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"Luther": Neben Thesen viel gewesen

Rebellisch und obrigkeitshörig: Die Filmbiografie "Luther" schildert das Leben des Reformators - aber nur die Light-Version.

Gerade hat Papst Johannes Paul II. sein 25-jähriges Dienstjubiläum gefeiert, da kommt ein Film über Martin Luther ins Kino. Jenen Mönch, der mit seinen 95 Thesen einen Prozess in Gang setzte, der zur Spaltung der Kirche führte. Der Starttermin ist sicher keine Absicht. Katholiken könnten "Luther" trotzdem als Affront empfinden: Denn in der deutsch-amerikanischen Koproduktion kommt die katholische Kirche schlecht weg. Wie eine mittelalterliche Mafia drangsaliert sie ihre Schäfchen. Bis einer aufmuckt: Martin Luther Superstar.

Gespielt wird er von Joseph Fiennes als jugendlicher Held mit Hundeaugen. Erst hadert er in der Mönchszelle im inneren Disput mit dem Teufel, dann führt er feurige Reden gegen das unchristliche Treiben der Kirche. Nebenbei kümmert er sich um die Elenden und Entrechteten.

Der Film hat Luthers Leben ordentlich aufgehübscht. Sicher, der Mann war ein vorausschauender Denker, der mit populärwissenschaftlichen Traktaten dem Volk das Christentum vermittelte, für eine Trennung von Kirche und Staat eintrat und mit seiner Bibelübersetzung die Verbreitung der deutschen Schriftsprache entscheidend vorantrieb. Er war aber auch ein Choleriker, Chauvi und Obrigkeitshöriger, für den der Bauernaufstand eine Krawallveranstaltung "räuberischer und mörderischer Rotten" war. Im Film geht das so: Luther ist geschockt, welche Gräuel seine Anhänger, die Bauern, begehen. Dass der Aufstand blutig niedergeschlagen wird, stürzt ihn in tiefe Seelenpein.

Meist hält sich "Luther" an die Fakten, holt Spannung aus dröger Historie und zeigt Schauspieler wie Peter Ustinov oder Bruno Ganz in Bestform. Entscheidendes aber wird unterschlagen: übelste antisemitische Schriften wie die "Von den Juden und ihren Lügen", die Luther am Ende seines Lebens verfasste. Der Film mogelt sich drum rum, macht 1530 einfach Schluss. Im Abspann liest man nur, dass der Reformator auch in den letzten 16 Jahren seines Lebens weiter zum Wohle der Menschen tätig war - Luther à la Hollywood. Der ganze Martin taugt halt nicht zum Kinohelden.