Moujik tragen.

Im März 1977 vermelden die Zeitungen seinen Tod. Die peinlichen Falschmeldungen sind der Anfang vom Ende des Couturiers. Von nun an wird die Welt sich immer mehr für seine Auftritte interessieren, immer weniger für die freudlos gewordene Perfektion seiner Mode. Von Tranquilizern lethargisch gemacht, von etlichen Litern Coca-Cola täglich aufgeschwemmt, tapst er unbeholfen beim Finale hinter seinen Models über den Laufsteg und blickt, als wisse er nicht, was er hier solle.

1990 suchen ihn Anfälle von Delirium tremens heim. Er wird für drei Monate in eine Nervenheilanstalt gesteckt. Endlich kommt er vom Alkohol los und erholt sich. Er sieht munterer aus, sein Blick wirkt nicht mehr verstört. Antidepressiva braucht er noch immer, denn "die Angst hält sich stets in meiner Nähe auf, dicht hinter mir. Ich bin jemand, der sehr unglücklich ist", sagt er einmal. Saint Laurent hat immer alles gekriegt, was er wollte: Affären und Ausschweifungen jeder Art, Ruhm, Alkohol und Partys - und er hat das tatsächlich überlebt. Nun bleibt ihm immer noch das Leiden. Es ist sein Privileg, sein ständiger, geliebter Begleiter. Es wird noch einmal genährt, als im Herbst 1999 die italienische Gucci Group sein Lebenswerk für eine Milliarde Dollar kauft. Das Geschäft mag sich lohnen, doch es beinhaltet eine schlechte Botschaft: In der Welt moderner Luxuskonzerne ist einer wie Yves nicht zu gebrauchen.

Das französische Fernsehen überträgt live, als Saint Laurent am 7. Januar 2002 im vergoldeten Salon seines Ateliers sitzt und seinen Rücktritt verkündet. Mit leiser Stimme formuliert er ein Pamphlet des Selbstmitleids und des Stolzes: "Ich habe mit Ängsten gerungen und ich bin durch die Hölle gegangen ... Der Kampf um Eleganz und Schönheit hat mich leiden lassen", sagt er. "Es war Marcel Proust, der mich lehrte, dass die prächtige und bejammernswerte Familie der Empfindsamen das Salz der Erde ist." Das Leben, das Saint Laurent seither führt, vergeht so beschaulich wie das anderer wohlhabender Rentner. Den Großteil seiner Tage verbringt er in seiner Zwölfzimmerwohnung, führt Moujik spazieren, auf Empfehlung seines Arztes raucht er nikotinfreie Kräuterzigaretten. Wenn er, was selten geschieht, nach Marrakesch und Tanger reist, folgt Bergé ihm für ein paar Tage. Ihre Beziehung ist zur Ruhe gekommen: "Bei mir braucht er sich nicht anzustrengen", meint Bergé. "Keiner stellt Ansprüche an den anderen." Natürlich, einmal täglich schaut er in seinem Büro vorbei, doch nicht unerledigter oder kommender Aufgaben wegen, sondern um sich mit dem zu befassen, was einmal war. "Ich bin nicht länger interessiert an dem, was in der Mode geschieht", erklärt er. "Es ist wichtig für mich, mich mit der Vergangenheit zu umgeben." Also hat Bergé ihm das Couture-Haus in eine Stiftung verwandelt und sein Atelier in einen musealen Ort. Seit Saint Laurent sich im vergangenen Jahr bei einem Sturz beide Arme brach, zeichnet er weniger und weniger. "Der Fluss an Ideen, der früher meinen Geist überflutete, hat sich beruhigt", sagt er. "Ich bin zerbrechlich. Ich muss ein friedliches Leben führen."